Die Jugendbühne serviert ein munteres, lustiges Spiel. Foto: Diana Birk - Diana Birk

Mit ihrem Stück „Halbpension mit Leiche“ hat die Jugendbühne Ostfildern das Publikum begeistert. Die Pointen sowie das schauspielerische und komödiantische Timing saßen.

OstfildernAuf der Bühne des Zentrums Zinsholz in Ruit ist der samtene, rote Vorhang noch geschlossen, fünf schwarze Stühle stehen davor sowie eine Pflanze in einem goldenen Topf. Sechs Schauspieler der Jugendbühne Ostfildern laufen durch das Publikum auf die Bühne und nehmen auf den Stühlen Platz. Als Therapiegruppe stellen sich die einzelnen Charaktere vor. Ihre Therapeutin Frau Dr. Hufenreuther (Luisa Lörz) macht sich währenddessen Notizen. So unterschiedlich die Teilnehmer auch erscheinen mögen, haben sie doch eines gemeinsam: Sie alle haben schon mal jemanden umgebracht. In der Therapie bekunden sie, wie lange sie jeweils schon mord-abstinent seien. Nun geht der Vorhang auf. Die Kulisse ist hell, freundlich und gespickt mit vielen liebevollen Details, die Szenerie ist eine gemütliche Pension. Die fünf schrägen Charaktere aus der Therapiegruppe haben sich nämlich dazu entschieden, gemeinsam eine Pension namens „Fünf im Glück“ zu eröffnen. Das Problem: Jeder der Charaktere hat einen ganz bestimmten Trigger, der starke Mordgelüste auslöst.

Pretty ist Russin (Johanna Steidle). Sie spricht mit starkem Akzent, ist gnadenlos aufgetakelt und flirtet sowohl mit dem Publikum als auch mit den anderen männlichen Charakteren auf der Bühne. Sie managt die Bar der Pension, reagiert jedoch allergisch auf Betrunkene. Tantchen (Paula Heilemann) ist die gute Seele der ungleichen Gruppe. Mit ihren grauen Haaren und einem sehr altmodischen, langen Kleid versprüht sie die Wärme einer Großmutter und kümmert sich liebevoll um die Pensionsgäste. Doch wehe, jemand ist in ihrer Nähe traurig und weint. Der Küchenchef Horst (Alexander Hoffmann) hat eine Vorliebe für große Messer. Die Farbe rot entlockt ihm ein tiefes, bedrohliches Knurren und kocht seine Wut hoch. Die tierliebe Esoterikerin Jaya sorgt stets für positive Energien und gibt sehr gerne Massagen. Wehe jedoch jemand zerdrückt vor ihren Augen eine Spinne. Der Fünfte im Bunde ist der neurotische Putzfanatiker Ingolf (Nils Haumesser), der sich um die Sauberkeit der Pension kümmert. Dreck und Bakterien lassen ihn vor Wut zusammenzucken. Ziel der fünf ungleichen Pensionsleiter ist es, die strenge Prüferin des Hotelverbandes Frau Aufderhöhe (Emily Kittel) zu überzeugen und fünf Sterne zu erhalten. Jedoch taucht Therapeutin Hufenreuther mit ihrem Mann in der Pension auf. Sie verfolgt ihr ganz eigenes Ziel, mit dem sie den fünf ehemaligen Mördern ständig in die Quere kommt.

Alle haben einen Knacks

Geschrieben wurde das Stück von der Autorengruppe „Die Acht“, bestehend aus vier Autorinnen und vier Autoren. Laut Regisseur Torsten Hoffmann entstand „Halbpension mit Leiche“ in nur acht Tagen. Hoffmann ist selbst Schauspieler und Synchronsprecher und hat seit April 2019 mit der Jugendbühne Ostfildern an der Inszenierung des Stücks gearbeitet.

Als die Geschichte in dem Stück sich zuspitzt, wird schnell klar: Nicht nur die fünf, die in Therapie sind, haben einen Knacks. Frau Dr. Hufenreuther spinnt weiter ihre Intrigen, begleitet mit einem lauten, hohen und hysterischen Lachen. Ihr Mann, ein liebenswerter Kerl, sprüht nur so vor Naivität und die Hotelprüferin Aufderhöhe hat den Tick, einige ihrer eben gesprochenen Wörter nochmals fluchend vor sich hin zu flüstern.

Sowohl das Schauspiel als auch die Regiearbeit und die Kulisse versprachen von Anfang an ein lustiges und abwechslungsreiches Bühnenspektakel. Ein Versprechen, das gehalten wurde. Die Jugendbühne hat das Publikum zwischen den Lachern kaum atmen lassen. Nicht nur die Pointen, auch das schauspielerische und komödiantische Timing waren stets auf den Punkt gebracht. Moderne, witzige Insider aus der Online-Welt oder aus dem Fernsehen durften natürlich nicht fehlen. Mit Gesangs- und Tanzeinlagen und mit Slow-Motion-Sequenzen wie aus Hollywoodfilmen zeigten die Schauspieler ihre Vielfalt. Jeder Charakter war passend besetzt, und jeder Schauspieler konnte in seiner Rolle brillieren. Stimmen aus dem Publikum brachten die Leistung des Regisseurs und der Theatergruppe auf den Punkt: Einfach großartig und unglaublich lustig.

Die nächste Vorstellung im Zentrum Zinsholz Ruit, für die es noch Karten gibt, beginnt am Sonntag, 1. Dezember, um 17 Uhr. Tickets können per E-Mail an karten@jubo.info bestellt werden.

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