Dennis Schäfer (links) mit Thomas Himmer in Schäfers Wohnung in Wolfschlugen, dem Firmensitz von Lvst&Feast. Foto: Ines Rudel

Mit Aperitifs ohne Alkohol wollen zwei junge Unternehmer aus dem Kreis Esslingen internationale Märkte erobern. Ihre Marke Lvst&Feast soll nach Luxus klingen. Hier verraten die beiden Freunde aus Wolfschlugen, welche Zutaten in die Flasche kommen.

Der Januar ist der Monat der guten Vorsätze. Immer mehr Menschen starten mit der Dry-January-Kampagne ins neue Jahr – und verzichten nach den feuchtfröhlichen Weihnachtsfeiern 31 Tage lang auf Alkohol. Thomas Himmer und Dennis Schäfer gehören nicht zu ihnen. „Da wir ohnehin nicht viel Alkohol trinken, müssen wir uns nicht eigens vornehmen, einen ganzen Monat nicht zu trinken“, sagt Himmer. Dennoch nutzen die Freunde die Kampagne, um auf ihrer Internetseite für ihr neues Unternehmen zu werben: Lvst&Feast aus Wolfschlugen bietet alkoholfreie Aperitifs an.

Damit dringen die beiden 35-Jährigen, die sich seit ihrer Kindheit in Esslingen kennen, in einen wachsenden Markt vor: Studien zufolge trinken immer mehr Menschen bewusst keinen oder weniger Alkohol, besonders in der Generation der unter 30-Jährigen. Der Alkoholkonsum der Deutschen insgesamt sinkt, wenn auch von einem im internationalen Vergleich hohen Niveau. Derweil steigt Brauereien zufolge der Absatz von alkoholfreiem Bier und die Auswahl an nicht-alkoholischen Getränken im Handel wächst. „Es gibt Menschen, die grundsätzlich keinen Alkohol trinken oder temporär, beispielsweise, weil sie schwanger sind oder fahren müssen“, sagt Schäfer. Motiviert durch Bedarf im privaten Umfeld hatten er und Himmer sich in Bars und Supermärkten umgeschaut, aber nach eigener Aussage keine zufriedenstellenden Alternativen gefunden. Entalkoholisierter Wein, Sekt oder Gin überzeugten die Männer aufgrund eines ihrer Erfahrung nach schalen Beigeschmacks nicht.

Produktion in Weingut bei Freiburg

Und so beschlossen die Jugendfreunde, die Lust auf ein eigenes Unternehmen hatten, selbst ein Getränk zu kreieren. Sie besorgten sich die notwendigen Gerätschaften wie ein Destillationsgerät und bestellten an die 60 Kräuter-, Gewürz- und Blütensorten. Nach eineinhalb Jahren Tüftelei und Vorbereitung sind der Jurist Himmer und der Marketingexperte Schäfer im November in Produktion gegangen. Bei einem Weingut bei Freiburg wurden 2500 Flaschen abgefüllt.

Unternehmen im Nebenerwerb

Derzeit sind drei Sorten auf dem Markt. Neben den Pflanzenaromen, die im Kaltauszug gewonnen werden, machen Zitronensäure und Rübenzucker den Geschmack aus. Um alles haltbar und prickelnder zu machen wird Kohlensäure beigesetzt. Die Zutaten haben zu 90 Prozent Bioqualität, betonen die Gründer. Sie empfehlen, die Aperitifs mit alkoholfreiem Sekt zu mischen oder pur zu trinken. „Uns war wichtig, etwas Genussfertiges zu kreieren“, sagt Schäfer.

Die Flasche kostet derzeit 15 Euro und damit mehr als so mancher Sekt mit Alkohol. Man befinde sich im mittleren Preissegment, meint aber Himmer und zieht Vergleiche mit Mitbewerbern wie Jörg Geiger, der mit seinen Priseccos in der Region etabliert ist. Die Gründer betonen die Qualität ihres Produktes. Mit ihrem Markenauftritt ebenso wie dem englischen Namen „Lvst&Feast“ – was so viel heißt wie Begierde und Festgelage – wollen sie Luxus signalisieren und ihre Produkte als etwas darstellen, das einen höheren Preis wert ist. Nun hoffen Himmer und Schäfer, sich über ihren Onlineshop und Gespräche mit Gastronomen und Händlern in der Region etablieren zu können, in Zukunft aber auch international. Ziel sei, in diesem Jahr eine zweite Charge zu produzieren.

Wie es derzeit laufe? Man sei auf keinem einfachen Markt. Aber das Feedback sei bislang positiv. „Und wir sind auch nach zwei Jahren höchst motiviert“, so Himmer. Zumindest vorerst wollen er und Schäfer ihr Start-up nebenher weiterbetreiben, Firmensitz ist Schäfers Wohnung. „Wir sind glücklich in unseren Berufen.“