Für Schüler ist der Selbsttest längst Routine, für einige wenige Eltern ist er aber ein Grund, die Kinder nicht mehr zur Schule gehen zu lassen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Weil sie nicht wollten, dass ihre Kinder in der Grundschule getestet werden, haben mehrere Eltern aus einem kleinen Ort im Kreis Rottweil ihre Kinder zu Hause behalten. Doch haben sie auch eine Querdenker-Schule betrieben?

Schramberg - Die Stadt Schramberg hat gegen fünf Familien aus dem Teilort Waldmössingen Bußgeldverfahren eingeleitet, weil sie ihre Kinder seit Wochen nicht mehr in die Schule geschickt haben. Die Eltern hätten gegenüber der Stadt darauf verwiesen, dass sie die Coronatests ablehnten, erklärte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Ein Elternpaar habe die Maskenpflicht als Grund angeführt. Etwaige Atteste zur Befreiung von der Masken- oder Testpflicht wurden nicht vorgelegt.

Schon im September hatte die Leiterin der Grundschule die Stadt als Schulträger informiert. Anschließend lief das Verfahren. Zunächst seien die Eltern verwarnt und angehört worden. „Wenn sich aus der Anhörung kein neuer Sachverhalt ergibt, kommt es zu einem Bußgeldbescheid mit der Möglichkeit Einspruch zu erheben. An diesem Punkt stehen wir derzeit“, erklärte die Sprecherin.

Bußgelder von bis zu 1000 Euro

Gemäß Schulgesetz haben Schulpflichtige grundsätzlich die Schule zu besuchen, in deren Schulbezirk sie wohnen. Andernfalls sei dies ein Verstoß gegen die Schulbesuchspflicht, sagte die Sprecherin. Das Jugendamt und das Schulamt seien informiert. In Baden-Württemberg sind für Schulabstinenz Bußgelder bis zu 1000 Euro möglich.

Wie die Kinder seit September unterrichtet wurden, ist unklar. Die Berliner Tageszeitung „Taz“ berichtete von einer heimlichen „Corona-Schule“ in einem ehemaligen Geschäftshaus im Ort. Den Behörden ist davon offiziell nichts bekannt. „Eine Genehmigung zum Betreiben einer ,Ersatzschule’ im Stadtteil Waldmössingen wurde seitens der Schulaufsichtsbehörde nicht erteilt“, sagte die Sprecherin. Ähnlich äußerte sich das Regierungspräsidium in Freiburg.

Die Mutter spricht von einer Privatangelegenheit

„Schule findet in der Schule statt.“ Alles andere werde man unterbinden, sagte die Leiterin des Staatlichen Schulamts in Donaueschingen, Susanne Cortinovis-Piel. Die Mutter, die die fünf Grundschulkinder dort betreuen soll, wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern. „Das ist eine rein private Angelegenheit.“ Schon jetzt wisse das gesamte Dorf Bescheid.

Aus dem Donaueschinger Schulamt hieß es, Waldmössingen sei kein Einzelfall. Auch anderswo gebe es Schulabstinenz. Wie viele Kinder landesweit momentan fehlen, weil ihre Eltern die Coronamaßnahmen ablehnten, ist unbekannt. Dem Kultusministerium lägen dazu keine Informationen vor, sagte ein Ministeriumssprecher in Stuttgart. Solche Daten würden bisher auch nicht explizit erhoben.

In Bayern waren es sogar 50 Schüler

Im Oktober hatte die bayerische Polizei bei Rosenheim eine mutmaßliche Querdenker-Schule geräumt. Dort sollen auf einem abseits gelegenen Hof rund 50 Kinder unterschiedlichen Alters illegal unterrichtet worden sein.