Eine vier Meter lange Regenbogenfahne hängt über der Uhr des Bahnhofsturms. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Nach der verbrannten Regenbogenfahne im Leonhardsviertel zeigt sich die Deutsche Bahn solidarisch an einem Wahrzeichen der Stadt: Auf dem Bahnhofsturm hängen nun drei Flaggen mit den Symbolfarben des CSD.

Stuttgart - Alles ging sehr schnell. Am Montag hatten die Verantwortlichen der Deutschen Bahn in der Zeitung gelesen, dass unbekannte Täter eine Regenbogenfahne vom Kulturkiosk des Züblin-Parkhauses im Leonhardsviertel heruntergerissen und verbrannt hatten. Umgehend luden sie die CSD-Macher dazu ein, Flagge an zentrale Stelle zu zeigen – am Bahnhofsturm, der ohne Mercedes-Stern gerade etwas verwaist ist. Seit dem späten Dienstnachmittag hängen nun drei Regenbogenflaggen an diesem Wahrzeichen. „Auf die Schnelle hatten wir nur vier Meter lange Fahnen“, sagt Detlef Raasch, Vorstandsmitglied des CSD-Vereins. Vor Ort bedankte sich der Sprecher des queeren Kulturfestivals bei der Bahn für das Zeichen der Solidarität. Er freue sich darüber sehr.

CSD-Sprecher bedauert, dass es keine Reaktion aus dem Rathaus gab

Ein solches Zeichen hätte Raasch auch von OB Frank Nopper (CDU) erwartet. Doch bisher habe es „keinerlei Reaktion“ aus dem Rathaus zu dem kriminellen Akt von bisher Unbekannten gegeben. Nikolaus Hebding, Leiter des Bahnhofsmanagements Stuttgart, erklärte gegenüber unserer Zeitung: „Die Deutsche Bahn steht für ein tolerantes Miteinander. Die bunte und offene Stuttgarter Gesellschaft wird auch am neuen Hauptbahnhof weiter ihre Vielfalt zeigen und leben können, dafür setzen wir uns ein!“ Zur CSD-Demonstration am Samstag sollte am Hauptbahnhof „ein Zeichen für Toleranz und Akzeptanz“ gesetzt werden, wie dies die Bahn in 60 deutschen Städten vorgesehen hat. Doch der Vorfall am Züblin-Parkhaus hat dazu geführt, dass die Bahn bereits jetzt die Symbolfarben hisst.

Ein Intercity-Zug ist mit dem Farben des Regenbogens beklebt

Die Vielfalt zählt. Einer der Intercity-Züge ist sogar in den Farben des Regenbogens beklebt. Die Lok ist unter dem Motto „Take a Pride Ride on the Railbow” in ganz Deutschland unterwegs. Die Initiative ist zusammen mit dem konzernweiten LGBTIQ*-Netzwerk „railbow“ entstanden. In diesem setzen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „für die Förderung gegenseitigen Respekts“ ein. Im Herbst wird es eine konzernweite Woche der Vielfalt geben.

Auf die Zerstörung am Kulturkiosk hat der CSD mit einer Sondersendung im eigenen Internetprogramm reagiert. Man dürfe nicht hinnehmen, dass „eine Menschenrechtsfahne verbrannt wird“, erklärt Detlef Raasch. Verbrennungen erinnerten an dunkle Zeiten der deutschen Vergangenheit. Bei der Demo und der Kundgebung am Samstag, zu der 3000 Teilnehmende erwartet werden, soll der Angriff auf den Stolz der queeren Community ein wichtiges Thema werden. Wie der CSD-Sprecher mitteilt, hat der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen. Der CSD-Verein hat dem Kulturkiosk eine neue Regenbogenfahne übergeben, die nun jeden Abend eingerollt und eingeschlossen wird, ehe man sie am nächsten Tag erneut hisst.

SPD appelliert: „Alle Fahnen raus!“

Vize-Landtagspräsident Daniel Born (SPD) und der Stuttgarter SPD-Vorsitzende Dejan Perc appellieren: „Alle Fahnen jetzt raus!“ Der Regenbogen bestimme das Klima. Man sollte sich gemeinsam gegen die „Angst“ wehren, die mit dem Anzünden der Fahne verbreitet werden sollte.

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