Das ehemalige Gasthaus Krone in Hildrizhausen war vor einigen Jahrhunderten Schauplatz einer wilden Schlägerei. Foto: Theermann

Bei einem Nachtwächterrundgang soll die Ortsgeschichte von Hildrizhausen lebendig werden. Der Interessenkreis Ortsgeschichte hat dafür schaurige Anekdoten recherchiert – und sucht nun noch Schauspieler.

Eine Kneipenschlägerei mit schaurigem Ausgang, ein Prozess gegen eine Hausemer Hexe, und ein Mord im idyllischen Pfarrgarten von Hildrizhausen. Der Interessenkreis Ortsgeschichte hat True-Crime-Geschichten aus den vergangenen Jahrhunderten aufgearbeitet – und will nun alle daran teilhaben lassen.

Sonst Pfarrer, bald auch Nachtwächter: Andreas Roß Foto: IK Ortsgeschichte

Im Rahmen einer Nachtwächterführung sollen diese Szenen möglichst an den originalen Schauplätzen nachgespielt werden. Durch den Abend soll Pfarrer Andreas Roß führen – gewandet als Nachtwächter. „Das Projekt haben wir schon ein paar Jahre lang in der Pipeline“, sagt Marion Hahn, die für das Casting zuständig ist. Die Pandemie habe die Planungen etwas ausgebremst. Nun aber ist die Suche nach Schauspielern in vollem Gange. „Ein paar Rollen haben wir schon besetzt, wir suchen jetzt vor allem jüngere Männer und Frauen“, sagt Hahn.

Hexenprozess wird nach Hildrizhausen verlegt

Eine Rolle, für die es schon eine Schauspielerin gibt, ist eine mutmaßliche Hexe, die 1665 in Hildrizhausen gewohnt hat. „Sie war schon in den 60ern, also für die damalige Zeit eine alte Frau“, sagt Hahn. „Außerdem war sie unverheiratet, was verdächtig war.“ Bei dieser Spielszene gebe es eine historische Ungenauigkeit, denn stattgefunden habe der Prozess gegen die Hausemer Hexe gar nicht in Hildrizhausen, sondern in Herrenberg. Aber das fällt dann unter künstlerische Freiheit. In der Version der Nachtwächterführung spielt der Prozess am alten Forsthaus. Was genau der Frau vorgeworfen wurde, und wie der Prozess für die Frau ausging, das wird noch nicht verraten.

Kontext Dreißigjähriger Krieg

Wie der Hexenprozess spielt auch eine weitere Szene im 17. Jahrhundert – und zwar kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, der anno 1648 endete. „Man muss sich das mal vorstellen, das waren 30 Jahre Mord, Totschlag und Anarchie“, sagt Marion Hahn. „Die Dörfer waren total entvölkert, und Hildrizhausen hat es offenbar besonders schlimm getroffen.“ Von ursprünglich 142 Einwohnern seien nach dem Krieg nur rund 40 noch am Leben gewesen.

In diesem historischen Kontext ist es nicht undenkbar, dass jemand bewaffnet in einer Kneipe sitzt. „Damals muss es furchtbar zugegangen sein“, berichtet Marion Hahn. „Über Land konnte man wahrscheinlich nicht gehen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen.“ Marodierende Banden, Bettelknaben, entlassene Soldaten – alles Gestalten, die man vermutlich habe antreffen können.

Zoff in der „Krone“

Trotzdem hatten sich wohl an jenem Abend im Jahr 1653 zahlreiche Hausemer in der Gaststätte Krone in der Ortsmitte eingefunden. Es wurde Kirchweih gefeiert. Mitten in das feuchtfröhliche Geschehen sei dann eine Gruppe von Schönaichern geplatzt. Offenbar gab es Streit um ein Wirtsmädchen. Das Ende war blutig. Die Details gibt es aber erst im Herbst, wenn die Szene aufgeführt wird.

„Wir planen, die Szene in der Krone aufzuführen, und die Gäste der Nachtwächterführung sozusagen als Zaungäste von außen zuschauen zu lassen“, kündigt Marion Hahn an. Es werde sicher eine besondere Atmosphäre sein, wenn das leer stehende Gasthaus für diesen Abend wieder von Leben erfüllt sei. Um die Krone allerdings beleben zu können, braucht der Interessenkreis Ortsgeschichte noch mehrere junge Männer und Frauen, um die Streithähne, unbeteiligte Kneipengänger, und nicht zuletzt das Wirtsmädchen. Der Begriff „jung“ ist dabei relativ: „Alles bis 40 Jahre müsste machbar sein“, sagt Hahn.

Bluttat im Pfarrgarten

Für die dritte Szene wird ebenfalls noch ein jüngerer Mann benötigt. Diese springt in der Ortsgeschichte in paar Jahrhunderte näher an die Gegenwart heran und handelt von einem Mann und dessen Stiefvater, die im romantischen Pfarrgarten in einen handfesten Streit geraten. „Es ging dabei wohl um das Erbe“, so Hahn. Auch hier wird noch nicht all zuviel verraten. Nur so viel: Die Rolle des Stiefvaters ist schon besetzt.

Nicht alle Punkte der Nachtwächterführung werden von Schauspielern lebendig gemacht, relativiert Hahn. An einigen Punkten werde Nachtwächter Roß in seinen eigenen Worten erzählen, was sich zugetragen hat. Bei dem Rundgang werde zum Beispiel auch das alte Rathaus angelaufen, oder der Mörderstein auf dem alten Friedhof. Auch über die ehemalige Burg wird etwas erzählt werden.

Schauspieler gesucht

Nach den Sommerferien sollen die Proben für die drei kurzen Spielszenen starten. Die Aufführungen sind für Ende Oktober oder Anfang November geplant. „Wir gehen davon aus, dass wir den Nachtwächterrundgang an zwei aufeinanderfolgenden Tagen anbieten“, sagt Hahn.

Wer Interesse hat, als Schauspieler bei den Aufführungen mitzuwirken, kann sich bei Marion Hahn melden. Ihre Telefonnummer lautet: 0 70 34/ 81 96.