Abends gibt es bei Familie Stöveken-Schaffhauser meistens vegetarische Brotzeit. Carina Stöveken und Marius Schaffhäuser leben seit mehreren Jahren fleischlos, teils auch vegan, der Speiseplan der Familie aus Stuttgart-Ost ist darauf ausgerichtet. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Serie "So leben wir" Teil 3 - Frühstück, Vesperbox, Mittag- und Abendessen, mit Fleisch, ohne oder vegan – die Essensversorgung kann Eltern ganz schön unter Druck setzen. Schließlich muss immer genug im Haus sein. Sechs Familien erzählen, was bei ihnen auf den Tisch kommt.

Es ist eine der am häufigsten gestellten Kinderfragen: „Was gibt es zu essen?“ Für Eltern wird sie täglich zur Herausforderung. Einkaufen, kochen, essen – diese Logistik bestimmt das Familienleben. Sie muss nicht nur erledigt, sondern auch gut verteilt werden, denn der Mental Load dieser Hausarbeit ist enorm. In unserer Serie „So leben wir“ schildern 6 sehr unterschiedliche Familien ihren Alltag. Sie kommen aus Stuttgart, Echterdingen, Weissach, Wendlingen und dem Schwarzwald. Im dritten Teil zeigen sie, was wann und wie bei ihnen auf den Tisch kommt.


Serie „So leben wir“


Familie Stöveken-Schaffhauser – Spaghetti bringen niemand in Gewissensnöte

Marius Schaffhäuser und Carina Stöveken leben mit Liam im Stuttgarter Osten. Foto: Lichtgut//Julian Rettig

Beim Opa probiert der fünfjährige Liam schon mal Landjäger, daheim isst er meist kein Fleisch. Carina Stöveken (30) und Marius Schaffhauser (31) leben vegetarisch, auch ihren Sohn haben sie vegetarisch ernährt, solange sie allein für sein Essen zuständig waren. Mittlerweile dürfe er selbst entscheiden, ob er Fleisch essen möchte oder nicht, sagt die Mutter. Meist entscheidet sich Liam aber dagegen. Bei seinem Lieblingsgericht kommt er erst gar nicht in Gewissensnöte: „Spaghetti mit Tomatensauce.“

Die Eltern leben seit mehreren Jahren fleischlos, teils auch vegan, der Speiseplan der Familie ist darauf ausgerichtet. Falafel, selbst gemachte Pizza, Thai-Currys, indische Gerichte wie Butter Chicken (natürlich ohne Huhn) kochen sie gern. Wenn sie essen gehen, dann oft zum Asiaten, etwa ins Reiskorn oder Citizen Long oder zum Inder Ganesha bei ihnen um die Ecke in Stuttgart-Ost.

Unter der Woche essen die drei tagsüber außer Haus. Marius Schaffhauser in der Kantine seines Arbeitgebers Züblin, wo er als Bauingenieur arbeitet. Liam in der Kita und Carina Stöveken nimmt sich in das Architekturbüro, wo sie in Teilzeit arbeitet, etwas mit. Abends gibt es dann meist Brotzeit.

Am Wochenende gibt es Wunschfrühstück

Die Wochenenden aber beginnen mit einem ausführlichen Familienfrühstück. Dazu gibt es Waffeln, Kaiserschmarrn oder Scones, weil es Carina süß mag und Eier, Käse, Brötchen, Radieschen, weil Marius lieber deftig isst. „Pfannkuchen“, wünscht sich dann Liam oder Porridge mit Obst und Joghurt.

Den Großeinkauf erledigt Marius am Wochenende, Carina besorgt unter der Woche auf dem Markt oder im Supermarkt, was fehlt. Und wer trägt die Getränkekisten 99 Stufen ohne Aufzug bis in die Wohnung im vierten Stock hinauf? Keiner. Sie bleiben im Schuppen hinterm Haus bei den Fahrrädern. (Lisa Welzhofer)

Familie Lieb – Sushi und sogar Muscheln, nichts ist unmöglich

Bei Familie Lieb wird Noemi von Mutter Lisa oder Vater Jannik gefüttert. /Ines Rudel

Essen ist kein Konfliktthema bei den Liebs aus Echterdingen. „Meine Jungs sind abenteuerlustig, was Essen angeht“, sagt Lisa Lieb, die zwei Söhne und eine Tochter zwischen vier und neun Jahren hat. Ihre Söhne essen auch Gemüse und Salat – als Geburtstagsessen hat sich Jonah (9) kürzlich Sushi gewünscht. Und sein Bruder David (4) schreckt auch vor Muscheln nicht zurück. Tochter Noemi hat ebenfalls „Freude am Essen”, kann aufgrund ihrer Behinderung aber nur Brei und Püriertes essen. Sie wurde mit einem Gendefekt geboren.

