Torsten Sträter verrät im Interview, wie man die Show „LOL: Last One Laughing“ gewinnt, ob Comedians besonders anfällig für Depressionen sind – und was er von Otto Waalkes und Wolfgang Grupp hält.
Torsten Sträter tritt bei der fünften Staffel von „LOL: Last One Laughing“ bei Amazon Prime unter anderem gegen Otto Waalkes, Elyas M’Barek oder Ina Müller an und versucht, die anderen zum Lachen zu bringen, ohne selbst eine Miene zu verziehen.
Herr Sträter, Sie haben die erste Staffel von „LOL“ gewonnen. Ihr Trick?
Es ist alles eine Frage der Selbstbeherrschung. Ich wollte die erste Staffel unbedingt gewinnen und wurde dann zum Meister des Verkrampfens. Das ist ein ganz mechanischer Effekt, den man anwenden muss. Man zieht sich zurück und blendet alles aus. Das macht keinen Spaß. Als Fernsehzuschauer merkt man das zum Glück nicht.
Man ahnte schon, wie sehr Teddy Sie gequält hat.
Es war ein Skandal, was er da gemacht hat.
Was war so schlimm?
Umso bescheuerter es ist, desto besser funktioniert es, wenn man jemand zum Lachen bringen will. Das ist die Teddy-Teclebrhan-Masterclass. Alles, was komplett bescheuert und absurd ist und aus dem Nichts kommt, funktioniert am besten. Das hat eigentlich jede Staffel gezeigt.
Sind Sie mit so einer Strategie in die fünfte Staffel gegangen?
Ja, ich habe mich intensiv auf jemanden eingeschossen, den ich für ein Reh im Scheinwerferlicht gehalten habe, weil ich mir dachte: Okay, wenn ich da die richtigen Knöpfe drücke, könnte es funktionieren. Ich habe den exzessiv mit Material zugeknallt, das muss ich zugeben. Ich wollte nicht so passiv sein wie in Staffel eins. In meiner Wahrnehmung bin ich da nur wie gelähmt in der Ecke herumgestanden.
„LOL“: die erste Episode der fünften Staffel frei verfügbar
In der neuen Staffel bekommen Sie es nun auch mit Otto zu tun.
Als ich gehört, habe, dass Otto dabei ist, habe ich schon gedacht: Oh, Gott, Otto, das hältste nicht durch! Otto! Der ist Weltkulturerbe! Über den lachst du seit einem halben Jahrhundert. Wie kriegst du diesen Mechanismus, der tief in dir drin ist, abgeschaltet?
Und wer müsste unbedingt auch mal bei „LOL“ mitmachen?
Ich bin ein großer Freund der alten Garde. Ich glaube, Jürgen von der Lippe würde alle kaputt machen. Und ich hätte großen Spaß, da Dieter Hallervorden oder Johann König zu sehen. Aber auf mich hört ja keiner.
Wolfgang Grupp, den Chef von Trigema, würden Sie dagegen wohl eher nicht als einen „LOL“-Kandidaten empfehlen. Es hat ja für Aufsehen gesorgt, dass Sie in Ihrem Podcast keine Werbung mehr für Trigema schalten wollten.
Erst mal ist mir wichtig, dass das nicht mein Podcast ist, der heißt „Sträter Bender Streberg“, wir machen den zu dritt. Ich selbst bin ein Fan der Firma Trigema, mir ist der Chef der Firma ziemlich wurscht im positiven Sinn, denn die Sachen sind alle von einer gewissen Güte, laufen nicht ein, sind auch für den Trockner geeignet, halten ewig und sind dafür preislich noch in Ordnung. Deswegen mag ich Trigema ganz gerne – trotz des albernen Affen.
Aber weil Grupp sich abfällig über Geflüchtete aus der Ukraine geäußert hatte, wollten Sie nicht mehr für Trigema werben. Daraufhin gab es einen skurrilen Videocall mit Wolfgang Grupp.
Das fand ich schon ziemlich außergewöhnlich, dass so ein kleiner, unbedeutender Podcast so viel Aufmerksamkeit bekommt. Wir machen diesen Film-Podcast jetzt seit zehn Jahren für ein paar 1000 Leute. Und dann saß ich da plötzlich Wolfgang Grupp beim Videocall gegenüber, hatte schon ein Sakko, aber noch eine komische Schlafhose an. Ich hab mal pointiert gesagt, dass ich keine Hose angehabt hätte, was nicht ganz stimmt. Jedenfalls gab es dann einen riesigen Shitstorm, den ich aber nicht wirklich mitgekriegt habe, weil ich außer Twitter keine viralen Medien nutze. Mich hat dann aber auch keiner nach meiner Meinung gefragt.
