Esslingen hat in den vergangenen Jahren die Einnahmen durch Blitzer erheblich gesteigert. Laut einer Auswertung unserer Zeitung erzielt die Stadt Rekordwerte in der Region Stuttgart. Das hat seine Gründe.
Man könnte meinen, dass einige stationäre Blitzeranlagen in der Stadt Esslingen ihren eigentlichen Sinn verfehlen. Sie sollten die Autofahrer dazu animieren, das Tempolimit einzuhalten. Was ist aber, wenn diese das nicht tun? Dann werden sie geblitzt – was in Esslingen offenbar besonders häufig geschieht, obwohl die Stadt nur über acht stationäre Anlagen verfügt.
Aber in keiner anderen Stadt in der Region Stuttgart ist der durchschnittliche Wert, der pro stationärem Blitzer eingenommen wird, höher als in Esslingen: 750 000 Euro waren es im Jahr 2022 durchschnittlich. Zum Vergleich: Stuttgart, das über 37 Anlage verfügt, nahm im selben Jahr pro Gerät durchschnittlich 540 000 Euro ein. Das hat eine Datenauswertung unserer Zeitung ergeben.
Nach Auskunft der Stadt Esslingen ist eine Messanlage auf der B 10 für ihre Rekordeinnahmen verantwortlich. Sie allein hat 844 088 Euro eingebracht. Der Messbereich an der B 10 ist damit der Ort in der Region Stuttgart – außerhalb der Landeshauptstadt selbst –, an dem mehr Geld eingenommen wird als irgendwo sonst. Insgesamt hat Esslingen 2022 sechs Millionen Euro mit Blitzern gemacht.
Ungewöhnlich ist auch, dass die Stadt die Einnahmen durch Blitzer seit 2017 fast verfünffacht hat. Das liegt unter anderem an der Reform des Bußgeldkatalogs im Jahr 2021. Raser müssen seitdem deutlich mehr für ihre Vergehen bezahlen. Der Esslinger Wert ist jedoch im regionalen Vergleich immer noch überdurchschnittlich hoch.
Ein Grund dafür sind sicherlich die Tempo-30-Strecken, die in der Stadt eingeführt wurden. Darüber hinaus wurden auch die Messungen mit den Geräten optimiert. Demnach wurden sowohl die Messzeiten der Geräte erhöht als auch ihre Leerläufe verringert. In der Zeit, in der die Technik gewartet wird, kommen Ersatzgeräte zum Einsatz.
Allem Anschein nach werden die ohnehin hohen Einnahmen noch weiter steigen: In diesem Jahr wird sich der Betrag voraussichtlich noch einmal erhöhen, weil es einen neuen Blitzer in der Kiesstraße gibt. Das Gerät wurde in der Nähe eines Unfallschwerpunkts aufgebaut und hat schon viel zu tun. Laut Raphael Clauss, dem Leiter der Verkehrsabteilung der Stadt Esslingen, rechnet man jedoch damit, dass sich die Fahrer bald an das Gerät gewöhnen werden und dieses dann weniger oft auslösen wird.
Auf Grundlage eines Lärmentwicklungsplanes überlege man zudem, weitere Messanlagen aufzustellen. Die Stadt erhofft sich in den Bereichen, in denen viel geblitzt wird, auch weiterhin einen Rückgang bei den Unfällen. „Es ist zu beobachten, dass bei einigen nacheinander durchgeführten Messungen am selben Ort die Zahl der festgestellten Verstöße abnimmt“, sagt Clauss.
Weniger Unfälle durch mehr Blitzer erhofft
Ein Beispiel hierfür sei die Rotlichtüberwachungskamera auf der Vogelsangbrücke an der B-10-Ausfahrt. Durch deren Betrieb sei der damalige Unfallschwerpunkt entschärft worden. Der Blitzer ist laut unserer Auswertung derjenige, der die geringsten Einnahmen für die Stadt generiert. Das bestätigt die Angabe, dass das Tempolimit dort oft eingehalten wird.