Der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß treibt seine Mannschaft weiter an. Foto: Baumann/Volker Müller

Der VfB Stuttgart befindet sich nach dem 3:3 gegen den 1. FC Heidenheim im emotionalen Hin und Her. Das internationale Geschäft ist quasi erreicht, zwei Punkte aber wurden verspielt. Wie Sebastian Hoeneß nun auf das Spiel bei Borussia Dortmund blickt.

Weil es nicht ganz leicht gewesen ist, am Abend des Ostersonntags seine Emotionen wieder zu sortieren, wollte Sebastian Hoeneß eigentlich noch gar nicht so weit nach vorne blicken, tat es dann aber doch. Also sagte der Trainer des VfB Stuttgart in Anbetracht der kommenden Aufgabe: „Es ist für mich ein Spiel mit einer Riesenchance.“ Am Samstag (18.30 Uhr) ist der VfB bei Borussia Dortmund zu Gast.

Die Knie fangen Hoeneß also nicht an zu schlottern, wenn er an diese Auswärtspartie denkt – auch, wenn der BVB am vergangenen Wochenende mit dem Sieg beim FC Bayern ein recht großes Ausrufezeichen gesendet hat. Während der VfB gegen die Aufsteiger vom 1. FC Heidenheim einen 2:0-Vorsprung noch hergegeben hat und am Ende froh sein musste, noch 3:3 gespielt zu haben. Doch diese emotionale Achterbahnfahrt, so ist die Hoffnung des Trainers, soll die Stuttgarter eben nicht aus der Spur bringen.

Zu einer Mahnung sah sich Sebastian Hoeneß dennoch gezwungen. „Aus diesem Spiel“, sagte er, „gibt es viel zu lernen.“ Weil seine Mannschaft den Gegner extrem kontrolliert und einen verdienten Vorsprung herausgeschossen hatte, sich dann aber ein Stück weit von der Euphorie im erstmals wieder mit 60 000 Zuschauern gefüllten Stadion dazu verleiten ließ, es ein bisschen schleifen zu lassen. Am Ende nahm der VfB-Torhüter Alexander Nübel es zwar auf seine Kappe, dass den Gästen von der Ostalb noch die Wende ermöglicht wurde – das 1:2 (62.) hatte sich der Keeper selbst ins Netz gelegt, danach traf zweimal Tim Kleindienst (84. und 85.). Doch dass sich schon zuvor der Auftritt der ganzen Mannschaft verändert hatte, war auch nicht zu übersehen gewesen. „Wir haben arrogant gespielt“, gab der Stürmer Deniz Undav zu.

Die Euphorie darf die Mannschaft nicht bremsen

Tatsächlich werden die Verlockungen ja nicht kleiner gegen Ende der Spielzeit. Noch beim Stand von 2:0 war die Europapokalteilnahme in der kommenden Saison auch rechnerisch geschafft, die Euphorie im Club ist abseits der vereinspolitischen Grabenkämpfe riesengroß und die Stimmung im Stadion dann immer schnell am Siedepunkt. „Die Fans freuen sich, das ist okay“, sagte Hoeneß, „aber wir dürfen uns nicht freuen, sondern müssen klar bleiben.“ Und so ein Spiel wie am Ostersonntag dann auch sicher mit einem Sieg ins Ziel bringen.

Zwar meinte der Coach einerseits, er wolle seiner jungen Mannschaft solche Fehler wie am Ostersonntag durchaus zugestehen. Andererseits will beim VfB niemand die große Chance verspielen, am Saisonende die Qualifikation für die Champions League zu schaffen. Also fügte Hoeneß seiner Mahnung ein Lob an.

Für die ersten rund 60 Minuten der Partie, nach denen die Stuttgarter durch die Treffer von Serhou Guirassy (41.) und Angelo Stiller (53.) mit 2:0 führten. Und vor allem dafür, dass am Ende der Nachspielzeit noch der Ausgleich durch Deniz Undav gelang. Ebendieser Treffer, meinte der VfB-Coach, sei „enorm wichtig für die Moral, aber auch für die Tabelle“.

Durch den einen noch geretteten Punkt gegen den FCH rangiert der VfB nämlich als Tabellendritter vier Zähler vor dem BVB und sieben vor RB Leipzig. Bedeutet: Mit einem beziehungsweise zwei Siegen können die Kontrahenten nicht schnurstracks mit dem VfB gleichziehen oder die Stuttgarter gar überholen. Da braucht es schon mehr an den restlichen sieben Spieltagen, die es für den VfB allerdings auch in sich haben.

Kniffliges Restprogramm für den VfB

In Dortmund, in Leverkusen, gegen die Bayern – drei der Top Vier der aktuellen Tabelle haben die Stuttgarter noch als Gegner. Dazu auch die zuletzt meist überzeugenden Teams aus Frankfurt und Augsburg. Da tut es gut zu wissen, dass – wenn auch noch nicht rechnerisch – die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb in der kommenden Saison im Grunde gesichert ist.

21 Punkte und 28 Tore beträgt der Vorsprung der Stuttgarter auf den FC Augsburg auf Rang sieben, der sogar auch noch für eine Europatour reichen würde, sollte Bayer Leverkusen wie erwartet den Pokal gewinnen. Platz fünf könnte in dieser Saison zudem für die Champions League berechtigen, doch will man beim VfB lieber auf Nummer sicher gehen und mindestens Platz vier erreichen.

„Wir haben die Chance, dort tabellarisch eine gute Situation zu kreieren“, sagte also Hoeneß mit Blick auf die Partie in Dortmund – und schob, wie auch der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, das Päckchen mit dem womöglich größeren Druck ins Ruhrgebiet. Dass Waldemar Anton wegen seiner fünften Gelben Karte fehlen wird, macht die Sache allerdings nicht einfacher. Auch die Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou und Anthony Rouault sind ja weiterhin nicht dabei.

Das Abwehrpuzzle zu lösen wird „unsere Challenge“, meinte Hoeneß – zum Start eines Saisonendspurts im April und Mai, der auch sonst eine Herausforderung ist. Fußballerisch und emotional.