Der gewaltige Sandsteinmonolith Uluru ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Australiens. Foto:  

Nach der Schule gehen viele Abiturienten erst mal ins Ausland. Australien ist das beliebteste Ziel. Warum zieht es junge Leute ausgerechnet ans andere Ende der Welt und was muss man bei der Planung einer Auszeit beachten?

Mehr als ein Lückenfüller: Ein sogenanntes Gap Year passt perfekt zwischen zwei größere Lebensabschnitte – Schule und Studium oder Ausbildung und Berufseinstieg. Wann auch immer: Ein Jahr im Ausland ist eine Chance zur Selbstfindung und persönlichen Weiterentwicklung. Auf Reisen trifft man andere Menschen, erfährt etwas über fremde Kulturen, verbessert Sprachkenntnisse und bekommt vor allem Abstand zu den Eltern.

So weit weg wie möglich, ans andere Ende der Welt

Sich abnabeln und auf eigenen Füßen stehen sind schon lange existierende Motive für größere Reisen junger Leute. Der heutigen Jugend geht es aber vor allem darum, wegzulaufen, sagt Tourismusforscher Stefan Gössling aus Freiburg: „Natürlich ist da die Neugierde auf andere Länder und andere Kulturen. Es gibt aber auch verschiedene Stressfaktoren: Der Druck in der Schule hat durch G 8 unheimlich zugenommen, die Konkurrenz durch die sozialen Medien wird immer größer, und vor allem geht es mit diesem Planeten zu Ende. All das bewirkt, dass die gebeutelte Generation einfach nur noch fortwill.“

Richtig weit weg heißt: ab nach Down Under. Laut den Zahlen des Australischen Innenministeriums wurden 2022/23 insgesamt 13 644 Visaanträge aus Deutschland genehmigt. Im Vergleichszeitraum 2021/22 waren es 6798 Anträge – allerdings hielt da noch ein gewisses Virus die Welt in Atem.

Ebenfalls beliebt: Neuseeland und Kanada. In all diesen Ländern wird eine der Jugend bestens vertraute Sprache gesprochen. Diesen Pluspunkt können zwar auch die USA für sich verbuchen, doch hier gelten strengere Jugendschutzgesetze. Unter 21 Jahren gibt’s keinen Alkohol, man darf nicht in Bars oder Clubs. Stefan Gössling sieht vor allem ein anderes Problem: „Die USA haben sich gewandelt vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum Land, in dem sich soziale und politische Abgründe auftun. Das hinterlässt Spuren in der öffentlichen Wahrnehmung.“ Australien habe da einen ganz anderen Attraktionsgrad als eigener Kontinent mit putzigen Tierchen wie Koalas.

Was tun im Ausland?

„Work and Travel“ nennt sich die Mischung aus Ferien und Arbeit. Der Aufenthalt vor Ort finanziert sich durch verschiedene Gelegenheitsjobs. Spezielle Anbieter helfen bei der Organisation und erleichtern den Start. Wem es keinen Spaß macht, Avocados auf einer Farm zu ernten, zieht einfach weiter und kellnert in einer Kneipe. Dazwischen geht’s auch mal ein paar Tage zum Chillen an den Strand. In den sehr beliebten Hotspots wie Sydney oder Brisbane kann es allerdings schwierig werden, ruckzuck an einen Job zu kommen. Einfacher geht das in nicht ganz so überlaufenen Gegenden wie etwa Westaustralien und dem Northern Territory. Stellensuchende können sich vor Ort an eine Arbeitsvermittlungsagentur wenden, https://thekingsmen.net.au/.

Junge Leute, die Erfahrung in der Kinderbetreuung haben, können sich als Au-pair bewerben. Man hat Anschluss an eine Familie, wohnt kostenlos und erhält ein Taschengeld. Die Vermittlung der Gasteltern übernehmen Agenturen, natürlich gegen Gebühr.

Auch ein Praktikum macht sich gut im Lebenslauf. Es ist unter Umständen aber die teuerste Art des Auslandsaufenthaltes nach dem Abi, da nicht jedes Praktikum vergütet wird und die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Freizeitaktivitäten bezahlt werden müssen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, im Ausland ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr zu absolvieren. Einen Überblick bietet die gemeinnützige Stiftung Völkerverständigung unter www.aufindiewelt.de/gap-year.

Kosten

Eine Reise ans andere Ende der Welt schlägt mit hohen Kosten zu Buche. Allein für den Flug zahlt man mindestens 1400 Euro. Dazu kommen mögliche Einbußen zu Hause: Denn Eltern haben nur Anspruch auf Kindergeld, wenn der unter 25 Jahre alte Nachwuchs eine Ausbildung macht oder studiert. Einige Gap-Year-Programme wie das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr und der Bundesfreiwilligendienst werden als eine Art Ausbildung angesehen. In diesen Fällen läuft das Kindergeld weiter. Bei Sprachreisen, „Work and Travel“-Programmen, Au-pair-Jobs ohne Sprachkurs oder auch Praktika im Ausland, die nicht Teil eines Studiums sind, stellt die Familienkasse aber die Zahlungen ein.

