Fünf Monate wartet Jürgen Egner aus Stuttgart auf eine Reaktion seines Netzbetreibers wegen der neuen Solaranlage. Er versteht das Problem nicht, findet aber auch niemanden, der es ihm erklären kann.
Unter normalen Umständen würde Jürgen Egner wohl kaum darüber nachdenken, wie sich sein Netzbetreiber organisiert. Nachdem er fünf Monate auf eine Reaktion wartet, kommen ihm diese Überlegungen aber automatisch. Egner hat beantragt, seine Solaranlage in Stuttgart-Süd ans Netz zu nehmen. Für seinen Geschmack hat der Geschäftsführer der Stuttgart Netze, Harald Hauser, unlängst im Interview mit unserer Zeitung die Probleme kleingeredet.
Als Hürde nannte Hauser vor allem den Zählertausch. Der fällt bei Jürgen Egner weg, denn er hat schon einen modernen Zähler, sagt er. Sein Problem: Nachdem er im September 2023 den Anschluss beantragt hatte, bekam er zwar unverzüglich eine automatisch generierte Antwortmail – sonst aber nichts. Bis vor ein paar Tagen.
Kundenservice bittet um Geduld
Jürgen Egner hat von einem Bekannten mitbekommen, dass er später angemeldet hat – und die Freigabe schon da ist. „Was machen die mit meinem Antrag?“, fragt er sich. „Die arbeiten das jedenfalls nicht sequenziell ab.“ Er hat es auch schon bei der Hotline probiert. „Anruf zwecklos“, sagt er. Die wüssten nichts, konnten ihm nicht helfen. Am 27. Februar hat sich der Kundenservice nun etwas ausführlicher bei Egner gemeldet. Wartezeiten werden eingeräumt, um Geduld wird gebeten. Unter dem Strich versteht er das ganze Brimborium nicht, wie er sagt. „Es ist doch völlig klar, dass die Anlage ans Netz gehen wird.“ Die Verzögerung sei nicht zu verstehen und „nicht akzeptabel“.
Eine ähnliche Erfahrung hat auch Annette Wegler aus Stuttgart gemacht, die auf einen Zählertausch wartet. „Der Herr an der Hotline schwieg betreten, als ich von sieben Monaten Wartezeit sprach“, berichtet sie. „Er leite es umgehend an den zuständigen Kollegen weiter. Man melde sich. Mehr war nicht zu erfahren.“ Nun rief sie wieder dort an, weitergebracht hat es sie nicht.
Anfrageflut beim Netzbetreiber
Stuttgart Netze erklärt auf Anfrage, dass der Kundenservice in Energiefragen geschult sei, dass seine Aufgabe allerdings ist, allgemeine und grundsätzliche Fragen zu klären. „Rückfragen zum Bearbeitungsstatus konkreter Anfragen – einen Wasserstand – können wir aus Kapazitätsgründen aktuell nicht ad hoc beantworten“, erklärt der Sprecher Moritz Oehl. „Die Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich sind angesichts der Anfrageflut mit vollem Einsatz dabei, die noch offenen Fälle zu sichten, abzuarbeiten und konzentrieren sich vorwiegend hierauf.“
Der Elektriker, der ihm die Solaranlage anschließen soll, sei „total unzufrieden“, sagt Jürgen Egner. Es dauere gerade zwischen drei und fünf Monaten, bis die Freigaben da seien. Theoretisch könnte er seine Anlage in Betrieb nehmen. Anlagen bis 10,8 Kilowattpeak dürfen ans Netz, wenn sich der Netzbetreiber einen Monat lang nicht rührt. Voraussetzung laut Stuttgart Netze ist, dass sie die gesetzlichen Fristen zur Anmeldung und Inbetriebsetzung eingehalten haben. Der genaue Wortlaut sei im EEG 2023 geregelt.
Seit Januar kann man seine Solaranlage online anmelden unter meine.stuttgart-netze.de. Stuttgart Netze weist darauf hin, dass alte Anträge trotzdem bearbeitet werden und nicht neu gestellt werden sollen. „ Jeder Antrag, der eingeht, wird bearbeitet – jeder Kunde erhält seine Rückmeldung“, so Moritz Oehl.