Der Vereinsvorsitzende Jürgen Frank zeigt ein Foto vom Vorbild der Anlage. Foto: Peter Stotz - Peter Stotz

Eine der berühmtesten Eisenbahnstrecken der Alpen ist in Ostfildern zu bestaunen. Nachgebaut hat sie die Modelleisenbahn-Gruppe Ostfildern.

OstfildernDer Weg in die große Welt des kleinen Maßstabs führt über eine Rampe ins Untergeschoss eines Gewerbebaus in Nellingen. Dort hat die Modelleisenbahn-Gruppe Ostfildern (Mego) im Jahr 2015 ihre Heimat gefunden. Über drei Räume erstreckt sich dort die Anlage der Gruppe, die eine der berühmtesten Eisenbahnstrecken Europas detailgetreu nachbildet.

Die 25 Vereinsmitglieder, darunter ein harter Kern von fünf Modellbahnern, bauen dabei auf 140 Quadratmetern und mit rund 450 Metern Gleisstrecke den als Weltkulturerbe ausgezeichneten Streckenabschnitt der Albula-Linie der Rhätischen Bahn im Schweizer Kanton Graubünden einschließlich des Landwasserviadukts nach.

Hohe Berge türmen sich auf, entlang von Felsabstürzen und steilen Hängen, durch dichte Wälder und Almwiesen schlängeln sich die Gleise. Viadukte überspannen schroffe Schluchten, immer wieder verschwindet die Trasse in einem Tunnel, um erheblich weiter oben wieder aus dem Berg zu treten. Höhenunterschiede werden mit Kreiskehren und Wendeln im Berg überwunden, Türöffnungen mit kühnen Konstruktionen überbrückt, Tunnelröhren führen durch die Wand in den nächsten Raum zu einem Bahnhof, der bis in die Details der Farbe von Wartebänken oder der Plakate dem Original entspricht.

„Man muss schon ein wenig verrückt sein, wenn man so etwas macht. Es ist aufwendig und man benötigt Zeit und Geduld. Aber die Freude, wenn dann tatsächlich ein Zug durch die Landschaft fährt, ist umso größer“, erzählt Jürgen Frank, der Vorsitzende der Mego.

Seit seiner Gründung im Jahr 1992, damals als Freizeitgruppe im Treffpunkt Kemnat, pflegt der Verein den Eisenbahn-Modellbau. Fasziniert von der alpinen Landschaft und der Ingenieurskunst bei der Streckenführung sollte die Anlage „den Betrachtern die Illusion vermitteln, das große Vorbild wirklichkeitsnah zu erleben“, sagt Frank. Dazu waren einige Reisen in die Schweiz nötig, bei denen fotografiert, gezeichnet und vermessen wurde, um hohe Detailtreue zu erreichen. Die Anlage ist im Maßstab 1:87 gebaut, und da das Original als Schmalspurbahn mit einem Meter Spurweite angelegt ist, wird der Maßstab HOm genannt.

Ihre Begeisterung trug den Mitgliedern viel Lob und Anerkennung ein. Die Mego wurde bereits eingeladen, ihre Anlage bei der Leitmesse IMA einem internationalen Publikum zu präsentieren, wurde in Fachzeitschriften porträtiert und lockte Besucher aus ganz Europa nach Ostfildern. „Da hat die Stadt also durchaus zumindest einen ideellen Mehrwert erhalten“, ist Frank überzeugt. Zudem haben Vereinsmitglieder immer wieder gut besuchte Volkshochschulkurse für Modellbau und Elektronik angeboten.

Doch es gab auch Rückschläge für den Verein. So zog der Verein mit seiner Anlage aus Platzgründen zunächst in ein Gebäude der Nellingen Barracks im Scharnhauser Park um, 2001 dann in den Keller der Schillerschule in Ruit. Dort haben Vereinsmitglieder einmal pro Woche die Nachmittagsbetreuung für die Schüler übernommen und parallel eine Jugendgruppe im Verein mit einer eigenen Anlage aufgebaut. „Das war sehr anspruchsvoll, aber wir hatten dabei die Zukunft des Vereins im Blick und wir haben viele Fans für den Modellbau gewonnen“, sagt Frank. Nach dem Beschluss des Abrisses der Schillerschule stand der Verein 2015 ohne Räume da „und damit vor dem Ende. Die Jugendgruppe musste aufgelöst werden, und von der Stadt kam nur wenig Unterstützung“, erzählt Frank.

Das Entgegenkommen des Hauseigentümers in Nellingen sicherte schließlich das Überleben des Vereins. Derzeit konzentrieren sich die Mitglieder darauf, die Anlage soweit wieder aufzubauen, dass ein originalgerechter Fahrbetrieb stattfinden kann. Bei Tagen der offenen Tür am 8. Dezember und 26. Januar wollen die Modellbahner die Anlage dann präsentieren.

„Wir hoffen natürlich auch, dass wieder mehr Leute auf uns aufmerksam werden und auch wieder Jüngere zu uns stoßen“, sagt Frank. Wie sehr viele Vereine spüre auch die Mego eine nachlassende Bereitschaft der jüngeren Generation sich zu binden. „Dabei ist der Modellbau ein Hobby, das die Generationen verbindet“, sagt der Vorsitzende. Dies betreffe nicht nur die Liebe zur Eisenbahn und zur filigranen Arbeit am Detail. „Da kann jeder etwas für sich finden. Wir arbeiten auch mit viel Elektronik. Die gesamte Anlage wird von einem recht komplexen Computerprogramm gesteuert. Das ist gerade auch für jüngere Leute eine spannende Sache, daran weiter zu arbeiten“, ist sich Frank sicher. Sobald die Anlage fahrbereit sei, wolle der Verein wieder aktiv um Mitstreiter für den Modellbau werben. „Es gibt den Spaß am Nachbau, und wenn dann ein Zug durchfährt, geht ein Traum in Erfüllung. Das macht dann auch stolz“, sagt Jürgen Frank.

Infos unter www.mego-online.de

Infos unter www.mego-online.de

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