Von wegen „Never complain, never explain“: Prinzessin Kate macht ihre Krebsdiagnose öffentlich – und zeigt sich verletzlich. Damit holt sie sich das Narrativ zurück, schafft aber noch weit mehr.
„Never complain, never explain“. Nach dieser Maxime handelten die Windsors jahrzehntelang. Mit ihrer Videobotschaft vom Freitagabend hat Prinzessin Kate zumindest mit der zweiten Hälfte dieses Wahlspruchs gebrochen: Sie hat sich zwar nicht beklagt - aber sie hat erklärt.
Erklärt, warum sie nach ihrer Operation im Januar eine lange Zeit der Genesung braucht: Bei der Frau des britischen Thronfolgers wurde Krebs diagnostiziert. Erklärt, warum sie einige Wochen wartete, bevor sie die britische Öffentlichkeit nun über diese Diagnose informierte: „Ich habe Zeit gebraucht.“ Zeit, ihren drei Kindern - der Älteste, Prinz George, ist gerade einmal zehn - von ihrer Erkrankung zu erzählen, ihre Fragen zu beantworten, ihnen Ängste zu nehmen. Jede Mutter und jeder Vater wird der Prinzessin das nachfühlen können.
Die Prinzessin von Wales tut es damit ihrem Schwiegervater, König Charles III., gleich, der seine Krebserkrankung ebenfalls öffentlich machte. „Never complain, never explain“ ist in Zeiten, in denen die Medien ihre „Gatekeeper“-Position längst verloren haben und Gerüchte und Unwahrheiten in Hochgeschwindigkeit durchs Netz rasen, an sein Ende gelangt. Es war übrigens auch nie der Wahlspruch der Queen, sondern stammt von einem britischen Premierminister des 19. Jahrhunderts: Benjamin Disraeli.
In den vergangenen Wochen war die Frage „Wo ist Kate?“ für manche zum Sport geworden, sie überboten sich mit den wildesten Theorien, je abstruser desto besser. Chris Ship, der Royalexperte des TV-Senders ITV, zitierte Anfang vergangener Woche eine Quelle aus dem Umfeld der Prinzessin: „Wenn Kate mitteilt, was sie hat, werden viele Menschen sehr bereuen, dass Kate so sehr unter Druck gesetzt wurde, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.“ Damit hat er Recht behalten.
Aber Kates Ansprache ist noch so viel mehr als eine PR-Strategie, um das zuletzt entglittene Heft des Handelns wieder in die Hand zu kriegen. Die Prinzessin zeigte sich in dem Video schmaler und blasser. Verletzlich. Kate bedachte in ihrer Videobotschaft auch die unzähligen anderen Menschen, die weltweit mit der Krankheit kämpfen: „Sie sind nicht allein“, rief sie ihnen zu. Einigen dürfte das viel bedeuten.