Quelle: Unbekannt

Lightpainting – Malen mit Licht? Nun, es ist eine fotografische Technik mit Langzeitbelichtung. Im dunklen Raum werden mittels Bewegen von bunten Lichtquellen bemerkenswerte Effekte erzielt. Bei einem Workshop in der Kemnater Kirche wurde es ausprobiert.

OstfildernNormalerweise geht man zum Beten in die Kirche. Pfarrer Thomas Ebinger öffnete die Kemnater Bartholomäuskirche für eine besondere Aktion. Gemeinsam mit Joachim Mell, Gewinner des Fotowettbewerbs Flammende Sterne 2019, führte er einen Lightpainting-Workshop durch. Einfach ausgedrückt: Malen mit Licht. Dabei handelt es sich um eine fotografische Technik mit Langzeitbelichtung, wobei im dunklen Raum mittels Bewegen von bunten Lichtquellen bemerkenswerte Effekte erzielt werden – sofern man Erfahrung hat, wie Bettina Bürkle feststellte. Die Künstlerin aus Ostfildern war eine von sechs Teilnehmern und wollte, genau wie die anderen etwas ausprobieren. Mit Kamera und Stativ ausgerüstet traf man sich im stimmungsvollen Kirchenraum, der in der winterlichen Dunkelheit eine besonders mystische Ausstrahlung hat, wie Thomas Ebinger betonte. Der Pfarrer bietet immer wieder spezielle Workshops für Konfirmandeneltern an – Handlettering, um die Einladungskarten fürs Fest selbst zu gestalten oder Porträtfotografie.

Nun also Lightpainting, ein Gebiet auf dem er selbst schon beachtliche Erfolge erzielt hat, was man auf seinem „Ebiblog“ verfolgen kann. Einzige Voraussetzung für das anspruchsvolle Hobby ist eine Spiegelreflexkamera – in Zeiten von Handyfotografie keine Selbstverständlichkeit.

Joachim Mell ist ein Meister auf dem Gebiet. Bereits mit 16 Jahren begann er, analog zu fotografieren, hängte die Freizeitbeschäftigung dann an den Nagel und fing 2010 mit der Digitalfotografie wieder an. „Häuser und Tiere – kann man machen. Ich wollte Einfluss nehmen auf das, was im Bild zu sehen ist“, so der Mann, der im Brotberuf Akustiker bei Daimler ist. Seine schönsten Beispiele sind auf Insta-gram zu besichtigen. Dort findet man auch Mells Aussage bestätigt: „Ich mag’s gerne bunt.“ Er führte die Teilnehmer in die Technik ein, stellte gleich zu Beginn klar: „Ich bin hier nicht der Vorturner.“ Jeder sollte selbst aktiv werden. Ein Angebot, das alle mit Begeisterung annahmen. Die einen malten, die anderen knipsten. Noch bei Licht wurde das Stativ in Position gebracht und die Kamera entsprechend eingestellt, wobei das Zusammenspiel von ISO-Wert, Blende und Belichtungszeit entscheidend ist für das Ergebnis. Das Licht ging aus und den Kirchenraum hüllte eine diffuse Dunkelheit ein. Die nächsten 90 Minuten wurden nach dem Prinzip genutzt: learning by doing.

Voraussetzung für Lightpainting ist das Lichtmalwerkzeug. Thomas Ebinger hatte kistenweise Material für den Workshop mitgebracht: Lichtbänder, Kugeln, Farbwechsel-LEDs und Taschenlampen mit dem sich auf den Fotos verblüffende Effekte zaubern lassen, wenn man sie richtig einsetzt. Wenn nicht, sieht man lediglich verwaschene, verschwommene Farbfelder. „Die Schwelle zum Kindergeburtstag ist gering“, bemerkt Ebinger lakonisch und Mell ergänzt: „Es funktioniert nicht alles.“

Außer um Lichtmalerei ging es auch darum, den Kirchenraum zu erkunden und sich mit der Kirche zu beschäftigen. Der Pfarrer hatte einige Vorschläge parat. Der Altar, der Taufstein, die Osterkerze, die Orgel, die Kirchentür oder die Altarbibel konnten entsprechend in Szene gesetzt werden. Ein Team unter Anleitung des Pfarrers experimentiert mit der Altarbibel und mit den glänzenden Orgelpfeifen. Die zweite Gruppe, mit Mell, nahm sich den Taufstein vor. Bei der Gelegenheit verriet der Experte sein wichtigstes Requisit: Klebeband. Damit kann man zu helle Lampen bestens abdunkeln. Das Bibel-Team versuchte es mit der Hand, um die Lichtquelle hinter den Seiten zu mäßigen und eine geheimnisvolle Schrift zu erzielen, mit bunten Farblinien als Rahmen. Auf den Bildern der Taufstein-Fotografen quoll wie aus der Unterwelt orangeroter Nebel aus dem Becken, als ob es darin brodelt und die Farbschwaden überkochen. Erzielt wurde der Effekt mit einem Leuchtschlauch, der bewegt wurde. Waren die Fotografen überzeugt, wurde nicht mit Lob gespart: „Das ist raffiniert“ oder „da kann man geniale Bilder machen.“

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