Ein eingespieltes Team sind Irmgard und Peter Pankau im Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe. Foto: Ines Rudel

Um suchtkranke Menschen kümmert sich Peter Pankau seit 22 Jahren in einem Köngener Freundeskreis. Dafür hat ihn die Gemeinde mit einem Ehrenamtspreis ausgezeichnet.

Köngen - Aus eigener Betroffenheit versteht Peter Pankau die Probleme suchtkranker Menschen. Den Teufelskreis, in den man da geraten kann, kennt er nur zu gut. Mit Hilfe seiner Frau Irmgard hat der 78-Jährige vor Jahrzehnten seine Alkoholsucht überwunden. Seit 22 Jahren hilft er nun suchtkranken Menschen und ihren Angehörigen im Köngener Freundeskreis, mit ihren Problemen fertig zu werden. Für seinen großen Einsatz wurde der Rentner, der in Wendlingen lebt, mit dem Ehrenamtspreis der Gemeinde Köngen ausgezeichnet.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: „Mit 80 gehört man nicht zum alten Eisen“

Für sein jahrzehntelanges Engagement lobte Bürgermeister Otto Ruppaner den engagierten Mann. „Seit 22 Jahren leitet Peter Pankau den Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe unermüdlich und sehr erfolgreich“, sagte der Verwaltungschef bei der feierlichen Verleihung. „Er agiert dabei unauffällig, zielstrebig, vollkommen selbstlos und mit großem physischem und mentalem Einsatz.“ Der Freundeskreis, dessen Träger das Diakonische Werk ist, sei gerade in der heutigen Zeit unverzichtbar.

Ein guter Draht zu den Neuen

Über diese Auszeichnung hat sich Pankau sehr gefreut. Liebevoll schaut er seine Frau an: „Ohne sie hätte ich es damals nicht geschafft, vom Alkohol loszukommen.“ Bis heute unterstützt Irmgard Pankau ihren Mann bei der Gruppenarbeit. Die 84-Jährige findet schnell einen Draht zu den Neuen, die am Anfang Schwellenängste überwinden müssen, bevor sie in die Gruppe kommen. „Sich einzugestehen, dass man ein Suchtproblem hat, das ist nicht leicht.“ Wie schwer der Umgang mit Suchtkranken gerade für Angehörige ist, weiß sie nur zu gut.

Als ihr Mann Peter seine Therapie abgeschlossen hatte, war für ihn klar, dass die Sucht fast sein Leben zerstört hätte. Nicht nur seine Berufstätigkeit bei der Paketpost hat damals gelitten. Auch die Familie war von der Krankheit betroffen. Mit viel Geduld habe ihn seine Frau damals aufgefangen. „Sie hat mir gezeigt, dass es auch anders geht, wenn man Probleme hat.“ Dafür ist Pankau seiner Frau Irmgard sehr dankbar. Um nicht wieder in alte Muster zu verfallen, habe er gegen die Alkoholsucht gekämpft.

Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer

Ein Wendepunkt in seinem Leben war die Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer, die er schon relativ bald nach seiner Therapie begonnen hat. „In den Fortbildungen habe ich sehr viel für mein eigenes Leben gelernt“, blickt der 78-Jährige heute dankbar zurück. Das Wissen und die Erfahrung, die er in mehr als zwei Jahrzehnten erworben hat, gab er im Freundeskreis schon an viele Betroffene weiter. Gemeinsam mit der Köngenerin Inge Keinrad leitet er den Freundeskreis, der sich regelmäßig im Katholischen Gemeindehaus in Köngen trifft.

„Wir beraten in Einzel- oder in Gruppengesprächen“, schildert Peter Pankau die Arbeitsweise des Freundeskreises. Wenn die erfahrenen Mitarbeiter den Bedarf sehen, vermitteln sie die Süchtigen auch an Beratungsstellen. Denn alles könne das Ehrenamt schlicht nicht leisten. Wichtig findet es Peter Pankau vor allem, einen pesönlichen Kontakt zu den Menschen aufzubauen, sie aus der Isolation zu holen. „Man kann über alles sprechen und dann gemeinsam eine Lösung finden“, ist der Rentner überzeugt. „Wenn die Menschen mit ihren Problemen alleine gelassen werden, hat das oft gravierende Auswirkungen.“ Da zu helfen und die Betroffenen aus der selbst gewählten Isolation zu holen, dafür seien die Suchtkrankenhelfer des Freundeskreises da. „Wir wollen ihnen zeigen, wie schön das Leben sein kann“, sagt Irmgard Pankau. Bei gemeinsamen Unternehmungen sei es oft leichter, einen Draht zueinander zu finden. Deshalb legt der Köngener Freundeskreis viel Wert auf Geselligkeit.

Hilfe für die Angehörigen

Zehn Männer und Frauen kommen regelmäßig zu den Treffen. „Es sind jüngere und ältere Leute dabei“, beschreibt Peter Pankau seinen Freundeskreis. Immer wieder gebe es auch mal einen Wechsel Bei den Jüngeren gehe es häufig um Spielsucht. Ganz wichtig ist dem Ehepaar Pankau die Arbeit mit Angehörigen. Gerade sie brauchen viel Hilfe, wenn sie jahrelang die Rolle des Co-Alkoholikers gespielt haben.

Dass der Freundeskreis nicht nur vom Diakonischen Werk, sondern auch von der Gemeinde Unterstützung bekommt, freut Peter Pankau. Die Wertschätzung gibt dem Suchtkrankenhelfer Kraft für die Arbeit. Unermüdlich unterstützt er Menschen in Not. Es macht ihn glücklich, wenn jemand es schafft, aus der Suchtspirale auszubrechen. „Das gelingt nicht immer.“ Da ist der Suchtkrankenhelfer realistisch. Doch versucht er alles, um auf dem schweren Weg zu helfen.

Hilfen für Suchtkranke

Unterstützung vor Ort
 Der Köngener Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe trifft sich immer donnerstags ab 19.30 Uhr im katholischen Gemeindehaus in Köngen, Rilkeweg 20. Nicht nur Suchtkranke sind willkommen. Auch deren Angehörige werden von dem ehrenamtlichen Team betreut. Weitere Informationen zur Arbeit des Freundeskreises bei Peter Pankau, Telefonnummer 0 70 24/5 10 06.

Beratungsstellen
 Im Kreis Esslingen gibt es ein dichtes Netz von Suchtberatungsstellen. Die Angebote in der Stadt Esslingen, auf den Fildern sowie im Raum Kirchheim und Nürtingen sind in einer Broschüre zusammengefasst. Spezielle Freundeskreise für Spielsucht, für Angehörige und für Drogenkonsumenten sind in der Liste zu finden.

Weitere Informationen für Betroffene gibt es bei der Beratungsstelle Sucht und Prävention Kreis Esslingen, Telefon 07 11/3 90 24 84 80, E-Mail: info@suchtundpraevention-es.de