Der Wettbewerb „Jugend musiziert“ führt manchmal in unbekannte Welten. Zum Beispiel, wenn zwei Mädchen im Teenie-Alter sich an die Kategorie „Duo Kunstlied“ wagen. Was ist ihre Motivation?
Elke Seeber-Michelberger ist ziemlich stolz auf ihre beiden Schülerinnen, die kürzlich beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ dabei waren. Pauline Geiger, 12, und Katharina Berghoff-Flüel, 14 Jahre alt, traten in der Kategorie „Duo Kunstlied“ an. Die gibt es nur alle drei Jahre und sie wird von Schülerinnen in diesem Alter eher selten gewählt. Aber die Klavier- und Gesangslehrerin konnte die beiden für die klassische Domäne gewinnen.
Pauline ist aus Wendlingen und Klavierschülerin in Seeber-Michelbergers privater Musikschule in Wernau, Katharina hat bei ihr Gesangsunterricht in der Musikschule Waldenbuch. Die beiden Mädchen wohnen also recht weit voneinander entfernt, weshalb sieben gemeinsame Proben vor dem Wettbewerb reichen mussten. Und das bei Stücken von Purcell, Mozart oder Brahms, die weder einfach sind noch dem Musikgeschmack von Teenagern entsprechen.
Auch Pauline und Katharina hören eher aktuelle Hits, Pop, Rock oder Indie-Musik. Trotzdem seien einige der Lieder für den Wettbewerb „voll schön“ gewesen, findet Pauline, der besonders Brahms‘ „Juchhe“, eine Hymne auf die Natur, gefallen hat. Gut, dass ihre Klavierlehrerin „kein Liebesgeschnulz“ ausgesucht habe, sagt sie. „Ich fand die Stücke anspruchsvoll, aber sie haben mir auch ziemlich viel Spaß gemacht“, sagt Sängerin Katharina.
Duo mit großem Potenzial
Für Pauline war es die erste Bühnenerfahrung und das erste Mal, dass sie jemanden mit dem Klavier begleitet hat. Das sei anspruchsvoll, „eine eigene Kunst“, wie Seeber-Michelberger erklärt. „Pauline kann das, weil sie schon sehr lange in einem Kinderchor singt“, ist sie überzeugt. Katharina war vor dem Wettbewerb schon einige Male aufgetreten, aber immer von Erwachsenen begleitet worden. Eine große Herausforderung also für beide, die sie bestens gemeistert haben. Das zeigt auch der erreichte erste Preis mit 22 Punkten: Er beinhaltet zwar keine Weiterleitung zum Landeswettbewerb, aber die Punktzahl zeige, dass die Jury das Potenzial der beiden gesehen habe, meint Seeber-Michelberger. Das Wichtigste aus ihrer Sicht ist, wie die Schülerinnen an so einem Wettbewerb wachsen: „Das ist ein ganz wertvoller Reifeprozess.“
Musiklehrerin plant Studiokonzert
Pauline hat beim Vorspiel erlebt, wie ihre zunächst große Aufregung zum Ende hin abnahm. Katharina hat die Anspannung ihrer Partnerin gespürt, musste damit umgehen und hat sich gefreut, dass am Ende alles gut ging. Die Musiklehrerin der beiden plant ein Studiokonzert, in dem die Mädchen einen Teil ihres Programms wiedergeben werden. Und sie hätte auch „nichts dagegen, wenn die beiden in drei Jahren nochmals zusammen antreten“, sagt Seeber-Michelberger.
Am 27. und 28. Januar fand in Göppingen der 61. Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ statt. Rund 340 Kinder und Jugendliche aus den Landkreisen Esslingen, Göppingen und Rems-Murr haben teilgenommen. Die Musikschulen im Kreis Esslingen haben zahlreiche Preisträger und Preisträgerinnen zu verzeichnen, mit oder ohne Weiterleitung zum Landeswettbewerb. Sie sind auf der Seite der jeweiligen Musikschule verzeichnet oder in der Jumu-App.