Die Stuttgarter Kickers wollen mit der Titelverteidigung im WFV-Pokal-Finale ihre Saison krönen. Wie stehen die Chancen gegen die TSG Balingen? Was steht finanziell auf dem Spiel? Hat eine mögliche DFB-Pokal-Qualifikation direkten Einfluss auf die Kaderplanung?
Wie die Stimmung ist? „Locker, aber fokussiert. Es ist viel Zug drin, und wir sind voller Vorfreude“, sagt Mustafa Ünal, der Trainer der Stuttgarter Kickers. Die Blauen haben ihr Ziel Aufstieg in die Fußball-Regionalliga souverän erreicht. Jetzt wollen sie die Saison krönen – mit der Titelverteidigung im WFV-Pokal-Finale und dem damit verbundenen Double an diesem Samstag (16.15 Uhr/ARD-Konferenz/6500 Tickets sind weg) im Gazi-Stadion auf der Waldau gegen den Regionalligisten TSG Balingen.
Ünal verspürt keinen Druck
Im Vorjahr waren die Kickers gegen den aktuellen Drittligaaufsteiger SSV Ulm 1846 in der Außenseiterrolle. Die füllten sie perfekt aus. Mit dem Triumph im Elfmeterschießen vor 7300 Zuschauern kehrte unterm Fernsehturm der Glaube zurück, dass in diesem Verein auch wieder Erfolge möglich sind. Und diesmal? „Wir verspüren keinen Druck, Druck hätten wir gegen einen Landesligisten“, sagt Ünal.
Die TSG aber schloss die Viertligasaison auf Platz sechs ab. Die Feierabendfußballer von der Zollernalb trainieren dreimal pro Woche, abends um 18.15 Uhr – das reichte, um Profiteams wie Kickers Offenbach, den VfB Stuttgart II, Hessen Kassel, den VfR Aalen oder den SGV Freiberg hinter sich zu lassen. „Das wird ein Spiel auf Augenhöhe, wir wissen, was uns erwartet“, meint Kickers-Sportdirektor Marc Stein.
Viele Balingen mit Kickers-Vergangenheit
Die TSG ging mit acht Ex-Kickers-Spielern in diese Saison: Plator Gashi, Jonas Meiser, Leander Vochatzer, Lukas Ramser, Pedro Almeida Morais, Walter Vegelin, Aron Viventi und Tim Wöhrle. Zudem fungierte Trainer Martin Braun von November 2017 bis Juni 2019 als Sportlicher Leiter in Degerloch. „Wir spielen mit viel Spaß und genießen unser Hobby“, erklärt Stürmer Jan Ferdinand (früher VfB II) das Erfolgsrezept der TSG. Der 26-Jährige würde nur allzu gerne den ersten WFV-Pokal-Titel der Vereinsgeschichte nach Balingen holen. Doch die Kickers wollen das mit aller Macht verhindern.
Schließlich eröffnet die mit dem Titelgewinn verbundene DFB-Pokal-Qualifikation auch finanzielle Chancen. Im vergangenen Jahr gab es für die Teilnahme an der ersten Runde 210 000 Euro an Vermarktungserlösen, wobei in Württemberg 40 000 Euro abgezogen werden, die an die anderen Clubs ausgeschüttet werden, die ab dem WFV-Pokal-Viertelfinale dabei waren. Hinzu kommen die Ticketeinnahmen. Da flossen aus dem Erstrundenspiel 2022/23 gegen die SpVgg Greuther Fürth rund 25 000 Euro in die Kickers-Kasse, aus dem Zweitrundenspiel gegen Eintracht Frankfurt 100 000 Euro, da der Bundesligist auf seinen Anteil verzichtete.
DFB-Pokal tut dem Image gut
„Das Geld ist das eine, sich bundesweit präsentieren zu können, ist aber mindestens genauso wichtig. Das tut dem Image sehr gut“, sagt Kickers-Geschäftsführer Matthias Becher. Auf die Kaderplanung für die kommende Regionalligasaison hätte laut ihm ein möglicher DFB-Pokal-Einzug keine direkten Auswirkungen. Mit dem zusätzlichen Geld werde eher ein Trainingslager finanziert.
Bisher haben die Blauen noch keine Neuzugänge vermeldet. Nach Informationen unserer Zeitung steht aber der 1,93 Meter große Torwart Felix Dornebusch (28) vom Drittligaabsteiger VfB Oldenburg vor einem Wechsel zu den Kickers. Auch mit dem offensiven Mittelfeldspieler Christian Mauersberger (SGV Freiberg) soll alles klar sein.