Am liebsten spielt Hannah mit ihren Geschwistern in der Matschküche im Garten. Aufs Trampolinspringen musste sie in den letzten Tagen verzichten. Foto: Thomas Krytzner

Die siebenjährige Hannah aus Deizisau hat nach monatelangem Warten einen passenden Stammzellenspender gefunden. Jetzt wird es ernst: die Chemotherapie und die Transplantation stehen an.

Deizisau - Die siebenjährige Hannah Eitel aus Deizisau wirkt in sich gekehrt – auch wenn sie glücklich ist, dass nach monatelangem Warten endlich ein geeigneter Spender für die Stammzelltransplantation gefunden wurde. Denn: Sie weiß, dass sie Ostern und ihren achten Geburtstag in der Kinder­klinik verbringen wird.

Angefangen hat alles mit einem Sturz im vergangenen Dezember. Bei der Behandlung im Krankenhaus wurden bei Hannah Unregelmäßigkeiten im Blut festgestellt, die sich nach weiteren Untersuchungen als das Myelodysplastische Syndrom (MDS) herausstellten, eine seltene Form der Leukämie. „Wir haben Hannah erklärt, was das ist, auch anhand der Zeichentrickserie ,Es war einmal . . . der Mensch’ aus dem Jahr 1978“, erinnert sich Stefan Eitel an die Zeit kurz nach der schlechten Nachricht. In einem nächsten Schritt galt es, möglichst rasch einen Stammzellspender zu finden. „Wir waren zunächst zwiegespalten, ob wir damit an die Öffentlichkeit gehen sollten“, erklärt der Vater Stefan Eitel.

„Die sozialen Medien waren in unserem Fall ein großer Segen“

Der Zuspruch durch Verwandte und Bekannte bestärkte die Familie und als auch Hannah dazu bereit war, ihr Bild immer wieder in den Medien zu sehen, begann der Spendenaufruf, unterstützt von der Deutschen Knochenmarkspende-Datei (DKMS). Das große Echo blieb nicht aus. „Die sozialen Medien waren in unserem Fall ein großer Segen“, bestätigt Stefan Eitel, „aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen waren wir froh, die Suche auf digitalem Weg zu starten.“

Anfang März kam nun die gute Nachricht, dass ein passender Spender gefunden sei. „Wir waren wieder zu einer der unzähligen Untersuchungen in der Kinderklinik in Tübingen, als wir die Mitteilung bekamen. Sofort haben wir dann die Termine für die weiteren Behandlungen vereinbart“, erzählt die Mutter Julia Eitel. Per Whatsapp teilte sie ihrem Mann zwei Worte mit: „Spender gefunden!“

Achterbahn der Gefühle

Zwei Worte – und eine unglaubliche Erleichterung. Stefan Eitel beschreibt den Moment als riesiges Glücksgefühl. Doch ihm war klar: „Jetzt wird es ernst.“ Wer der passende Spender ist, können Hannah und ihre Familie erst nach zwei Jahren Sperrfrist erfahren – sofern auch der Spender bereit ist, seine Anonymität aufzugeben. „Diese Sperrfrist ist dazu eingerichtet, um Missbrauch oder gar Erpressung zu verhindern“, erklärt Stefan Eitel.

Seit der Diagnose erleben Hannah und ihre Familie eine wahre Achterbahn der Gefühle. „Am Anfang waren wir alle für einige Tage niedergeschmettert“, sagt Julia Eitel in Erinnerung an die erste Zeit. Aber Jetzt keimt wieder Hoffnung, und die Familie blickt guten Mutes in die Zukunft. „Die Traurigkeit wandelte sich mit der Zeit in Energie und Zuversicht“, hat Stefan Eitel festgestellt. Der erste Schritt in Hannahs neues Leben ist bereits getan: Beim ersten stationären Aufenthalt in der Kinderklinik wurde der Siebenjährigen eine Drainage für den späteren Zugang gelegt. „Es gab sogar einen kleinen Schnitt am Bauch“, erläutert Julia Eitel den Eingriff. Für Hannah bedeutet dieser vorbereitende Eingriff einige Einschränkungen. Sie darf zwar noch mit ihren jüngeren Geschwistern Elisa und Malia spielen, aber alles in Maßen. „Ihr geliebtes Trampolin im Garten ist derzeit tabu“, sagt Stefan Eitel. Die Siebenjährige nehme es zwar alles gut auf, aber man spüre die zunehmende Belastung. „Vor allem die bevorstehende längere Trennung von ihrem Umfeld bedrückt sie. Und das Wissen, dass sie an Ostern und an ihrem achten Geburtstag – am 19. April – in der Kinderklinik ist“, beschreibt Julia Eitel die Stimmung. Dazu kommen die nur langsam abklingenden Schmerzen der ersten Operation.

Ostern vorgefeiert

Doch Zeit zum Grübeln bleibt nicht: An diesem Dienstag beginnt die Chemotherapie, „Anfang April erfolgt die Transplantation“, erläutert Stefan Eitel. Er wird Hannah während des Klinikaufenthaltes die ganze Zeit begleiten. „Sobald wir in der Kinderklinik sind, muss alles keimfrei sein, da Hannah in einem sterilen Raum behandelt wird.“ Wegen Corona darf sie auch kaum Besuch bekommen. „Wir haben deshalb Ostern am Sonntag im kleinen Rahmen vorgefeiert, damit sie das wenigstens noch ein bisschen hat“, erzählt Julia Eitel.

Mit der medizinischen Betreuung ist Familie Eitel bisher sehr zufrieden. „Es gab auch viele nützlich Tipps, etwa über die Unterstützung durch die Krankenkasse oder den Annaverein in Aichtal, der Familien von krebskranken Kindern begleitet.“ Damit Hannah während ihrer Zeit in der Kinderklinik nicht zu viel vom Unterricht verpasst, gibt es eine schulische Begleitung im Krankenhaus.

Obwohl die nahende Stammzelltransplantation ein neues Leben für Hannah bedeutet, mischen sich bei den Eltern auch Sorgen unter die Glücksgefühle. Stefan Eitel denkt an die Risiken: „Das größte Risiko ist, wenn es eine Abstoßungsreaktion gibt und Hannahs Körper die neuen Stammzellen nicht annimmt. Dazu kommt, dass sich während der Chemotherapie die Infektionsgefahr viral und bakteriell stark erhöht.“ Die Mutter drücken noch weitere Sorgen: „Wenn Hannah und Stefan so lange in der Klinik sind, fehlt einfach ein Teil der Familie.“

Nach der Transplantation gilt es nun abzuwarten, ob die neuen Stammzellen die Arbeit aufnehmen und anwachsen. Erste Resultate werden gegen Ende April erwartet. Und dann kann Hannah hoffentlich bald wieder ihren Hobbys Fußballspielen und Reiten nachgehen – und Trampolin springen.

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