Foto: Michael Steinert/Michael Steine - Michael Steinert/Michael Steinert

Wer mit einer verblassten Plakette am Fahrzeug erwischt wird, muss eigentlich ein Bußgeld von 80 Euro bezahlen. Die Stuttgarter Ordnungsbehörden zeigen sich beim ersten Mal aber kulant.

StuttgartZehn Jahre ist das Auto der Familie Fontanello (Name geändert) alt. Der Astra tut gut Dienste und darf aufgrund seiner Schadstoffklasse – ein Benziner mit Grüner Plakette – uneingeschränkt in Stuttgart fahren, so auch dieser Tage, als Felicitas Fontanello in die Innenstadt fuhr, um auf Einkaufstour zu gehen. Aus alter Gewohnheit stellte sie ihren Wagen im Bereich der Mörikestraße ab, löste einen Parkschein, merkte sich dessen Geltungsdauer und zog los. Als sie rechtzeitig zu ihrem Wagen zurückkehrte, erschrak sie: Am Scheibenwischer steckte dennoch ein Strafzettel. Der Grund: Der mit Filzstift vorgenommene Eintrag des Fahrzeugkennzeichens im weißen Schreibfeld der Grünen Plakette war verblasst. 80 Euro plus Gebühren kostet das. Doch die 77-Jährige erinnerte sich an eine Meldung, dass dieser Verstoß beim ersten Mal nicht mit einem Bußgeld belegt werden soll. So hieß es nach Einführung der Plakettenpflicht seitens der Stadt. Das sei die sogenannte Stuttgarter Lösung für das Problem, heißt es von der Stadt. „Diese Regelung gilt nach wie vor“, betont Pressesprecherin Jasmin Bühler.

Darauf will sich die Familie Fontanello nun berufen und einen Widerspruch gegen den Strafzettel formulieren, den sie erhalten hat. „Ich wusste gar nicht, dass das ein Verstoß ist“, fügt die 77-jährige Astra-Besitzerin hinzu. Das ist jedoch eindeutig geklärt: Die Schrift im weißen Feld muss klar und gut lesbar sein. Laut Bundesimmissionsschutzverordnung müssen Mitarbeiter der Zulassungsstelle daher einen lichtechten Stift verwenden, wenn sie das Kennzeichen eintragen. Wenn die Schrift verblasst, etwa weil das Auto häufig der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, ist der Fahrzeughalter dafür zuständig, sie im Falle des Verblassens zu erneuern. Bei der Zulassungsstelle bekommt man sie kostenfrei umgetauscht. Das ist – wie die Amnestie beim ersten Verstoß – Teil der besagten Stuttgarter Lösung, die seit 2013 gilt. Dazu muss die Plakette von der Zulassungsstelle oder einem Bürgerbüro ausgestellt sein – zu erkennen ist das an einem eingeprägten Stadtwappen. Wer seine Plakette bei Tüv, Dekra oder einer anderen Prüforganisation geholt hat, muss dort für die Ersatzplakette eine Gebühr bezahlen.

Das Bußgeld beträgt 80 Euro. Es wird fällig, wenn man zum zweiten Mal mit blasser Plakette erwischt wird.

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