Gwen Dolyn mit Die Tränen am Samstagabend im Stuttgarter Merlin Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Gwen Dolyn ist das Postergirl der Neuen Neuen Deutschen Welle. Mit Steffen Israel von Kraftklub und der Band Die Tränen begeistert sie am Samstagabend in Stuttgart im Merlin.

Gwen Dolyn wedelt mit einem Polaroidfoto herum, das gerade ein Fan von der Band gemacht hat. Dazu singt sie ein paar Zeilen aus dem Lied „Ms. Jackson“. Was das soll? Nun, es hilft vielleicht zu wissen, dass der Song von OutKast ist, um dem Gedankensprung der Sängerin der Tränen folgen zu können. „Hey Ya!“, ein anderer Outkast-Song, erfand nämlich einst mit dem Slogan „Shake it like a polaroid picture“ einen Tanzmove.

Willkommen in der postmodernen Pop-Verweishölle, in der sich Die Tränen bei ihrer Show am Samstagabend immer wieder wunderbar vergnügen. Und mit ihnen das Publikum im ausverkauften Merlin. Live verstärkt von Bass und Schlagzeug liefern Gwen Dolyn und Kraftklub-Gitarrist Steffen Israel, die Die Tränen sind, dort eine tolle Show ab.

Zwischen Wir sind Helden und Mia

Bei jedem Lied, das sie in knapp anderthalb Stunden spielen, tut sich unter dem Deckmantel Neue Neue Deutsche Welle ein Assoziationskosmos auf. Die meisten Songs vom Tränen-Debüt „Haare eines Hundes“ bringen NDW, Indie, Punk und Pop durcheinander, sind grandios zackige Tanznummern mit knuffigen Beats und Mitsingrefrains, Songs wie „Mitten ins Gesicht“, mit dem das Konzert beginnt, oder der Hit „Stures dummes Herz“, der vor den Zugaben dran ist.

Im Programm haben die Tränen am Samstag im Merlin neben ein paar Stücken von Gwen Dolyns Soloprojekt auch einige Songs, die das musikalische Koordinatensystem der Band offenbaren. Da gibt es Platz für ein Cover der Wheatus-Nummer „Teenage Dirtbag“, für „Denkmal“ von Wir sind Helden, für „Hungriges Herz“ von Mia – und sogar für die störrische Deutschpunk-Rarität „Duell der Letzten“ der Stuttgarter Band Chaos Z, die bei den Tränen nervös-kunterbunt flackernd zu leuchten beginnt.