Das "Spiel des Jahres 2019" ist „Just One“ – nur ein Wort schreibt jeder verdeckt auf. Anhand dieser Tipps muss bei diesem kooperativen Spiel ein Ratender ein Schlüsselwort erraten. Schreiben aber zwei dasselbe auf, ist der Tipp aus dem Rennen, der Ratende hat es noch schwerer. Ziel ist also, abwegigere
Hinweise zu geben, die doch beim Erraten helfen. Ein Spiel für Wortrate-Fans – zum Lachen, Mitfiebern, Staunen. Foto: Fabian Ziehe - Repos/Asmodee

In der Szene galt „Just One“ als Favorit auf den Titel "Spiel des Jahres 2019" - und es machte auch das Rennen. Doch es lohnt ein Blick auf die anderen Titel auf den Siegertreppchen.

Esslingen Ist das wahr? „Just One“, es kann es nur einen geben? Nun, glaubt man der Jury „Spiel des Jahres“ hinsichtlich ihrer Kür für das beste Familienspiel der Saison 2018/19, stimmt das: Autor Bruno Sautter durfte bei der Preisverleihung Ende Juli den Karton von – eben: „Just One“ stolz in die Kamera halten. Der Franzose hatte mit Landsmann Ludovic Roudy das locker-leichte Wortspiel entwickelt – im Ausklang an die Entwicklung des hyper-komplexen Freakspiels „The 7th Continent“. „Just One“, so verriet Sautter, habe sogar seiner oberkritischen Schwiegermama gefallen – eine letztlich fast noch größere Auszeichnung als der „Rote Pöppel“.

Kuriose Situationen am Tisch

War „Just One“ verdienter Sieger? Das Spiel, das jeder Brettspieler der Familie unter den Weihnachtsbaum legen sollte? Die Antwort sei zurückgestellt – prinzipiell hatte die Jury dieses Jahr jedenfalls eine gute Vorauswahl getroffen. Ein unangefochtenes „Über-Spiel“ wie den letztjährigen Preisträger „Azul“ gab es aber nicht.

„Just One“ (3 bis 7 Spieler, ab 8 Jahren, Repos, etwa 20 Euro) macht viel richtig: Es ratz fatz erklärt und noch schneller aufgebaut. Es ist auch fix gespielt und konfliktarm, da kooperativ. Die Spieler sehen jede Runde einen Begriff und erklären ihn mit je nur einem weiteren Wort. Einer in der Runde muss anhand dieser Tipps den gesuchten Begriff erraten. Der Clou: Geben zwei dasselbe Wort als Tipp ab, fällt dieser Hinweis komplett flach. Es braucht die Balance: eindeutig erklären, aber nicht zu naheliegend. Das führt zu kuriosen Situationen am Tisch, versprochen!

Blick auf die Unterlegenen

Aber: Wo liegt das Besondere? Die Idee hatte exakt so wohl noch keiner – aber es würde nicht überraschen, das ähnlich in einem Spielebuch für Großgruppen wiederzufinden – wie viele andere nette Wortspiele. Es gibt in dieser Liga ein riesiges Angebot an Titeln, die man ebenso gut mit den Begriff-Karten aus dem Klassiker „Tabu“ plus Stift und Papier spielen kann. „Just One“ leistet sich zudem redaktionelle Mängel und mäßiges Material. Sprich: Wer das Spiel auf den Gabentisch legt, hat viel Spaß – sofern er genügend Mitspieler findet. Doch es sei zumindest auch ein Blick auf die Unterlegenen anzuraten.

Da wäre zum einen das Kartenspiel „L.A.M.A.“ von Reiner Knizia (2 bis 6 Spieler, ab 8 Jahren, Amigo, etwa 10 Euro). Ein simples Ablegespiel à la „Mau Mau“, das zwei nette Kniffe hat, die manch glücklichen Zocker, kühlen Rechner oder flinken Karten-Mitzähler begünstigt. Alles in allem hübsch, unterhaltsam, familienfreundlich und mit Lacher-Garantie am Tisch – aber ohne tiefgehende Substanz.

Bemerkenswerter Hybrid

Da bietet der zweite Unterlegene, „Werwörter“ von Ted Alspach (4 bis 10 Spieler, ab 8 Jahren, Ravensburger, etwa 10 Euro), mehr zum Knabbern – wenngleich es wie „Just One“ nur in größeren Gruppen glänzen kann. Es ist ein Hybrid – mixt also ein Wortrate- mit einem Deduktionsspiel: Entsprechend des weitverbreiteten Spiels „Werwölfe“ (auch „Mafia“ oder „Mord in Palermo“) bekommt jeder eine verdeckte Rolle – Bürger und Werwölfe sowie Spezialrollen – je nach Laune und Gruppengröße.

Wer die Rolle „Bürgermeister“ zugelost bekommt, offenbart sich: Er liest ein geheimes Wort, das die Mitspieler per Ja-Nein-Fragen erraten müssen. Nicht so die Werwölfe: Sie wollen das sogar verhindern – unerkannt. Wird das Wort durch ihr Hintertreiben nicht erraten, haben sie dennoch verloren, wenn sie in der abschließenden Abstimmung enttarnt werden. Anders herum: Wird das Wort in vier Minuten erraten, könne die Werwölfe die „Seherin“ versuchen zu enttarnen, die das Wort schon kannte und die Bewohner in die richtige Richtung zu lenken trachtete. Ein tolles, tolles Spiel mit überraschenden Konstellationen, durch das eine brillante App führt. Die Schwierigkeit der Wörter ist ganz gut zu justieren. Ein Spiel, das tatsächlich den Heiligabend füllt – und auch die folgenden Tage, so man denn will.

Blick auf die zweite Liste

Nimmt man die breit gefächerten Spiele der Empfehlungsliste (www.spiel-des-jahres.de) hinzu und auch das so hübsche wie zugängliche „Kennerspiel des Jahres 2019“, „Flügelschlag“, (siehe Meldung), lautet die Antwort auf die Frage nach dem verdienten Sieger: Jein! Auf jeden Fall gibt es heuer mehr als „Just One“.

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