(adi) - „Ich habe mich in meinem ganzen Œuvre für Philosophie, für Physik, für Malerei und für politisch-gesellschaftliche Problematiken interessiert, und ich habe in diesem Werk eine Möglichkeit gefunden - nach längerem Suchen -, das alles in ein kompaktes Programm zu bündeln. Als ich erkannte, dass das tatsächlich geht, war ich sehr froh, und nach einer gewissen Zeit war ich erschrocken, weil ich merkte: Das nimmt einen enormen Umfang an.“ Wer Thomas Lehrs Roman „Schlafende Sonne“ (Hanser Verlag, 28 Euro) liest, kann die Gedanken dieses Autors nachvollziehen: Selten bekommt man ein so komplexes, vielschichtiges, sprachlich und inhaltlich herausforderndes und bei alledem ungemein faszinierendes Werk zu lesen. Ein Buch, das einmal mehr bestätigt, dass Lehr zu den bemerkenswertesten Stimmen der deutschsprachigen Literatur zählt.

„Schlafende Sonne“ spielt an einem einzigen Tag im Sommer 2011 und entfaltet doch das Panorama eines ganzen Jahrhunderts in Deutschland: Der Dokumentarfilmer Rudolf Zacharias reist nach Berlin zur Vernissage seiner einstigen Studentin Milena Sonntag. Für Milena ist diese Ausstellung eine Möglichkeit, nicht nur eine künstlerische Bilanz ihres Lebens, sondern die Bilanz ihrer Zeit ganz allgemein zu ziehen. Thomas Lehr macht es seinen Lesern nicht immer leicht, doch wer sich auf dieses literarische Abenteuer einlässt, der wird einem der herausragenden Bücher dieses Jahres begegnen.

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