Paolo Carolillo hat in seiner Pizzeria La Rustica viel zu tun. Foto: Weller - Weller

Paolo Carolillo sitzt im Gemeinderat von Baltmannsweiler – und betreibt darüber hinaus die Pizzeria „La Rustica“.

EsslingenEine Pizza Margherita, bitte.“ Was andere Politiker normalerweise nur beim Besuch eines italienischen Restaurants zu hören bekommen, ist für Paolo Carolillo Alltag. Der 50-Jährige betreibt die Pizzeria La Rustica – und sitzt darüber hinaus für die CDU-Fraktion im Gemeinderat von Baltmannsweiler. „Es ist anstrengend, beide Tätigkeiten unter einen Hut zu bekommen“, sagt Carolillo. An den Sitzungstagen ist er auf Hilfe angewiesen, meist vertreten ihn seine zwei Söhne im Restaurant. „Ohne die Hilfe meiner Familie wäre das alles nicht möglich.“ Wenn er keine Vertretung findet, muss Carolillo dem Gemeinderat absagen. „Das kommt aber nicht häufig vor, bei rund 90 Prozent der Sitzungen bin ich anwesend.“

Hin und wieder treffen sich die Mitglieder des Gemeinderats nach einer Sitzung im „La Rustica“. Beeindruckend findet Carolillo, dass es alle schaffen, berufliches und privates zu trennen. „Oft kommt es vor, dass man sich bei einem Thema nicht einig ist oder sogar streitet. Aber danach sprechen alle wieder ganz normal miteinander und stoßen an“, sagt er.

Schulbus nach Reichenbach geplant

Über Politik redet Carolillo jedoch nicht nur mit seinen Kollegen – auch mit den restlichen Gästen seines Restaurants wird häufig diskutiert. Regelmäßig wird Carolillo auf die Arbeit des Gemeinderats angesprochen. „Manchmal fragen sie zum Beispiel, ob dies und jenes denn wirklich hätte sein müssen.“ Neben den interessanten und angeregten Gesprächen hat das jedoch auch negative Folgen. „Es kam schon vor, dass Gäste mit einer Entscheidung des Gemeinderats nicht einverstanden waren und deswegen nicht mehr zu mir ins Restaurant kommen“, erzählt Paolo Carolillo. Das macht ihm aber wenig aus: „Man kann es nicht allen Recht machen, jeder Beschluss hat Befürworter und Gegner – das ist ganz normal.“

Carolillo selbst ist zufrieden mit der Politik in Baltmannsweiler. „Ich finde, wir machen einen guten Job, große Defizite sehe ich nicht.“ In den vergangenen Jahren wurden einige Großprojekte auf den Weg gebracht, als Beispiele nennt er den Neubau des Rathauses sowie die Sanierung der Hauptstraße. In den nächsten Jahren soll zudem eine neue Feuerwache entstehen. „Zurzeit haben Baltmannsweiler und Hohengehren eigene, kleine Feuerwachen. Durch den Neubau im Gewerbegebiet werden die beiden zusammengelegt“, sagt Carolillo. Noch aktueller ist ein weiteres Projekt: ein neuer Schulbus von Baltmannsweiler nach Reichenbach. Der Grund dafür ist die Überlastung der Realschulen in Esslingen sowie Oberesslingen. „Reichenbach hat dagegen noch Kapazitäten.“

Der Italiener hat auch ein persönliches Ziel: „Ich will neben der italienischen nun auch die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen.“ Das hat unter anderem mit seinem politischen Interesse zu tun, denn: Carolillo darf zwar kommunalpolitisch aktiv sein, nicht jedoch auf Landes- oder Bundesebene wählen gehen. „Das würde ich gerne ändern.“

Doch woher stammt eigentlich sein Interesse an Politik? Begonnen hat alles mit Carlo Schlienz. Der heutige erste Stellvertreter des Bürgermeisters trat 2009 an ihn heran und fragte, ob er nicht bei der Kommunalwahl antreten wolle. Schlienz erinnert sich: „Ich dachte, dass jemand, der mit seinem Restaurant so toll in der Gemeinde integriert ist, auch gute Ideen einbringen könnte.“ Carolillo war damals skeptisch. „Zuerst habe ich geglaubt, dass mich doch sowieso keiner wählt.“ Doch es hat funktioniert – heute ist er froh darüber: „Es ist gut, mitzuentscheiden. Manchmal zählt jede Stimme, jede Meinung ist wichtig.“ Zum erfolgreichen Wahlabschneiden hat auch sein eigentlicher Beruf beigetragen, durch das Restaurant kommt der 50-Jährige mit vielen Leuten ins Gespräch. „Das ist denke ich schon ein Vorteil“, sagt er. Heute sitzt er im Werksausschuss Kulturzentrum sowie im Betriebsausschuss Wasserversorgung.

In dieser Serie stellt die EZ Gemeinderäte und -rätinnen sowie Kreisräte und -rätinnen aus verschiedenen Gemeinden vor. Sehr junge Ratsmitglieder, sehr erfahrene Räte, Personen mit unterschiedlichsten Erfahrungshorizonten.

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