Lena Klenke Foto: Neuesuper/Rabold - Neuesuper/Rabold

Lena Klenke gehört zu den vielseitigsten jungen Darstellerinnen der deutschen Film- und Fernsehszene. Sie hat in Komödien wie „Fack ju Göhte“ gespielt, war in Fernsehkrimis zu sehen und hat in Lars Kraumes Kino-Drama „Das schweigende Klassenzimmer“ brilliert. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt sie über ihr aktuelles Projekt, die Endzeit-Serie „8 Tage“.

EsslingenLena Klenke zählt zu den Shootingstars der deutschen Film- und Fernsehszene. Aktuell ist sie in der Endzeit-Serie „8 Tage“ zu sehen, die Stefan Ruzowitzky und Michael Krummenacher für Sky realisiert haben. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt Lena Klenke über die Serie und ihre Arbeit als Schauspielerin. „8 Tage“ konfrontiert uns mit der verstörenden Frage: Was würden wir tun, wenn nur noch acht Tage zum Überleben blieben? Was hat Sie an dem Projekt gereizt?
Mich hat die Idee sofort angesprochen, zumal ich so etwas noch nie zuvor gelesen hatte. Besonders reizvoll fand ich, dass die Geschichte ganz nah an uns dran ist und dass wir es mit normalen Menschen zu tun haben, die in eine Extremsituation geraten, die jeden von uns irgendwann treffen könnte. Da fragt man sich unwillkürlich, wie man sich selbst verhalten würde.

Luther soll gesagt haben: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Was würden Sie tun?
Man kann sich vorher vieles überlegen – wenn man in diese Situation gerät, wird alles über den Haufen geworfen. Das sieht man sehr schön an den Figuren in dieser Serie: Jeder versucht auf seine Weise, damit umzugehen. Man fühlt sich hilflos, die meisten denken nur noch an sich und sind hin- und hergerissen. Plötzlich kommen ganz andere Seiten zum Vorschein, mit denen man nie gerechnet hätte. Ich spiele eine Teenagerin, die nochmal alles erleben will und genau weiß, dass ihr nur acht Tage bleiben, um so richtig erwachsen zu werden – mit allem, was dazugehört. Bei keinem findet sie Halt, und sie merkt, dass sie sich auf niemanden so recht verlassen kann. Ich fürchte, das beschreibt die Situation ziemlich realistisch. Aber man kann über vieles spekulieren – trotzdem ist der Gedanke erst mal surreal.

Ist das, was „8 Tage“ erzählt, wirklich ganz weit weg von uns? Bilder von Menschen, die sich in Sicherheit bringen wollen und vor Gitterzäunen stehen, könnte man auch in Fernsehnachrichten sehen.
Ja, diesen Gedanken hatten wir während der Dreharbeiten auch. Einer der Autoren hat erzählt, dass er schon vor Jahren unter dem Eindruck von 9/11 begonnen hat, die Geschichte zu schreiben. Ihn hat damals fasziniert, wie die Menschen zusammengestanden sind. Seither ist so viel passiert, und man ertappt sich häufig bei dem Gedanken, dass all das, was man in „8 Tage“ sieht, gar nicht so weit weg ist von uns. Trotzdem ist man meist so mit sich selbst beschäftigt, dass man diese Gedanken gerne wieder wegschiebt, solange das alles nicht vor der eigenen Haustüre passiert.

Wie sehr es viele zunächst mit Verdrängung versuchen, zeigt auch diese Serie ...
Ja. Solange Hoffnung bleibt, selbst irgendwie davonzukommen, sind die meisten halbwegs ruhig. Erst wenn ihr Fluchtplan nicht aufgeht, müssen sie sich der Herausforderung stellen und merken plötzlich, wie schlimm es tatsächlich ist. Jeder versucht, sich irgendwie an vertrauten Strukturen festzuklammern, doch die bröckeln rasant. Und plötzlich läuft alles aus dem Ruder, Läden werden geplündert, und die gesamte Ordnung gerät ins Wanken. Leben Sie bewusster, seit Sie durch die Serie mit solchen Gedanken konfrontiert wurden?
Während der Dreharbeiten hat uns das alle sehr beschäftigt. Mich haben solche Gedanken sogar bis in meine Träume verfolgt. Das zeigt, dass ich das alles sehr intensiv verarbeiten musste. Sie haben viele Szenen, die physisch und psychisch sehr fordern. Wie anstrengend war diese Produktion für Sie?
Ein Dreh ist anstrengend und zugleich sehr bereichernd. Alltägliche Situationen, wie man sie aus dem eigenen Leben kennt, gab es in dieser Serie so gut wie gar nicht. Aber das ist ja eine der schönen Seiten meines Berufs: Man kommt an Orte, die man sonst nie sehen würde, und man erlebt Dinge, die man sonst nie erleben würde. Wenn man in einem Bunker sitzt oder auf der Flucht alles geben muss, steigt der Adrenalinpegel gewaltig. Und wenn man dieselbe intensive Szene zum fünften Mal gedreht hat, hofft man nur noch, dass es kein sechstes Mal mehr geben muss. Aber wenn man dann das fertige Produkt sieht und zufrieden ist, ist alles vergessen, und man freut sich einfach, dass es so kreative Köpfe gibt, die sich so was ausdenken. Man merkt, dass jeder zu hundert Prozent dabei war. Als ich die fertige Serie gesehen habe, war mein erster Gedanke: „Die haben sich was getraut.“

