Jonas Truchanovicius konnte in der vergangenen Bundesliga-Saison noch acht Spiele für den TVB Stuttgart bestreiten. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Er bringt Erfahrung mit und einen Titel in der Champions League. Der litauische 2,03-m-Mann Jonas Truchanovicius will nach einer Eingewöhnungsphase in der neuen Saison bei Handball-Bundesligist TVB Stuttgart so richtig durchstarten. Was zeichnet ihn aus?

Trainer Michael Schweikardt bezeichnet ihn als „Leuchtturm“, für seinen Bruder Jürgen ist er schlicht und ergreifend eine „Erscheinung“. Da passt der Spitzname von Jonas Truchanovicius sehr gut ins Bild. „Truck“ rufen sie den 2,03-Meter-Mann seit seinem Gastspiel bei Montpellier HB, mit dem er 2018 die Champions League gewann. Ein französischer Fernsehkommentator hatte nach einem Synonym für den physisch so starken Rückraumriesen gesucht – und fand die englische Bezeichnung für Lastwagen ganz passend. Zudem konnte der litauische Zungenbrecher-Nachname so ganz elegant umgangen werden.

18 Tore in acht Spielen

Seit der vergangenen Winterpause steht der Rechtshänder beim TVB Stuttgart unter Vertrag. Acht Spiele hat er in der vergangenen Saison der Handball-Bundesliga noch bestreiten können, dabei erzielte er 18 Tore. „Das war nicht gut, das war nicht schlecht“, sagt Truchanovicius. Durchschnitt eben. Aber nach seiner langen Verletzungspause konnte mit diesen Auftritten jeder prima leben – zumal sie ursprünglich so früh noch gar nicht geplant waren und praktisch einem Warmlaufen für die kommende Saison gleichkamen.

Denn im Sommer 2021 hatte er sich das hintere Kreuzband am linken Knie gerissen. Gerade wieder fit, zog er sich Ende 2022 bei einem Einsatz in der Nationalmannschaft (insgesamt 42 Länderspiele für Litauen/113 Tore) einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu. Um eine optimale medizinische Versorgung zu gewährleisten, zog der TVB den erst für diesen Sommer geplanten Transfer um fünf Monate vor. In der VfB-Reha-Welt und unter Anleitung des TVB-Ärzteteams um Frieder Mauch von der Sport-Klinik schuftete er für sein Comeback.

Fünf Jahre in Montpellier

Bis zum Wechsel nach Stuttgart spielte „Truck“, der mit seiner deutschen Freundin in Waiblingen lebt, für den HC Motor Saporischschja. Der ukrainische Renommierclub nahm aufgrund des Krieges vergangene Runde in der deutschen zweiten Liga außer Konkurrenz am Spielbetrieb teil. Vor der Zeit in Montpellier (2016 bis 2021) war der österreichische Erstligist Union Juri Leoben seine erste Auslandsstation. Mit der Verpflichtung ging der TVB durchaus ein Risiko ein, was Geschäftsführer Jürgen Schweikardt offen zugibt: „Hätte Jonas nicht diese Verletzungsgeschichte, wäre ein Spieler seines Kalibers, der zudem eine echte Persönlichkeit darstellt, für uns nicht realistisch gewesen“, sagt der 43-Jährige. „Aber wir sind sehr optimistisch, dass er stabil bleibt, und dann stehen die Chancen gut, dass er bei uns richtig durchstartet.“

Schlüsselrolle vorne und hinten

Mit 30 ist Truchanovicius im besten Alter. Zudem gehört er zu der Spezies von Handballern, die man gerne als „kompletten Spieler“ bezeichnet. Weil er in Abwehr und Angriff gleichermaßen eine Schlüsselrolle einnimmt. Hinten verteidigt er im Deckungszentrum als Chef kompromisslos und hart, zudem kommuniziert er viel mit seinen Nebenleuten Adam Lönn, Samuel Röthlisberger oder Fynn Nicolaus. Vorne bringt er viel Wucht und Shooter-Qualitäten mit, trotz seiner Größe und seines Gewichts wirkt er beweglich, und er hat Finten in seinem Repertoire.

Sein größter Wunsch für die neue Saison lässt sich erahnen: „Ich möchte einfach verletzungsfrei und gesund bleiben“, sagt er, „und mit unserer Mannschaft in dieser von enormer Physis geprägten Liga möglichst weit vorne landen.“ Wie weit vorne, kann er nicht sagen. „Ich weiß nur, dass zwischen den Teams von Platz sieben bis 15 in dieser sehr ausgeglichenen Bundesliga kein riesiger Unterschied besteht.“

Der TVB Stuttgart will in der kommenden Bundesliga-Saison unter den Top Ten landen. Wenn nicht alles täuscht, dürfte die gesundheitliche Stabilität des „litauischen Lastwagens“ ein wesentlicher Faktor sein, ob dieses ambitionierte Saisonziel vom Vorjahres-15. erreicht wird.

Termine

Vorbereitung
Testspiel in Bittenfeld: TVB Stuttgart – HBW Balingen-Weilstetten 28:31. Freitag, 28. Juli, bis Sonntag, 30. Juli: S-Cup Altensteig in der Eichwaldhalle und Justus-Perels-Halle in Altensteig mit den Teilnehmern TVB Stuttgart, Rhein-Neckar Löwen, HBW Balingen-Weilstetten, Frisch Auf Göppingen, BSV Bern, Amicitia Zürich, HC Oppenweiler/Backnang, TSV Altensteig. Freitag, 4. August, 19 Uhr, Testspiel in der Voralbhalle Heiningen: TSV Heiningen – TVB Stuttgart. Samstag, 5. August, 18 Uhr, Testspiel in der Bertha-Benz-Halle in Pforzheim: SG Pforzheim/Eutingen – TVB Stuttgart. Samstag, 12. August, 17 Uhr, in der Sporthalle Regental in Remseck am Neckar: TVB Stuttgart – HC Erlangen. Mittwoch, 16. August, 19 Uhr in der Wunnensteinhalle in Großbottwar: TVB Stuttgart – HSC 2000 Coburg. Samstag, 19. August, 18 Uhr in der Alfred-Kärcher-Sporthalle in Winnenden: TVB Stuttgart – Wacker Thun.

Bundesliga
TVB – Füchse (Freitag, 1. September, 20 Uhr), HBW Balingen-Weilstetten – TVB (Dienstag, 5. September, 19 Uhr), TVB – ThSV Eisenach (Sonntag, 9. September, 18 Uhr), MT Melsungen – TVB (Freitag, 15. September, 19 Uhr), TVB – VfL Gummersbach (Montag, 25. September, 19 Uhr), Rhein-Neckar Löwen – TVB (Sonntag, 1 Oktober, 15 Uhr), TVB – SG Flensburg-Handewitt (Sonntag, 8. Oktober, 18 Uhr), HSV Hamburg – TVB (Donnerstag, 12. Oktober, 19 Uhr). (jüf)