Silke Jourdan bei ihrer ersten Taufe in der Liebfrauenkirche Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Ein „bitter nötiger Fortschritt in der katholischen Kirche“ sei dies, befand die Mutter der beiden Täuflinge, nachdem am Samstag in der Cannstatter Liebfrauenkirche erstmals in Stuttgart eine Taufe durch eine Frau vollzogen worden war.

D as große Geläute war es nicht, was am Samstagmorgen vom Turm der Liebfrauenkirche über den Seelberg schallte. Eine just in dem Moment durchbrennende Sicherung ließ nicht mehr zu als zwei kurz anschwingende Glöcklein. Ein großer Moment war es für die Pastoralreferentin Silke Jourdan trotzdem, das bekennt sie nach der Tauffeier ganz offen: „Natürlich ist das eine große Sache!“, sagte sie. „Ich hatte nicht damit gerechnet und konnte es zunächst auch nicht wirklich glauben, als ein Freund eine Andeutung machte, dass es in der Kirche ein Umdenken geben könnte.“

Die Pastoralreferentin darf nur Kinder taufen

Als „Seelsorgerin für die Familien“ und als pastorale Ansprechpartnerin für 12 katholische Kindertagesstätten in der Landeshauptstadt habe sie viel mit Kindern und deren Eltern zu tun, auch Taufvorbereitungen vorgenommen „und dann oft bedauert, dass ich nicht selbst das Sakrament der Taufe spenden darf“. Sie vergleicht die Situation damit, dass sie mit 16 Jahren nicht Messdienerin werden durfte, „und ein Jahr später durfte ich es dann doch“, erklärte die 46-Jährige.

Es gibt also doch Fortschritte in der katholischen Kirche? Die Pastoralreferentin bleibt vorsichtig: „Jedenfalls ist das nach all den schlechten Nachrichten und den vielen Austritten jetzt mal eine gute Nachricht“, betont Jourdan. Sie darf allerdings nur Kinder taufen, denn mit der Erwachsenentaufe wären zwei weitere Sakramente verbunden: Erstkommunion und Firmung. Und das wäre schon nah dran am Priestertum für Frauen – ein Tabu fürs römische Papsttum. Silke Jourdan fragt, was denn wichtiger sein müsste, der Zugang zum Priesteramt über das männliche Zölibat oder die Botschaft, die die Christen zu verkünden haben? Ihre Antwort fällt eindeutig aus: „Derzeit scheint die Botschaft weniger wichtig zu sein.“

Nicht nur Frauen erwarten mehr von der Kirche

Ob sich daran bald etwas ändern könnte? An „Spekulationen“ will sich Jourdan nicht beteiligen. Sie macht aber eines klar: „Nicht nur wir Frauen erwarten mehr.“ Das zeigten Nachfragen nach Kirchenaustritten: „Da sagen sogar ältere Männer, dass sie die Missachtung der Frau in der Kirche nicht mehr ausgehalten haben.“ So muss sie schmunzeln, als sie hört, was Tamara Floris dazu sagt, die Mutter der beiden eben getauften Buben: „Die Männer in der Kirche wollen ihre Macht sichern.“