Voller Einsatz: KSV-Judoka Schamil Dzavbatyrov (links) im Vorrundenkampf gegen den Abensberger Marcus Nyman. Foto: /Herbert Rudel

Die Judokas des KSV Esslingen reisen als Zweitplatzierter der Bundesliga Süd zur Finalrunde nach Abensberg. Im Halbfinale wartet der KSC Asahi Spremberg.

Meistens überblickt er ruhig sitzend in seinem Plastikstuhl das Geschehen auf der Wettkampffläche, manchmal steht er auch auf und gibt lautstark Anweisungen an die Judokas des KSV Esslingen weiter. Hektisch wirkt KSV-Trainer Carsten Finkbeiner an einem Kampftag nie.

„Der Traum, den Meistertitel zu gewinnen, ist natürlich groß“

Ob der Coach jedoch während der Kämpfe in der Finalrunde am Samstag (10.30 Uhr), wenn es im Halbfinale gegen den KSC Asahi Spremberg geht, erst einmal auf einer Sitzgelegenheit Platz nehmen und still sitzen bleiben wird, ist fraglich. Denn insgeheim geht es für die Esslinger in der Endrunde um viel mehr als den Meistertitel. Aber erst mal zur Einordnung und der Vorgeschichte: Der KSV war noch nie Deutscher Meister, aber beendete die Bundesliga-Saison acht Mal in den vergangenen zwölf Jahren als Zweiter. Sieben Mal davon scheiterte das Team im Finale am 23-fachen Meister TSV Abensberg.

Das bringt Brisanz in das Judo-Bundesliga-Finale – und eben auch, dass der Wettkampf in der Josef-Stanglmeier-Halle in Abensberg ausgetragen wird und somit die Chance bestehen, den großen Favoriten in dessen Heimat im Finale zu bezwingen. Aber auch die Abendsberger müssen erst einmal das Halbfinale gegen das Hamburger Judo-Team überstehen. „Der Traum, den Meistertitel zu gewinnen, ist natürlich groß und wir rechnen uns auch durchaus Chancen aus, aber natürlich ist Abensberg mit dem Heimpublikum im Rücken der klare Favorit“, betont Finkbeiner. Die Abensberger-Riege sprach vor der Endrunde übrigens nur von einer 50:50-Chance auf den Meistertitel – zumal die Abensberger dem KSV im Vorrundenkampf knapp mit 6:8 unterlegen waren.

Vier KSV-Kämpfer fehlen in Abensberg

Der KSV hat auch noch was gutzumachen. Denn der finale Wettkampf der Bundesliga-Südgruppe sorgte nicht unbedingt für Euphorie auf den Rängen. Die Esslinger kamen nicht über ein 7:7-Unentschieden gegen den TV Erlangen hinaus – und verpassten somit Platz eins. Größtenteils war dieses Ergebnis aber den verletzungsbedingten Ausfällen geschuldet. Deshalb freut es das KSV-Team umso mehr, nun endlich die Reise nach Abensberg antreten zu dürfen. Jedoch wurden den Esslingern im Vorfeld einige Steine in den Weg gelegt, was Finkbeiner auf die Palme brachte : „Ich habe insgesamt vier Anträge eingereicht und darum gebeten, die Finalrunde verschieben. Zeitgleich finden nämlich die Junioren-Weltmeisterschaften statt und dadurch werden uns drei Kämpfer fehlen“, sagt er und ergänzt: „ Der Deutsche Judo-Bund hat jedoch alle Anträge abgelehnt, was für mich unverständlich und in meinen Augen unprofessionell ist.“ Dadurch werden dem KSV die Brüder Daniel und George Udsilauri sowie Levi Märkt fehlen. Der aus einer Verletzung kommende David Ickes wird ebenso an den Wettkämpfen nicht teilnehmen können. Ansonsten kann Finkbeiner auf eine gute Auswahl an Judokas zurückgreifen und ebenso werden exzellente ausländische Kämpfer das Team komplettieren. Wichtig ist auch, dass der Esslinger Jano Rübo, der wegen einer Schulverletzung pausieren musste, wieder mitwirken kann.

Nach dem Wiegen wird der Matchplan entschieden

Bevor es aber zum Traumfinale gegen Abensberg kommen könnte, muss erst mal die Hürde Spremberg im Halbfinale genommen werden. „Die Spremberger sind nicht umsonst Erster der Nordgruppe geworden und haben über die Saison eine konstante Leistung abgeliefert“, sagt Finkbeiner. Verschiedene Matchplan-Varianten habe er bereits im Kopf, die Entscheidung, welchen KSV-Judoka er am Ende aufstellen wird, fällt jedoch erst kurz vor Kampfbeginn. „Erst nach dem Wiegen wird entschieden, welcher Matchplan zum Einsatz kommt, da ich dann erst sicher weiß, welche Kämpfer für das gegnerische Team auflaufen werden“, erklärt er. Insgeheim ist beim KSV der Traum natürlich groß, das Image des „ewigen Zweiten“ abzulegen. „Die Tagesform wird entscheidend sein, aber wir tun alles dafür, den Titel endlich mal zu holen“, betont Finkbeiner.