Bankchef Christian Sewing hat Grund zur Freude. Foto: dpa/Arne Dedert

Die Deutsche Bank präsentiert mit fast einer Milliarde Euro den höchsten Quartalsgewinn seit sieben Jahren. Auch der Ausblick fällt optimistisch aus.

Frankfurt - Die Deutsche Bank ist mit Volldampf ins neue Jahr gestartet: Im ersten Quartal verdiente das größte deutsche Geldhaus eine Milliarde Euro, nach Bedienung der Zinsen auf bestimmte Anleihen blieben 908 Millionen Euro. Das ist der höchste Quartalsgewinn seit sieben Jahren. Mit einer Eigenkapitalrendite von 7,4 Prozent nach Steuern näherte sich der Branchenprimus dem Ziel, 2022 eine Nachsteuerrendite von acht Prozent zu erreichen.

Die Deutsche-Bank-Aktie machte einen Freudensprung. „Wir haben den Grundstein dafür gelegt, dass unsere Bank wieder nachhaltig profitabel wird“, schrieb Konzernchef Christian Sewing in einer Nachricht an seine Mitarbeiter.

Risikovorsorge sinkt trotz anhaltender Corona-Krise

Zu dem guten Ergebnis trug neben einer Steigerung der Erträge um 14 Prozent auch der Rückgang der Risikovorsorge bei. Obwohl die Corona-Pandemie noch nicht überwunden ist, sanken die Rückstellungen im Kreditgeschäft im ersten Quartal auf 69 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte die Risikovorsorge bei 506 Millionen Euro gelegen.

Wegen der Verbesserung der Konjunkturaussichten seien Rückstellungen aufgelöst worden, erläuterte Finanzvorstand James von Moltke. Zudem habe sich die Zahlungsfähigkeit einiger Kunden in Schwierigkeiten verbessert.

Krisenbranchen fallen bei der Deutschen Bank nicht so stark ins Gewicht

Da sich das Kreditgeschäft der Deutschen Bank auf größere Unternehmenskunden konzentriert, ist sie von den Problemen eher kleinteiliger Sektoren wie der Gastronomie oder der Veranstaltungsbranche weniger stark betroffen als andere Institute.

Der Rückgang der Risikovorsorge trug maßgeblich zu den Gewinnsteigerungen im Geschäft mit Unternehmens- und Privatkunden bei. In beiden Sparten stieg das Vorsteuerergebnis um rund 90 Prozent, obwohl die Erträge stagnierten. Die Vermögensverwaltungssparte, zu der die Fondsgesellschaft DWS gehört, legte sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn kräftig zu.

Das wichtigste Standbein bleibt die Investmentbank

Die hauseigene Investmentbank stellte jedoch alles andere in den Schatten: Ihr Vorsteuergewinn lag mit 1,5 Milliarden Euro gut doppelt so hoch wie der aller drei anderen Sparten zusammengenommen. Dabei ist die Investmentbank nach zahlreichen Skandalen während und nach der Finanzkrise in den vergangenen Jahren deutlich verkleinert worden; zuletzt wurden der elektronische Aktienhandel und das Geschäft mit Hedgefonds abgespalten. Es wird nach und nach an die französische Bank BNP Paribas übertragen.

Andere Geschäftsbereiche befinden sich in Abwicklung. Die dafür zuständige Einheit verzeichnete einen Vorsteuerverlust von 410 Millionen Euro, vor einem Jahr hatte er mit 765 Millionen Euro aber noch deutlich höher gelegen.

Finanzchef hofft auf steigende Zinseinnahmen

Von Moltke verwahrte sich gegen Vorhaltungen, die Deutsche Bank sei „abhängig“ von der Investmentbank mit ihrem schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft. Die Fortschritte im Privat- und Unternehmenskundengeschäft, beispielsweise in Form einer steigenden Kreditvergabe, würden bislang durch die geringen Zinseinnahmen verdeckt. Hier sehe man aber „Licht am Ende des Tunnels“.

Wie viele andere Kreditinstitute gibt auch die Deutsche Bank einen wachsenden Teil der durch Negativzinsen verursachten Kosten an ihre Kunden weiter. Überdies scheint bei den Unternehmenskrediten das Zinstief durchschritten, laut dem von der Beratungsfirma Barkow Consulting erstellten Kreditkostenindex wurde vergangene Woche mit durchschnittlich 1,54 Prozent für Darlehen mit fünf Jahren Laufzeit der höchste Stand in zwei Jahren erreicht.

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