Visum und Dokumente

Zur Einreise nach Australien muss der Reisepass für die gesamte geplante Aufenthaltsdauer gültig sein. Außerdem braucht man ein Visum. Wer nicht nur durchs Land reisen, sondern dort auch arbeiten möchte, muss das sogenannte Working-Holiday-Visum, Subclass 417, beantragen. Es kostet zurzeit 635 Australische Dollar (rund 385 Euro).

Bei der Einreise wird zudem stichprobenartig kontrolliert, ob die Gäste genug Geld haben, um ihren Aufenthalt Down Under zu finanzieren. Als Nachweis gilt ein Kontoauszug über ein Guthaben von mindestens 5000 Australischen Dollar (3200 Euro), nicht älter als vier Wochen. Wer kein Rückflugticket hat, braucht entsprechend mehr Vermögen auf der hohen Kante. Weitere Informationen gibt es auf der Seite des australischen Innenministeriums: https://immi.homeaffairs.gov.au/

Das Working-Holiday-Visum wird einmal im Leben erteilt. Anträge können nur von Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren gestellt werden. Die Aufenthaltserlaubnis ist zwölf Monate lang gültig. Man kann das Visum aber unter Umständen verlängern. In den meisten Fällen muss dann eine von der australischen Regierung vorgegebene regionale oder landwirtschaftliche Arbeit verrichtet werden. Seit 2021 gehören auch Jobs im Tourismus und dem Gastgewerbe dazu.

Die deutsche Fahrerlaubnis ist innerhalb der EU anerkannt. Wer weiter weg ein Auto steuern möchte, braucht einen Internationalen Führerschein. Das Dokument beantragt man bei der Führerscheinstelle des Wohnortes. Voraussetzung ist ein deutscher Führerschein im Scheckkartenformat, wie er bei neueren Lizenzen ohnehin üblich ist.

Versicherungen

Auf jeden Fall sollte man krankenversichert sein. Denn es kann immer was passieren – der Blinddarm entzündet sich, ein Zahn schmerzt oder man bricht sich einen Knochen. Der Schutz der gesetzlichen Krankenkassen endet jedoch an den Grenzen der Europäischen Union. Man braucht also eine Auslandskrankenversicherung, am besten mit Rücktransport im schlimmen Krankheitsfall. Dabei unbedingt beachten, dass es sich um eine längere Verweildauer handelt. Apropos Gesundheit: Über notwendige Impfungen informieren die Tropeninstitute. Hier kommt es darauf an, wo genau man hinreisen möchte.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt außerdem den Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung. Wer schon eine hat, sollte das Kleingedruckte genau studieren – ob auch Schäden bei Langzeit-Aufenthalten im Ausland abgedeckt sind.

Konto und Steuern

Das deutsche Konto kann in der Regel einfach im Ausland genutzt werden. Praktisch und oft auch notwendig (zum Beispiel beim Buchen eines Hotelzimmers oder Mietwagens) ist eine Kreditkarte. Die Verbraucherzentrale rät: „In immer mehr Ländern ist es üblich, auch Kleinstbeträge wie den Brötchenkauf beim Bäcker oder den Cappuccino im Café bargeldlos zu zahlen. Wichtig ist, eine Giro- oder Kreditkarte zu wählen, bei der nicht für jeden Zahlungsvorgang Gebühren berechnet werden.“

Wer allerdings vor Ort arbeiten möchte, braucht ein lokales Konto und eine Steuernummer. Es gibt vier große Banken in Australien mit einem dichten Netz an Filialen und Geldautomaten: National Australia Bank (NAB), Commonwealth Bank (CBA) die Australia and New Zealand Banking Group (ANZ Bank) und Westpac. Bei allen können sich Touristen aus Übersee ein Konto einrichten lassen, teilweise geht das schon online von zu Hause aus. Die Tax File Number kann man erst beantragen, sobald man australischen Boden betreten hat. Infos dazu gibt es beim Finanzministerium Australiens: https://www.ato.gov.au/

Hilfe bei der Jobsuche

Unterstützung

https://www.australia.com/de-de/youth-travel/work-and-volunteer-in-australia/job-search-aggregator.html

Reiseplanung

Es gibt spezielle Supportprogramme und Anbieter, die einem bei der Orga helfen und den Start erleichtern. Ein bekannter Anbieter ist beispielsweise STA Travel, https://www.statravel.de/auslandsaufenthalte/work-travel/australien.

Rund um sorglos

Ein Arbeitsprogramm ist beispielsweise die optimale Lösung für die, die unsicher sind und Wert auf kontinuierliche Unterstützung legen. Entsprechende Anbieter wie The Global Work & Travel Co., https://www.globalworkandtravel.com/, Work N Holiday http://worknholiday.com/ oder Alliance Abroad https://allianceabroad.com/programs/ garantieren Working Holiday Maker während ihres Australienaufenthalts immer eine Arbeitsmöglichkeit. Je nach Programm werden Reisende auch vom Flughafen abgeholt, erhalten Unterstützung bei der Eingewöhnung sowie Hilfe bei der Unterkunftssuche.