Jahrelang ein Duo: Michael Schumacher und RTL-Reporter Kai Ebel Foto: dpa/Gero Breloer

Dass der Sender RTL im Wettbieten um die Fernsehrechte nicht mehr mitmacht, ist nachvollziehbar.

Stuttgart - In der Corona-Krise wird kaum eine Sportart so durcheinandergewirbelt wie die Formel 1. Die Zukunft von Sebastian Vettel ist noch ungeklärt, Lewis Hamilton dachte schon darüber nach, ob er überhaupt noch Lust hat auf seinen Job im Cockpit – und jetzt steigt ab 2021 auch noch der seit 30 Jahren die Serie übertragende Fernsehsender RTL aus. Da werden die Karten möglicherweise tatsächlich neu gemischt.

Im Zuge der Corona-Pandemie ist ohnehin in allerlei Bereichen davon die Rede, dass jede Krise die Chance für einen Neuanfang birgt. Für die deutschen Formel-1-Konsumenten bedeutet dieser Neuanfang, dass sie künftig wohl für die Rennen im Fernsehen bezahlen müssen. Ihre Fan-Kollegen aus dem Fußball wissen längst wie das geht und was es kostet. Dem Kölner Privatsender RTL gebührt indes höchster Respekt, im Wettbieten um die Übertragungsrechte nicht mehr mitzumachen. Weil die Schraube überdreht ist und der Millionenpoker Sphären erreicht hat, die mit normalem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbar sind. Insofern ist der Schritt des Senders richtig.

Kein gutes Produkt

Fraglich ist ohnehin, wie gut und wertvoll das Produkt Formel 1 heute überhaupt noch ist. Seit sechs Jahren gewinnt nur Mercedes die Weltmeisterschaften bei Fahrern und Konstrukteuren, und fast ausschließlich die drei Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull schaffen es aufs Podest. Spannung sieht anders aus. Die Formel 1 sollte sich in ihren Strukturen neu erfinden und endlich wieder einen Wettkampf liefern, der diesen Namen auch verträgt. Dann ist die Show – auch im Bezahlfernsehen – mehr wert als jetzt.

dominik.ignee@stzn.de

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