Mit dieser Drahtfalle fängt Paul Pfinder Wühlmäuse. Foto: Kerstin Dannath - Kerstin Dannath

„Nur eine tote Wühlmaus ist eine gute Wühlmaus“, sagt Mäusefänger Paul Pfinder über die Tiere, die so niedlich aussehen, aber doch zur Plage werden können.

EsslingenDes einen Freud, des anderen Leid: Wühlmäuse gehören zu den Gartenbewohnern, mit denen selbst versierte Naturliebhaber in ihren Gärten selten Frieden schließen. Mit ihren scharfen Zähnen fressen sie Wurzelgemüse, Blumenzwiebeln und die Wurzeln junger Bäume und Gehölze an. Es gibt aber Möglichkeiten, der Plage Herr zu werden. Auf Einladung der Obst- und Gartenbauvereine RSKN und Wäldenbronn gab Paul Pfinder aus Raidwangen, ein mit allen Wassern gewaschenes schwäbisches Schlitzohr sowie der ehemalige Pflanzenschutzbeauftragte im Landkreis Esslingen in Personalunion, sein Wissen bei einem Fangkurs weiter.

„Nur eine tote Wühlmaus ist eine gute Wühlmaus“, erklärt der Mäusefänger. Fallen gibt es viele – er hat selbst über Jahrzehnte hinweg allerlei Modelle zusammengetragen: „I han sogar auf Märkte in China, Marokko und Ägypten rumg’stiert“ – und zieht aus dem Kofferraum seines Kombis, der sich mit Fug und Recht das Prädikat Gemischtwarenlager verdient hat – gleich ein paar Exemplare zum praktischen Anschauungsunterricht für die rund 40 Kursteilnehmer. Mit moderner Technik haben die diversen Fundstücke nichts zu tun, alle Fallen sind mehr oder weniger simple Drahtgestelle.

Mit „Kissele“ und „Schäufele“

„Das ganze elektrische Klump kannste den Hasen geben“, so der 72-Jährige auf gut schwäbisch weiter. Er muss es wissen – schließlich währt seine Fänger-Karriere schon ein paar Jährchen. „Als fünfjähriger Bub hab ich angefangen“, bestätigt Pfinder. „Ich komm’ aus dem Schmiechtal von der Alb. Da gab es viele Mäuse und jeder von uns Buben hot sein eigenes Revier gehabt.“ 70 Pfennig gab es damals für jeden Mäuseschwanz, den er beim Bürgermeisteramt abgegeben habe. Finanziell war der junge Pfinder somit immer gut aufgestellt: „Der Vater hat immer gesagt, wenn ihr Geld braucht, geht zum Paul.“ Sein in 67 Jahren angesammeltes Wissen hat der Experte über die Jahre in über 150 Fangkursen vor bis zu 130 Leuten weitergegeben – nur einmal ist ihm dabei keine Maus in die Falle gegangen.

Auf der Rüderner Höhe geht es bei frischen vier Grad im Gänsemarsch dem Fachmann über die feuchte, unebene Obstwiese beim Vereinsgarten hinterher. „Immer hinterher, aber nicht mich überholen. Die Wühlmaus ist ein gerissenes Viech.“ Mit seinem Suchstab stochert Pfinder an markanten Stellen in der Erde. Gibt der Boden nach, deutet das auf ein Gangsystem hin. „Der Gang eines Maulwurfs ist flach und oval, der von einer Wühlmaus hoch und oval“, erklärt er. Wenn die Erde feucht ist wie auf der Rüderner Höhe an diesem Tag, lassen sich in der Erde sogar die Zahnabdrücke der kleinen Nager ausmachen. Hat Pfinder eine Stelle ausgemacht, kommen „Schäufele“ und „Kissele“ zum Einsatz: „Ins gegrabene Loch dann a bissle mit dem Stiel vom Schäufele reinstochern, damit ihr die Falle sauber neibrenget.“ Als Köder dient ein Stück gelbe Rübe. Pfinder bevorzugt die bayerische Drahtfalle: „Das ist eine Zangenfalle und eignet sich am besten.“ Steckt der kleine Nager seinen Kopf in Richtung Rübe, schnappt die Falle zu und die Maus haucht ihr Leben aus. Von Maulwürfen, die mit ihren Hügeln ebenfalls Schäden verursachen, sollte man besser die Finger lassen. Maulwürfe seien zwar ebenfalls lästig, aber erstens geschützt und zweitens nützlich. „Zu den anderen Viechern wie Hasen und Co – die sind halt gut für die Pfanne“, meint der Experte augenzwinkernd. Besondere Vorsicht sei allerdings bei Ratten geboten. „Da sollte man sofort die zuständige Gemeinde anrufen, die legen dann spezielle Köder aus.“ Allgemein empfiehlt er nichts Gekochtes auf den Kompost im Freien zu werfen: „Damit zieht ihr nur die Ratten an“.

Ein Dicker tappt in die Falle

In Rüdern tappt immerhin ein kleiner, aber dafür ein ziemlich dicker Nager in die Falle. „Jetzt im Herbst ist die beste Zeit, um Mäuse zu fangen. Die kriegen im Frühjahr keine Junge und richten über den Winter keine Schäden an.“ Als zusätzliche Vorsorgemaßnahme empfiehlt Pfinder, Sitzstangen für Bussard, Falke und Co im Garten aufzustellen. „Die Stange muss aber mindestens sechs Meter hoch sein – dann kommt der Greifvogel gleich ins Schweben und verscheucht die Maus nicht mit dem Geflatter seiner Flügel.“ Von Lebendfallen hält der Experte nicht viel: „Das ist ja alles schee und recht. Aber auch wenn ihr die Maus in einem Kilometer Entfernung wieder springen lasset – die ist schneller wieder dahoim als ihr.“ Die Veranstaltung in Rüdern war übrigens Pfinders letzter Wühlmausfangkurs – die Gesundheit macht nicht mehr mit: „I han jetzt 67 Jahre lang Mäuse g’fanga, jetzt send die Knie im Eimer. Irgendwann is’ halt Schluss“ – die Mäuse werden Samba tanzen...

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