Quelle: Unbekannt

Ein Multitalent ist der Maler, Architekt und Performer Roland Graeter. Seine Malerei und Skulpturen sind derzeit im Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung in Esslingen zu sehen.

EsslingenEs ist selten, dass Elisabeth Moser die Worte fehlen. Angesichts der Arbeiten Roland Graeters war die Leiterin des Esslinger Standorts des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZLS) kurz sprachlos ob der Vielfalt, Energie und Schaffenskraft des Esslinger Künstlers, dessen bildnerische Arbeiten nun unter dem poetischen Titel „Botenstoffe für die Seele“ in der Akademie zu sehen sind: „Ich glaube, Sie lassen nichts aus. Sie sind sich für nichts zu gut. Sie trauen sich alles zu, und sie schöpfen aus der Fülle des Lebens.“ Auch Edward-Errol Jaffke von der die Ausstellung mit veranstaltenden Initiative Kunst in Zell hielt bei der gut besuchten Vernissage mit seiner Bewunderung nicht hinterm Berg: „Das riesige Feld Ihrer künstlerischen Arbeit ist einfach sensationell.“

Roland Graeter, der in Esslingen und in Südfrankreich lebt, ist ein Multitalent: Er ist studierter Architekt, Cellist, Komponist, Performance-Künstler, er schreibt Texte, und er ist Maler und Bildhauer. Im Jahr 2011 machte er mit dem „Musikmarathon“ von sich reden – einer Kunstaktion, bei der er an 365 aufeinander folgenden Tagen 365 Konzerte für frei improvisierte Musik an 365 Orten mit 365 Partnern spielte. Die Esslinger Vernissage ergänzte er durch improvisierte Klangperformances: So lieferte er mit zwei klingenden becherförmigen Glocken, mit Stimme, Sprache, Lachen, Krächzen, Quietschen und Geräuschen ein akustisches und lautmalerisches Pendant zum Gemälde „Die Silbertrinker“.

In Esslingen zeigt Roland Graeter Gemälde, zu denen Andreas Baur, Leiter der Städtischen Galerie Villa Merkel, bei seiner Einführung erläuterte: „Ausgehend von malerischen und materialen Impulsen lässt Graeter im Urvertrauen auf die Malerei bildnerische Räume wachsen – sei es, dass diese in Richtung Landschaft sich entwickeln, in Richtung Figuration oder auch im Abstrakten siedeln. Und wir, das Publikum, sind eingeladen, diesen malerischen Prozessen nachzuspüren.“ Graeters Bilder machen Räume auf, vergittern sie, rastern oder strukturieren sie. Manches hat fast etwas Textiles, Gewebtes, wenn er Farbschichten übereinander legt. Und immer sind da Bewegung und Rhythmus in seinen malerischen Arbeiten. „Dass der Mann Musiker ist, sieht man. Die Malerei von Roland Graeter hat sehr viel auch mit Musik zu tun. Mit freier Improvisation und mit jenen aleatorischen Kompositionsformen, die ab den 1940er-Jahren durch John Cage entwickelt wurden. Dieser räumte besonders auch dem Zufall Raum ein“, erklärte Andreas Baur.

Viele von Graeters Bildern hat er in der Esslinger Schau als Paar arrangiert. Gerahmt und nebeneinander platziert entsteht eine die Arbeit rhythmisierende Lücke, die sich füllen lässt. Dieses Dazwischen, diese Bresche ist jedoch weniger ein Bruch als eine Öffnung. Sie bietet Raum und die Chance, die Leerstelle mit eigenen Bildern, die jeder in sich trägt, zu füllen. Roland Graeters Arbeiten erlauben auch einen ganz intuitiven Zugang. Man darf sich von diesen Arbeiten ansprechen und einfangen lassen. Dafür sorgen auch die Titel, die Graeter manchen seiner Arbeiten gibt und in denen er knitze Botschaften versteckt: „Wir sitzen die Unendlichkeit aus.“ Den überaus lyrischen Titel seiner Ausstellung kommentiert er kess: „Botenstoffe für die Seele können im Original etwa 90 auf 70 Zentimeter groß sein, oft kleiner, meistens größer: Bei Wahrnehmungsschwierigkeiten treten Sie bitte näher ans Original oder fragen Sie bei ausbleibenden Botenstoffen für die Seele den Künstler.“

Auch für Roland Graeters Skulpturen, die in Esslingen fast beiläufig am Boden stehend gezeigt werden, gilt: Augenzwinkern inklusive. Die in Beton fixierten rostigen Fundstücke regen zu Überlegungen an, wo sie wohl einst in Dienst standen: „Schweres kleines Objekt, Bügeleisen?“ fragt der Künstler selbst. Ein figürlich wirkendes oxidiertes Etwas nennt er „R. wat mutt dat mutt. Madonna“ und schickt damit des Betrachters Gedanken auf eine grüblerische Reise. Wie hübsch entspannt kommt im Gegensatz dazu dagegen die Idee eines „tragbaren Regenbogens“ daher, der sich aber beim Nähertreten als reichlich massiv entpuppt.

Die Ausstellung ist bis 3. April 2020 in der Außenstelle Esslingen des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg, Steinbeisstraße 1, zu sehen. Der Eintritt ist frei, geöffnet ist montags bis donnerstags von 8.30 bis 16.30 Uhr und freitags von 8.30 bis 14 Uhr.

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