Der Höhepunkt des KSV Esslingen in diesem Jahr: Das Team schafft es, den Fluch des „ewigen Zweiten“ abzulegen und gewinnt die deutsche Judo-Meisterschaft. Foto:  

Der KSV Esslingen holt in diesem Jahr endlich den Titel. Die KSV-Judokas legen eine gute Vorrunde in der Judo-Bundesliga hin und bezwingen im Finalkampf Rekordmeister TSV Abensberg. Nach der Krönung zum deutschen Meister folgt der Rückzug aus der höchsten Klasse.

Es war bislang das erfolgreichste und bewegendste Ereignis der Vereinsgeschichte des KSV Esslingen. Denn in diesem Jahr passte bei den KSV-Judokämpfern vieles Zusammen. Kampf, Leidenschaft und eine kluge Taktik führten die Judokas zum ersten deutschen Meistertitel überhaupt. Wenige Wochen später der Paukenschlag: Weil Teamchef und Vater des Erfolgs Carsten Finkbeiner aus persönlichen sowie beruflichen Gründen sich nicht mehr in der Lage sah, die Aufgabe zu stemmen, und aufhörte, zog sich der KSV aus der Bundesliga zurück.

Als Zweiter in die Finalrunde

Es hatten sicherlich nicht alle nach der Vorrunde der Bundesliga süd daran geglaubt, dass diesmal der Titel möglich wäre. Denn die Esslinger zogen als Zweiter in die Finalrunde ein und verzeichneten – neben deutlichen Siegen – einige schwächere Kämpfe. So unterlag der KSV überraschend am 5. Kampftag mit 6:8 gegen den JSV Speyer und kam auch beim abschließenden Kampf der Vorrunde nicht über ein 7:7-Unentschieden gegen den TV Erlangen hinaus. Das Remis führte dazu, dass die Esslinger ihre Spitzenposition noch an den Konkurrenten TSV Abensberg verloren. Insgesamt waren jedoch in den einzelnen Kämpfen die Ambitionen und die Stärken der KSV-Judokas sichtbar. Denn bereits am zweiten Kampftag der Bundesliga-Saison wurde der Titelfavorit Abensberg mit 8:6 bezwungen. Vor allem KSV-Judoka Fabian Häßner sowie Francisco Garrigos überzeugten.

„Eine echte Sensation“

Pure Freude herrschte dann bei allen KSV-Generationen nach dem Gewinn der deutschen Judo-Meisterschaft Anfang Oktober, als die Esslinger in der Finalrunde einen Durchmarsch hinlegten und im letzten Kampf gegen – wie sollte es anders kommen – Abensberg erneut mit 8:6 den finalen Sieg schafften. Auch KSV-Ehrenpräsident Otto Tejkl, der seit 70 Jahren – sei es als Kämpfer, Trainer oder Vereinsvorsitzender – für den Verein tätig ist, ließ sich die Reise nach Bayern nicht entgehen und fieberte bis zum Schluss mit. „Eine lange Durststrecke liegt hinter uns als ewiger Zweiter und es war mein größter Wunsch, dass wir endlich deutscher Meister werden“, sagte Tejkl nach dem Triumph und ergänzte: „Die Abensberger haben 23 Mal den Meistertitel geholt und wenn man die mal bezwingen kann, dann ist das eine echte Sensation.“

Im Halbfinale hatten die KSV-Judokas gegen den Ersten der Nordgruppe KSC Asahi Spremberg souverän mit 12:2 gewonnen. Und im Finale gegen Abensberg lief für die Esslinger viel zusammen. Den nach dem zwischenzeitlich 5:5-Ausgleich der Abensberger im zweiten Durchgang, brachten drei Ipponsiege die Esslinger auf die Siegerstraße. KSV-Kämpfer Michael Korrel besiegte den Abensberger Falk Petersilka im vorletzten Duell des Wettkampfes und machte die 8:5-Führung klar, die schlussendlich zum Titelgewinn führte.

Verständnis für den Rücktritt von Finkbeiner

Einer, der immer an den Erfolg und die Meisterschaft geglaubt hatte und bei jedem Kampf mit Leidenschaft auf seinem Plastikstuhl an der Seite der Mattenlandschaft saß, mitfieberte und seine Kämpfer dauerhaft zu Höchstleistung antrieb, war Trainer Finkbeiner, der den „unbedingten Siegeswillen schon von Anfang an spürte“ und sichtlich erleichtert sowie in bester Stimmung seinen ersten Titel als KSV-Coach feierte.

Seit dem großen Erfolg ist die Gefühlslage in Esslingen jedoch betrübt und eine andere. Das liegt daran, dass sich Trainer sowie Teamchef Finkbeiner nach 25 Jahren zurückzog. „Mir blutet das Herz“, erklärte Finkbeiner Ende November und ergänzte: „Aber der Zeitaufwand ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden, gleichzeitig wurde auch meine berufliche Belastung immer höher und ich habe einen dreijährigen Sohn, für den ich auch Zeit haben möchte.“ Ein Paukenschlag war der Rückzug für den Verein, dessen Mitglieder jedoch Verständnis zeigten. „Intern und auch außerhalb herrschte anfangs erstaunen darüber, aber als dann die Mitglieder und der Verband die Gründe mitbekamen, also, dass es eben auch einfach keinen adäquaten Nachfolger für Finkbeiner geben kann, ist die Nachricht auf breites Verständnis gestoßen“, erzählt KSV-Vorstandsmitglied Harald Lupp rückblickend.

„Nicht das Ende von Judo in Esslingen“

Der KSV hat lange versucht, eine Lösung zu finden, aber weil es weit und breit niemanden gibt, der für Finkbeiner übernehmen könnte, sahen die Esslinger Verantwortlichen keinen anderen Weg, als das Kapitel Bundesliga zu beenden. Lupp betonte jedoch, dass „das bei Weitem nicht das Ende von Judo in Esslingen ist“.

Wie geht es nun weiter? „Wir werden uns künftig auf die Jugendarbeit konzentrieren und werden die Entwicklung der zweiten Männermannschaft antreiben“, erklärt Lupp. Das Team kämpft derzeit in der Baden-Württembergliga und soll bestenfalls schon im kommenden Jahr in die nächsthöhere Klasse – die 2. Bundesliga – aufsteigen.