Das Unwetter vom Montagabend zählte von der Regenmenge her zu den zehn schlimmsten seit den 1950ern. Foto: Andreas Rosar/dpa

Am Montag ist ein Unwetter über Stuttgart hinweggezogen – es war eines der zehn stärksten seit Beginn der Messung in den 1950ern. Doch der Rückblick zeigt, dass es etliche Male noch schlimmer war.

Stuttgart - Das Unwetter vom Montagabend hat in Stuttgart, aber auch in ganz Baden-Württemberg schwere Schäden hinterlassen und Fragen aufgeworfen – etwa ob die Kanalisation solche Regenmengen überhaupt aufnehmen kann. Hat Stuttgart eine historische Regennacht erlebt?

Für die Wetterstation auf dem Schnarrenberg sind Wetterdaten seit 1958 frei zugänglich. Nur an acht Tagen fiel seither mehr Regen als am Montag, wo 59 Liter je Quadratmeter ermittelt wurden. Allerdings wurden auf dem Schnarrenberg an den übrigen Rekordtagen noch deutlich höhere Regenmengen ermittelt – im Mai 1978 etwa fast 97 Liter je Quadratmeter. Damals gab es in ganz Baden-Württemberg Hochwasser, der Neckar trat über die Ufer. Die Ereignisse dieser dramatischen Nacht haben wir vor einigen Jahren in diesem Beitragaufgeschrieben („Als uns das Wasser bis zum Hals stand“).

Wann in Stuttgart am meisten Regen fiel

Das folgende Schaubild zeigt die Tage mit den höchsten Niederschlagsmengen in Stuttgart seit 1958 – für den Schnarrenberg sowie die Messstellen in Weilimdorf sowie im Heusteigviertel:

Es zeigt sich, dass die Regenmengen vom Schnarrenberg nicht unbedingt genauso stark in der Stadt auftreten müssen. Beim Unwetter vom Mai 1978 wurden natürlich auch in der Innenstadt außergewöhnliche Regenmengen verzeichnet. Ein Jahr zuvor, im Juni 1977, kam im Kessel weit weniger an als auf dem Schnarrenberg. Starkregen ist eben oftmals ein stark lokales Phänomen. Am Montag war es anders: Eine Messstelle der Landesanstalt für Umwelt an der Wilhelma ermittelte ähnliche Regenmengen wie auf dem Schnarrenberg.

Diese Unwetter vergisst man nicht

Auch das Unwetter vom 15. August 1972findet sich in der Statistik. In der Historie der Messungen am Schnarrenberg liegt es auf Platz sechs. Es hat sich auch wegen der dramatischen Bilder aus der Innenstadt, wo die Polizei mit Schlauchbooten auf der B14 unterwegs war, wesentlich stärker ins Stadtgedächtnis eingebrannt als das von den Wassermassen her vergleichbare Unwetter vom August 1966 oder der 29. Juli im „Jahrhundert-Unwettersommer“ 2013.

Möglich wird die Einordnung solcher Ereignisse unter anderem dank der Messdaten, die der Deutsche Wetterdienst kostenlos online veröffentlicht. Die Website Kachelmannwetter sammelt historische Niederschlagsmengen aus weiteren Quellen.