Und was ist Ihre Meinung?
Wolfgang Grupp ist bestimmt ein feiner Unternehmer. Ich muss aber keine seiner Aussagen auch nur im Geringsten teilen. Es ging auch nur darum, dass wir sagen, wir machen den einen Werbeblock nicht, der noch gekommen wäre. Grupps Tochter war sehr verständnisvoll. Und der Grupp ist halt der Grupp. Ich kenne ihn aber auch nur von diesem Zoom-Call persönlich. Der war nach zehn Minuten vorbei. Aber wenn man es dann pointiert erzählt, so wie ich es getan habe, dann ist man auch selbst schuld, wenn’s Ärger gibt. „Gehen Sie doch in die Psychiatrie, Sie depressive Sau!“ So was kam dann. Und ich dachte nur: Okay, Deutschland regt sich auf.
Für ein Gespräch, das Sie mit Kurt Krömer in der Sendung „Chez Krömer“ auch über Ihre eigene depressive Erkrankung geführt haben, wurden Sie mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Sind Komiker besonders anfällig für Depressionen?
Das ist eine interessante, aber nicht originelle Frage. Man muss sich anschauen, woher kommen die Depressionen? Kommen sie Seite an Seite mit einem Burn-out daher? Oder hat es irgendwas mit chemischen Botenstoffen zu tun? Oder mit Traumata? Oder mit was weiß ich? Vielleicht müsste man das mal Krankenpfleger, Nachtschwestern, Feuerwehrleute oder Polizisten fragen? Ich glaube nicht, dass wir Komiker, schon weil wir gar nicht so viele sind, überdurchschnittlich häufig betroffen sind. Auch wenn das ein griffiges Bild ist vom traurigen Clown. Aber das ist Kokolores. Eine Depression ist eine ernst zu nehmende, potenziell letale Krankheit, die sich durch alle Bevölkerungsschichten zieht. Das macht die Depression ja so creepy.
Kann man Depressionen heute gut behandeln?
Mittlerweile ja. Jedes Jahrzehnt machen wir noch größere Fortschritte als im Jahrzehnt davor. Und da passiert schon ganz viel. Man muss nicht mehr sein ganzes Leben lang darauf warten, dass das wieder und wieder kommt. Die Sache ist nur, dass Menschen, die Depressionen haben, oft die Kurve nicht kriegen, sich behandeln zu lassen. Und das Gesundheitssystem tut ein Übriges: Mal schön vier Monate auf einen Termin warten zu müssen ist nicht wirklich sehr hilfreich bei schweren Depressionen. Und dann geht’s natürlich ab in die Klinik, die einen beunruhigenden Ruf hat – wie Arkham Asylum oder so. Und deswegen brauchen wir mehr von allem: mehr Prävention, mehr Therapeuten, mehr Termine, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr. Denn die Menschen mit Depressionen werden nicht weniger.
Vielleicht eine etwas weniger ernsthafte Frage zum Abschluss: Wie viele Mützen besitzen Sie eigentlich?
Das frage ich mich auch. Ich glaube, 70 oder so, damit ich immer saubere zur Auswahl habe. Die zirkulieren eigentlich ständig, und es kann gut sein, dass ich seit zwei Jahren immer die gleichen Mützen wasche und immer die gleichen schmutzigen trage. Aber ich gelobe, dass ich nachher erst mal auf der Trigema-Seite gucke, ob die welche haben.
Torsten Sträter und die Show „LOL: Last One Laughing“
Person
Torsten Sträter (57) stammt aus Dortmund und ist Slam-Poet, Comedian und Buchautor. Seine depressive Erkrankung hat er immer wieder in seinen Texten und Programmen thematisiert.
Show
Sträter war 2021 Sieger der ersten Staffel von „LOL: Last On Laughing“. Bei der Show gewinnt, wer zuletzt lacht. Die fünfte Staffel startet am Donnerstag, 28. März, bei Prime Video. Wöchentlich werden zwei neue Episoden veröffentlicht. Neben Sträter nehmen unter anderen Elyas M’Barek, Ina Müller, Otto Waalkes, Hazel Brugger, Ralf Schmitz und Olaf Schubert teil. Moderator ist Michael Bully Herbig.