Seit Mai ist Andreas Rommel Erster Bürgermeister von Ostfildern. Der Finanzexperte setzt in seinem neuen Amt auf eine zukunftsweisende Personalpolitik.
Ein positiver Mensch ist Andreas Rommel, der am 8. Februar dieses Jahres zum Ersten Bürgermeister von Ostfildern gewählt wurde. Als großer Fan des VfB Stuttgart hat es der 37-Jährige gelernt, die Hoffnung auch in scheinbar schwierigster Lage nicht aufzugeben. Diese Sicht auf die Welt war auch beim ersten Finanzzwischenbericht des Verwaltungsmanns zu spüren. Der neue Finanzchef der Ostfilderner Stadtverwaltung sprach von einer Haushaltslage „mit Licht und Schatten“.
Zugleich stimmte er die Stadträte darauf ein, dass es in den kommenden Jahren wohl auch drastische Einschränkungen geben müsse. „Das den Menschen zu vermitteln, ist natürlich nicht populär“, weiß der neue Erste Bürgermeister, der in Kehl den Bachelor-Studiengang in Public Management absolviert hat. Dem Finanzfachmann ist es jedoch wichtig, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen, und die Sparmaßnahmen gut zu begründen. Dies den Menschen zu vermitteln, möchte er gemeinsam mit den Kommunalpolitikern anpacken.
Bürgermeister zu werden, das hat den ehemaligen Schwaikheimer Kämmerer immer gereizt. 2021 hatte er sich bereits in Plochingen für das Amt des Beigeordneten beworben. Dort entschied jedoch seine Konkurrentin Barbara Fetzer die Wahl für sich. Dass er Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay bei repräsentativen Anlässen vertreten darf, das liegt dem kommunikativen Schwaben. Bei der 850-Jahr-Feier des Stadtteils Ruit und bei vielen anderen Anlässen hat er „das rege Vereinsleben Ostfilderns“ schon kennen und schätzen gelernt.
Die Familie muss mitziehen
„Bei einem Amt, das so viel Zeit fordert, ist es wichtig, dass die Familie mitzieht“, sagt Rommel. Er ist froh, dass er auf den Rückhalt seiner Frau Stefanie bauen darf. Der dreijährige Sohn und die sechs Monate alte Tochter haben den Familienvater auch schon zum Stadtteiljubiläum in Ruit begleitet. „Vom Spielplatz in der Grünen Mitte war der Kleine ganz angetan“, sagt der stolze Papa. Wie wichtig eine vorausschauende Familienpolitik ist, weiß er aus eigener Erfahrung. Bis auf weiteres möchte die Familie in Notzingen wohnen bleiben, „denn da sind wir bestens vernetzt.“
Dass ihn sein Vorgänger Rainer Lechner „so wunderbar und gründlich“ eingearbeitet hat, das freut Andreas Rommel. Von dem langjährigen Ersten Bürgermeister spricht er mit großer Anerkennung. Die vielen Aufgaben, die der ehemalige Erste Bürgermeister in der Verwaltung Ostfilderns mit der Zeit übernommen hatte, werden durch den Wechsel etwas entzerrt. In der Verwaltungsführung ist Andreas Rommel zuständig für die Zentralen Dienste. Dem Dezernenten für Finanzen, Organisation, IT und Personal sind auch die Geschäftsstelle des Gemeinderats und die Städtepartnerschaften zugeordnet. Daneben ist er Kaufmännischer Werkleiter der Stadtwerke Ostfildern. Der 37-Jährige findet es spannend, in diese Aufgaben hineinzuwachsen. Wird er bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr für den Esslinger Kreistag kandidieren? „Das kann ich ausschließen“, sagt der Erste Bürgermeister ganz klar. Ihm sei es wichtig, sich nun zunächst auf seine vielen neuen Aufgaben in Ostfildern zu konzentrieren.
Eine ganz große Zukunftsaufgabe ist für ihn in Zeiten des Fachkräftemangels die Gewinnung von qualifiziertem Personal für die Stadtverwaltung. „Es ist wichtig, gute Leute zu motivieren und ihnen Perspektiven zu bieten.“ In Konkurrenz mit der freien Wirtschaft ist es nach Rommels Worten schwer, gute Nachwuchskräfte für die Arbeit in der Stadtverwaltung zu gewinnen. Deshalb will er mit seinem Team Strategien entwickeln. Seit er Anfang Mai sein Büro in der Nellinger Propstei bezogen hat, verwendet er viel Zeit darauf, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenzulernen. „Ich will ansprechbar sein, wenn es Probleme gibt“, sagt der Verwaltungsfachmann, der an seiner früheren Arbeitsstelle in Schwaikheim vor allem „Resilienz“ gelernt hat.
Vom Engagement der Menschen beeindruckt
In der Gemeinde mit 9300 Einwohnern sei die Situation nach dem Suizid des Bürgermeisters Gerhard Häuser im Frühjahr 2021 „angespannt“ gewesen. „Da war die Kommune im Schockzustand.“ Das respektvolle Miteinander in Ostfildern, nicht nur zwischen der Verwaltung und den Stadträten, weiß er deshalb umso mehr zu schätzen. Was reizt ihn besonders an seinem neuen Wirkungskreis? „Ostfildern ist eine spannende Stadt mit 40 000 Einwohnern, aber die Stadtteile haben sich doch ihre Eigenheiten bewahrt.“ Das hohe Engagement der Menschen beeindruckt Andreas Rommel. Bürgerbeteiligung habe in der Stadt Tradition, „und die Ideen der Menschen prägen das Stadtleben“.