Abends versucht die Familie, gemeinsam zu essen. Beim Frühstück klappt das unter der Woche nicht. Vater Jannik geht zwischen 6 und 6.30 Uhr aus dem Haus. Davor bereitet er Noemis Brei vor. Ist sie schon wach, übernimmt er das Füttern, aber meistens macht das unter der Woche Mutter Lisa – David isst währenddessen sein Müsli. Jonah macht sich sein Müsli morgens selbst, bevor er zur Schule aufbricht. Das Vesper für die Pause bereitet seine Mutter vor. Sie empfindet es morgens unter der Woche als „stressig“, weil die Ruhe fehlt.

Für Bananen-Nachschub muss gesorgt sein

Mittags kocht sie nur für Jonah, David und Noemi essen im Kindergarten. Sie ist froh, dass David satt und entsprechend ausgeglichen ist, wenn sie ihn um 13.30 Uhr abholt. Am Abend gibt es unter der Woche meistens Brot und Salat, auch mal Maultaschen. Am Wochenende wird gekocht – am liebsten Pasta. Dabei gilt: Wer bei Noemi bleibt, sorgt auch fürs Essen. Beim Kochen wechseln sie sich ab. Vater Jannik übernimmt den Großeinkauf am Samstag, unter der Woche besorgt dann Mutter Lisa, was anfällt an Brot, Obst und Gemüse. Vor allem bei einem Lebensmittel muss sie regelmäßig für Nachschub sorgen: Bananen. Die essen alle drei Kinder gerne und verputzten sie kiloweise. (Viola Volland)

Familie Grammel – die nächsten Lebensmittel sind 5 Kilometer entfernt

Das Vorratsregal von Basti Grammel ist übersichtlich: H-Milch, Tomatensauce und zuckerfreies Spezi hat die Familie stets im Haus. Foto: Achim Zweygarth

„Nutella und Naturjoghurt“, antwortet Max (13) auf die Frage, was er beim Einkaufen so gut wie immer in den Wagen legt. Sein Bruder Julian (12) verrät: „Ich versuche immer, orangene Tic Tacs und blaues Powerade reinzuschmuggeln.“ Die beiden Jungs helfen ganz gerne beim Einkaufen. Sie kümmern sich dann zum Beispiel ums Leergut oder arbeiten den Einkaufszettel an der Wursttheke ab, denn dabei springt meistens noch immer ein Rädle Lyoner raus. Einen großen Wocheneinkauf gibt es bei den Grammels aus Fürnsal im Schwarzwald nicht. Fürs Essen ist dort nämlich Vater Basti zuständig, er kocht mit viel Freude jeden Abend für die Familie. „Was es gibt, überlege ich mir jeden Tag neu“, sagt er, entsprechend geht er täglich einkaufen. Oft nachdem er Julian vom Fußballtraining oder Max von der Jugendkapelle im fünf Kilometer entfernten Dornhan abgeholt hat. Denn versorgungstechnisch ist Fürnsal eine Einöde – mehr als einen Zigarettenautomaten gibt es nicht.

Der Tiefkühllieferdienst sorgt fürs schnelle Mittagessen

Und dennoch ist das Vorratsregal im Keller der Grammels eher übersichtlich: H-Milch, Tomatensauce, Nudeln und zuckerfreies Spezi haben Basti, Steffi, Max und Julian immer daheim. Eier und Spätzle kommen von der Eierfrau. Ganz wichtig für die Kinder und Steffi ist auch der Tiefkühlkost-Lieferdienst Bofrost. „Ohne den wären wir hier aufgeschmissen“, sagt Steffi, die über Mittag ihr Blumengeschäft in Loßburg schließt, neun Kilometer zurück nach Fürnsal düst, um für Julian und Max nach der Schule schnell etwas auf den Tisch zu bringen.

Am Abend zaubert der Vater Abendessen auf den Tisch

Basti Grammel rührt die Fertigkost nicht an. Er treibt Ausdauersport auf hohem Niveau, auf seinem Speiseplan stehen Kohlenhydrate, Gemüse, Salat und Hühnchen. Für die Frühschicht in der Schweißerei nimmt er sich kleine Snacks mit und setzt sonst voll und ganz auf sein liebevoll kreiertes Abendessen. Er, der sich, als er Familienvater wurde, das Kochen erst einmal beibringen musste, geht inzwischen ganz darin auf, probiert oft neue Rezepte aus und zeigt seine Erfolge auf Instagram. Jetzt im Sommer feiert er es, Burger zu grillen. Das Fleisch dafür kommt aus der Dorfmetzgerei in Dornhan, Qualität ist Basti wichtig – und wenn die stimmt, „flutscht manchmal auch eine rote Wurst mehr rein“ als der Trainingsplan eigentlich erlaubt. (Nadia Köhler)

Familie Rieger – der Wocheneinkauf ist rund 50 Euro teurer geworden

Lasagne mit Salat – darauf können sich bei den Riegers alle einigen. Foto: Jürgen Bach/Jürgen Bach