Es gab eine Zeit, da galten Fernsehserien im Vergleich zum großen Kino nur als zweitklassig. Ist das noch immer so?
Der Aufwand ist bei Fernsehserien heute sehr viel größer. Das sieht man bereits an den Akteuren vor und hinter der Kamera. Das sind richtig gute Leute, die oft mit sehr großem Aufwand arbeiten. Dazu haben auch Sky, Netflix und Amazon beigetragen, die viel Geld in solche Projekte investieren. So lässt sich hohe Qualität herstellen. Dazu tragen auch die Autoren bei, die zu den Besten gehören und oft schon lange an diesen Projekten arbeiten. Wenn sie durch Produktionen der Streamingdienste die Chance erhalten, ihre Filme in der gewünschten Qualität zu realisieren, ist dagegen nichts einzuwenden.

Das Engagement der Streamingdienste ist nicht unumstritten. Zuletzt gab es auf der Berlinale und am Rande der Oscar-Verleihung Diskussionen, ob Netflix & Co. überhaupt dabei sein dürfen ...
Ich verstehe nicht, weshalb solche Produktionen nicht dabei sein sollten. Vieles, was durch Amazon, Netflix oder Sky realisiert wird, wäre gar nicht oder nur mit deutlich geringerem Aufwand zustande­ ­gekommen, wie man zum Beispiel bei dem Film „ Roma“ sieht, der bei den Oscars gerade mega abgeräumt hat und ohne Netflix nie zustande gekommen wäre.

„8 Tage“ ist eine Etappe auf Ihrem beeindruckenden Karriereweg. Staunen Sie nicht manchmal selber über Ihren Erfolg?
Darüber denke ich nicht viel nach. Ich freue mich über jede interessante Rolle, die ich spielen darf, aber in unserer Branche weiß man nie, was als nächstes kommt. Natürlich lässt man sich nicht einfach treiben, sondern überlegt sich, in welche Richtung man gehen und mit wem man gerne arbeiten möchte. Und dafür kann man durchaus etwas tun. Ich habe früh angefangen und durfte deshalb ziemlich lange junge Mädchen spielen. Jetzt bin ich dankbar, dass ich mit meinen Rollen älter werden und in diesem Beruf erwachsen werden darf.

Viele junge Leute träumen von einer Karriere, wie Sie sie gemacht haben. Was würden Sie ihnen empfehlen?
Ich kann nur sagen, dass man in diesem Beruf sehr früh sehr selbstständig werden muss. Und man darf nicht hoffen, dass man irgendwann zufällig entdeckt wird und einem alles Weitere einfach so zufliegt. Für mich war klar, dass ich auf jeden Fall die Schule fertigmachen und trotzdem als Schauspielerin weiterkommen möchte. Das ist manchmal gar nicht so einfach, und man muss auf vieles andere, was Leute in meinem Alter ganz selbstverständlich haben, verzichten. Dafür kann man wirklich tolle Erfahrungen machen.

Das Interview führte Alexander Maier.

Lena Klenke und ihr jüngstes Projekt

Lena Klenke wurde 1995 in Berlin geboren und hat sich 2010 mit ihrem Debütfilm „Das letzte Schweigen“ als Schauspielerin auf Anhieb einen Namen gemacht. Seither stand sie in Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera – unter anderem in „Fack ju Göhte“. Sie war im „Tatort“ und bei „Soko Leipzig“ ebenso zu sehen wie in Lars Kraumes Film „Das schweigende Klassenzimmer“.

„8 Tage“ läuft als Fernsehserie freitags ab 21 Uhr auf Sky 1 HD sowie im Stream mit Sky Ticket und Sky Go: Ein Asteroid rast auf die Erde zu, Deutschland liegt in der Todeszone. Manche versuchen zu fliehen, andere feiern hemmungslose Endzeit-Parties, wieder andere haben sich rechtzeitig auf den Weltuntergang vorbereitet und Bunker gebaut. Doch im Grunde weiß keiner, was richtig ist.

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