Zwei der ältesten Stuttgarter Gebäude prägen die Stadtsilhouette: Das Alte Schloss und die Stiftskirche. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Eine intakte historische Altstadt hat Stuttgart nicht. Und doch findet man sie – die ältesten Stuttgarter Gebäude. Eine Spurensuche zwischen Stiftskirche und Schellenturm, Veitskapelle und dem Cannstatter Klösterle.

Stuttgart - Man lernt es in der Schule: Die Geschichte Stuttgarts beginnt, als man im 10. Jahrhundert im Tal des Nesenbachs einen geeigneten Platz für ein herzogliches Gestüt sucht. Aus dem „Stutengarten“ wird im 15. Jahrhundert die Residenz der Herzöge von Württemberg, dann die Hauptstadt des Königreichs Württemberg, schließlich Landeshauptstadt. So weit, so trocken.

Spannender wird es, wenn man sich auf Spurensuche begibt. Denn auch im vom Krieg und dem Modernisierungsdrang der 1950er und 1960er Jahre arg mitgenommenen Stuttgart gibt es Gebäude, die Stein gewordene Zeugen sind der über tausendjährigen Geschichte der Stadt am Nesenbach. Mit Hilfe von Hebert Medek, dem gerade in den Ruhestand gegangenen Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde und Experten für die Geschichte der Landeshauptstadt, haben wir die 13 vermutlich ältesten Gebäude Stuttgarts ausfindig gemacht.

„Uralte Keller gibt es viele“

Dabei ist die Datierung eines Gebäudes nicht immer ganz einfach: „Es ist natürlich immer die Frage, ab wann man beginnt zu rechnen“, sagt Medek. Über Jahrhunderte seien Gebäude abgerissen worden, wenn sie ihren Zweck nicht mehr erfüllten – „und auf die Grundmauern baute man neu“. Alte Gebäude zu erhalten sei „eine Mode des späten 20. Jahrhunderts.“ Auch die stattliche Stiftskirche sei vermutlich mal ein kleines Holzkirchlein gewesen, das „xmal“ abgerissen, neu gebaut und erweitert wurde, bevor das Gotteshaus so aussah, wie wir es heute kennen. „Uralte Keller gibt es viele – aber darauf wurde einfach was Neues gesetzt.“

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Als nächstes komme die Frage, wie man geografisch eingrenzt, erläutert der Geschichtsexperte Medek: „Zählt man nur die Innenstadt oder auch die Stadtbezirke, die teils erst Anfang des 20. Jahrhunderts eingemeindet wurden?“ Wir wollten nicht so streng sein und zählen Gebäude in den Bezirken dazu.

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Eine intakte historische Altstadt hat Stuttgart nicht – rund 70 Prozent der Gebäude fielen im Zweiten Weltkrieg Bomben zum Opfer. Und auch nach 1945 musste noch historische Substanz dran glauben: Für die autogerechte Stadt, die man in den 1960ern zum Postulat erhob, wurde die Abrissbirne geschwungen.

Und doch findet man sie – die ältesten Stuttgarter Gebäude, die wir in unserer Bildergalerie vorstellen. Wo wir über Bildmaterial verfügen, haben wir historische Fotos aus unserem Projekt „Stuttgart 1942“ dazugestellt. Die Fotos wurden 1942 aufgenommen und zeigen Stuttgarter Straßenzüge, bevor vieles durch Bombardements zerstört wurde.

Übrigens: Wenn wir Sie auf den Geschmack gebracht haben und Sie die ältesten Stuttgarter Gebäude auch live sehen wollen – bei der „Stuttgart Tourist“ gibt es eine Stadtführung, die sieben der ältesten Gemäuer in der Innenstadt abklappert. Sie heißt „Die glorreichen Sieben“.

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