Da bei den Riegers aus Weissach alle Familienmitglieder mittags unterwegs sind, wird abends warm gekocht. Das gemeinsame Abendessen ist allen wichtig. Sohn Jayden (13) könnte jeden Tag Pizza oder Nudeln essen, Vater Steffen (49) muss darmfreundlich essen und Sohn Collin (16) wäre am liebsten Vegetarier. „Aber wenn sich nicht alle in der Familie fleischlos ernähren, wird das Kochen schon kompliziert“, sagt Collin selbst. Seine Mutter Nadine Rieger (45) versucht, Gerichte zu kochen, die allen schmecken: Kartoffel-Brokkoli Auflauf, Thai-Curry, Geschnetzeltes oder Lasagne. Dazu gibt es immer einen Salat. Inspirieren lässt sie sich durch Kochbücher, Blogs im Internet oder durch Gespräche mit Freundinnen. Jeden Sonntag bespricht die Familie, wer wann zuhause ist und was man kochen könnte. „Meist läuft dann doch alles anders“, lacht Nadine Rieger.

Dienstags kocht der Vater

Samstags machen die Eltern einen Großeinkauf in einem Discounter und kaufen Grundnahrungsmittel ein. Zwei bis drei Mal in der Woche besorgt Nadine Rieger nach Feierabend frisches Obst oder Gemüse. Auch in Hofläden oder auf den Märkten in Leonberg oder Gerlingen kauft die Familie gerne ein. Meist kocht Nadine Rieger, ihr Mann kümmert sich dafür um alles Handwerkliche in Haus und Garten. Dienstags, wenn Nadine Rieger länger arbeitet, übernimmt ihr Mann den Kochlöffel.

Dass die Lebensmittelpreise gestiegen sind, sehen die Riegers regelmäßig auf ihren Kassenzetteln. „Der Wocheneinkauf ist bestimmt 49 Euro teurer geworden“, sagt Steffen Rieger. Als Gurken zwei Euro gekostet haben, landete stattdessen Krautsalat und saisonales Gemüse aus Deutschland im Einkaufswagen. (Susan Jörges)

 

Familie Jux – Gerichte aus maximal 5 Zutaten

Colline Jux kauft nicht nur auf dem Wochen- und im Supermarkt, sondern nimmt auch Lieferdienste in Anspruch. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Colline Jux schiebt eine Auflaufform mit Ofengemüse in den heißen Backofen. Wenn sie am frühen Abend mit ihrem Sohn nach Spielplatzzeit und Verabredungen nach Hause kommen wird, haben beide Hunger. „Unser Abend ist deutlich entspannter, wenn ich das Essen schon vorbereitet habe“, sagt die 39-Jährige, die mit ihrem 18 Monate alten Sohn in Stuttgart-West lebt. Mittags, wenn ihr Sohn in der Kita ist und sie arbeitet, macht sie sich einen bunten Salat oder ein belegtes Brot.

Mehl für Pfannkuchen ist immer daheim

Frisches Gemüse, Obst, Sojajoghurt und Tofu hat Jux, die sich vorwiegend vegan ernährt, immer im Kühlschrank. Ihr Sohn isst hauptsächlich vegetarisch. Wie bei der Einrichtung ihrer Wohnung hält es Jux auch in der Küche minimalistisch: „Meine Gerichte bestehen meist aus maximal fünf Zutaten“, sagt Jux, die einen Küchenschrank mit Vorräten öffnet. Nudeln, Reis, Kartoffeln oder Mehl für Pfannkuchen hat sie immer daheim, genauso wie Haferflocken für das morgendliche Porridge, das ihr Sohn gerne isst. „Hier variiere ich, mal gibt es dazu Banane mit Mandelmus, mal Apfelmark.“ Besorgungen erledigt sie mehrmals die Woche auf dem Markt oder im Supermarkt, aber auch Lieferdienste nimmt sie gerne in Anspruch. „Besonders wenn mein Sohn schon schläft, ist das praktisch.“

Einmal in der Woche kommt Colline Jux‘ Mutter aus Baden-Baden für ein oder zwei Nächte zu Besuch. Sie unterstützt die Familie und kocht auch mal für den nächsten Tag vor. „Das hilft uns sehr“, sagt Jux. Essen gehen die Jux‘ etwa drei Mal im Monat, meist mittags, und dort, wo ihr Sohn ausreichend Platz zum Herumlaufen hat. (Susan Jörges)

Womit sich Familien in Baden-Württemberg versorgen

481 Euro
geben Familien mit minderjährigen Kindern pro Monat durchschnittlich für Nahrungsmittel, Getränke und Tabak aus. Die jüngsten Daten des Statistischen Landesamts stammen von 2018.

16 Prozent
der 481 Euro werden für Brot und Getreideerzeugnisse ausgegeben, je rund 15 Prozent für Fleischwaren sowie Milchprodukte und Eier. Jeder zehnte Euro wird für Gemüse und Kartoffeln bezahlt.

5 Prozent
ihrer monatlichen Ausgaben für Essen und Trinken geben Familien für Alkohol aus, 10 Prozent für alkoholfreie Getränke.