Aushänge wie diese finden sich in allen Universitäten und Hochschulen. Vor allem Erstsemester suchen nach einer preiswerten Bleibe. Foto: dpa Quelle: Unbekannt

Stuttgart - Fürs Wohnen haben Studenten in Stuttgart in den vergangenen Jahren deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) stiegen die Mieten für Studentenbuden in der Landeshauptstadt seit 2010 um 21,4 Prozent - und dies trotz eines ohnehin schon hohen Preisniveaus. Eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht: Die Universitäten und Hochschulen melden zum Semesterbeginn neue Zulassungsrekorde.

Von Elke Hauptmann

In der Studie im Auftrag des Deutschen Real Estate Funds verglichen die Immobilienexperten die Mietpreisdynamik von durchschnittlichen Studentenbuden zwischen 2010 und 2016 in 15 Groß- und Universitätsstädten. Als Datengrundlage wurden die Inserate der Internetplattform „ImmobilienScout24“ genutzt, zu der auch das Wohngemeinschafts-Portal „WG-Gesucht“ gehört. Um nur Inserate einzubeziehen, die wirklich für Studenten interessant sind, sind die teuersten 20 Prozent nicht in die Berechnung eingeflossen.

Bundesweiter Spitzenreiter bei der Zunahme im Mietpreis ist demnach Berlin mit 37,3 Prozent, Stuttgart liegt nach München (24,8 Prozent) und Osnabrück (25,2) auf Platz 4 des Negativ-Rankings. „Die Preissteigerungen sind höher im studentischen Wohnen als im Gesamtmarkt“, erklärte IW-Studienleiter Michael Voigtländer. Denn die Hochschüler konkurrierten mit anderen Gruppen um günstige Apartments. Neben Senioren seien das zum Beispiel auch Berufsanfänger. Die jungen Erwerbstätigen haben aber mehr Geld als Studenten. „Wir haben es mit einer Gruppe zu tun, die von der allgemeinen Gehaltsentwicklung abgekapselt ist.“ Dies verschärfe die Situation für Studenten.

Für künftige Studenten hält die Studie keine guten Nachrichten bereit: Die Mietpreisdynamik wird auch in den kommenden Jahren nicht an Geschwindigkeit verlieren. „Der Preisdruck wird nicht nachlassen, von daher muss man sich mit weiteren Preissteigerungen arrangieren“, sagt Voigtländer.

Einer der Gründe dafür: Die Zahl der Studenten - nicht zuletzt auch aus dem Ausland - wächst stetig. Im vergangenen Wintersemester studierten mehr als 62 000 junge Menschen an den 13 staatlich anerkannten Hochschulen. In diesen Monaten werden rund 9000 neue Studenten allein an den Universitäten Stuttgart (insgesamt 28 000 Studierende) und Hohenheim (insgesamt fast 10 000 Studierende) beginnen. An der Hochschule für Technik Stuttgart haben sich mehr als 800 Erstsemester eingeschrieben. Fast ebenso viele Studienanfänger sind es an der Hochschule der Medien. Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie die Staatliche Akademie für Bildende Künste nehmen jeweils etwa 100 neue Studenten auf.

Für viele von ihnen beginnt der Start in Stuttgart mit der aufwendigen Zimmersuche. Denn Plätze in Studentenheimen sind rar. Das Studierendenwerk Hohenheim-Tübingen hat lediglich 1050 Plätze zur Verfügung - bei rund 2470 im Wintersemester zu vergebenen Studienplätzen. „Uns lagen 529 Bewerbungen für die Zimmer vor“, sagt Sandra Haggenmüller vom Studierenwerk. Fast allen Interessenten habe man absagen müssen. Weil die Not gerade zu Semesterbeginn groß sei, habe man auch in diesem Jahr wieder 15 Notplätze in der sogenannten Bauernschule eingerichtet. Doch der Gymnastiksaal werde für den Hochschulsport benötigt, bis Ende Oktober müsse er wieder frei sein, so Haggemüller. Das Provisorium könnte auch noch in den nächsten Jahren notwendig werden: Erst im Jahr 2018 soll auf dem Campus ein neues Wohnheim mit 250 Plätzen bezugsfertig sein. Den Bedarf für die Studenten der Universität Hohenheim beziffert man mittelfristig auf rund 600 Plätze.

Private Zimmervermittlung

Das Studierendenwerk Stuttgart bietet in der Landeshauptstadt derzeit 5437 Wohnheimplätze an - auf der Warteliste stehen rund 3400 Studierende. „Es wird Monate dauern, bis alle Antragsteller einen Platz gefunden haben“, weiß Simone Hübner, die Sprecherin des Studierendenwerks. Dennoch: Notquartiere, etwa in Turnhallen, werden nicht eingerichtet. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese nicht angenommen werden.“ Vielmehr setze man auf die private Zimmervermittlung. Auf der Internetseite des Studierendenwerks können private Vermieter kostenlos Wohnungsangebote einstellen. „Derzeit befinden sich noch 156 Angebote für freie Zimmer und Wohnungen in der Datenbank, 160 Zimmer wurden bereits erfolgreich vermittelt“, sagt Hübner.

Die Wohnungsnot von Studenten ist einer deutschlandweiten Erhebung des Immobilienentwicklers GBI zufolge in Baden-Württemberg besonders hoch. Gleich vier Universitätsstädte aus dem Südwesten gehören zu den zehn Standorten mit dem deutschlandweit knappsten Angebot: Stuttgart (Platz 5), Freiburg (6), Tübingen (9) und erstmals auch Konstanz (10). Die Preise für WG-Zimmer erhöhten sich in den Top-Ten-Städten durchschnittlich um knapp 14 Prozent auf 436 Euro.

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