Das einzige Foto von Rudolf Martin Schneiderhan, das Karin Tomaszewski kennt: Er ist hier mit seinen drei Schwestern abgebildet. Foto: privat

Karin Tomaszewskis Großonkel Rudolf wurde 1940 in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet. Mit ihren Recherchen hat die Wernauerin ihm wieder einen Platz in der Familie gegeben.

Über Karin Tomaszewskis Großonkel Rudolf wurde in der Familie nicht gesprochen. Kein Foto an der Wand, keines in den Alben. Und doch stand er manchmal mitten im Raum, „breit und schwer wie Blei“: So beschreibt die 66-Jährige eine Situation in ihrer Kindheit, in der noch nicht einmal der Name des Onkels fiel, sondern nur das Wort „Lungenentzündung“ – die angebliche Todesursache des Zwölfjährigen. Es dauerte noch rund 50 Jahre, bis sie zum ersten Mal ahnte, was es mit dem Familiengeheimnis um den Bruder ihrer Oma auf sich hatte. Als sie im Religionsunterricht mit ihren Zehntklässlern über die Tötung von Menschen mit Behinderung im Dritten Reich sprach, kam ihr plötzlich der Gedanke: Das könnte etwas mit Großonkel Rudolf zu tun haben.

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