Philipp Munz, Thomas Rother und Patrick Cervicek (von links) würden das frei zugängliche Netz von Freifunk gern erweitern. Foto: Bulgrin

Von Melanie Braun
Wieder einmal wird derzeit hin und her überlegt, ob die Stadt freies WLAN in der City anbieten soll oder nicht. Dabei könnte es ganz einfach sein – finden Vertreter der Initiative Freifunk. Diese setzt sich für den Aufbau eines nicht-kommerziellen Funknetzwerks ein und hat bereits einige öffentlich zugängliche WLAN-Punkte in Esslingen vorzuweisen. Und es wäre noch viel mehr möglich, glauben einige Esslinger Anhänger von Freifunk.
Patrick Cervicek, Thomas Rother und Philipp Munz kennen sich erst seit etwa zwei Monaten. Sie alle betreiben schon länger Router für das Freifunk-Netz, hatten bislang aber keinen Kontakt zueinander. Denn in Esslingen gibt es keinen Freifunk-Verein, deshalb hatten sie sich an der Stuttgarter Gruppe orientiert. Doch die Diskussionen im Gemeinderat um möglicherweise mehrere zehntausend Euro für ein öffentliches WLAN-Netz in der Esslinger Innenstadt hat sie und eine Handvoll andere Freifunker nun auf den Plan gerufen. Sie wollen darauf aufmerksam machen, dass es eine Alternative zu teuren Verträgen mit professionellen Anbietern gibt.

Bürgerschaftliches Engagement

Die Idee von Freifunk ist, durch bürgerschaftliches Engagement offene Funknetzwerke aufzubauen, die jedem einen freien und kostenlosen Zugang ins Internet ermöglichen. Das funktioniert, indem Privatpersonen, Händler oder Gastronomen einen WLAN-Router aufstellen, auf den die Freifunk-Software aufgespielt wird. Diese sorgt unter anderem dafür, dass sich die einzelnen Router untereinander verbinden und so ein möglichst flächendeckendes Netzwerk entsteht. Dieses ermöglicht laut Freifunk freies Surfen, ohne dass man auf Mobilfunkabdeckung, Volumenbeschränkung oder andere Vertragsbedingungen achten muss.
Auch in Esslingen gibt es bereits einige WLAN-Punkte von Freifunk. So hat etwa Philipp Munz als Vorsitzender der Kanu-Vereinigung Esslingen schon vor fast zwei Jahren dafür gesorgt, dass man beim Vereinsheim im Färbertörlesweg frei surfen kann. Im vergangenen Jahr hat Thomas Rother sich dafür eingesetzt, dass in der Flüchtlingsunterkunft in der Fleischmannstraße kostenloses WLAN zur Verfügung steht. In Kooperation mit den Stadtwerken, die ihre DSL-Verbindung zur Verfügung gestellt hätten, habe man hier fünf Zugangspunkte eingerichtet, erzählt der Softwareentwickler – in Spitzenzeiten seien bis zu 150 Nutzer gleichzeitig im Netz gewesen.
Patrick Cervicek hat derweil zusammen mit einem Kollegen vor nicht allzu langer Zeit beim Café Uferlos angefragt, ob er einen Router anbringen könne, der freies WLAN im Maillepark ermöglicht. Dort war man so angetan, dass man zusätzlich auch gleich noch einen Freifunkzugang im Innenraum des Cafés einrichtete. Auch andere Gastronomen und Einrichtungen haben bereits Freifunk-Router aufgestellt (siehe unten).
Cervicek, Rother und Munz halten das Freifunknetz für eine gute und günstige Alternative zu providerbasierten Lösungen: Als Hardware reiche ein handelsüblicher Router für 50 bis 100 Euro, die Software samt Updates liefere der Verein Freifunk kostenlos. Zudem könne, wer einen solchen WLAN-Hotspot anbiete, nicht für das haftbar gemacht werden, was andere Nutzer im Internet tun. Die sogenannte Störerhaftung, die genau das vorsah, ist abgeschafft. Zudem laufe der gesamte Datenverkehr über die Infrastruktur des Vereins und es sei gar nicht nachverfolgbar, wer wann wo angemeldet war.
Vor Kurzem sind die Freifunker auf die Stadt zugegangen und haben eine Kooperation angeboten – nun warten sie auf Antwort. „Unser Ziel ist es aber nicht, anderen Anbietern den Auftrag wegzuschnappen, sondern Lücken im Netz zu schließen“, betont Munz. Dieses Ziel verfolge man unabhängig von der Entscheidung der Stadt weiter, schließlich sei Freifunk eine gemeinwohlorientierte Initiative.

Mitmachen erwünscht

Mitmachen: Wer selbst einen Freifunk-Hotspot zur Verfügung stellen will, braucht einen WLAN-Router, auf den die Freifunk-Software aufgespielt werden kann (kostet 50 bis 100 Euro) und einen Internetanschluss. Wünschenswert wäre laut Freifunk zudem die Möglichkeit, eine Außenantenne anzubringen, um das Netz in einem größeren Bereich anbieten zu können. Eine Anleitung zur Installation der Software sowie weitere Infos und Kontaktdaten gibt es auf der Homepage von Freifunk unter www.freifunk-esslingen.de oder unter www.freifunk-stuttgart.de .
Hotspots: In Esslingen gibt es bereits mehrere öffentliche Zugangspunkte, nämlich: bei der Stadtinformation am Marktplatz, bei der Flüchtlingsunterkunft in der Fleischmannstraße, im Maille Park, im Café Uferlos, im Jugendzentrum Komma, im Kaffeehaus Sonne in der Küfer-strasse, bei der Kanu-Vereinigung im Färbertörlesweg, beim Café Kauz in der Bahnhofstraße, am Otilienplatz und am Charlottenplatz (Privatadressen sind hier nicht genannt). Andere prüfen, ob sie einen Zugangspunkt einrichten können, so auch die Eßlinger Zeitung am Marktplatz.

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