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Endlich hat der VfB mal wieder einen starken Japaner in seinen Reihen. Im Derby-Sieg gegen den KSC zeigte Wataru Endo eine starke Leistung – und bekam viel Lob. Unter anderem von Sportdirektor Sven Mislintat.

StuttgartVom trüben Novemberwetter zeigte sich der Sportsfreund aus Fernost absolut unbeeindruckt, wie er am Montagvormittag da so in kurzen Hosen ziemlich fokussiert hinter der Bande des VfB-Trainingsplatzes stand, um zunächst als einziger Fan das Auslauftraining der Stuttgarter Profis zu beobachten. Ob der luftig gekleidete Zaungast nach dem 3:0-Derbysieg des VfB über den KSC letztlich wegen des Startelf-Debütanten Wataru Endo gekommen war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Klar ist aber schon jetzt, dass das Interesse der fußballverrückten Japaner am Verein für Bewegungsspiele aus Cannstatt seit dem Sonntagnachmittag wieder sprunghaft gestiegen ist.

Schließlich hat der VfB nach den Zeiten des Shinji Okazaki (derzeit beim spanischen Zweitligisten SD Huesca), von Gotoku Sakai (Vissel Kobe) und von Takuma Asano (Partisan Belgrad), dem zweifachen Torschützen vom 2:0-Derbysieg über den KSC aus dem April 2017, wieder einen japanischen Profi von Format im Kader.

Wataru Endo gut – alles gut? Das dürften sich auch die vielen VfB-Anhänger ohne japanische Wurzeln am Sonntag auf ihrem Heimweg vom Stadion gefragt haben. Schließlich war der mit einer Kaufoption versehene, zunächst bis Juni 2020 vom belgischen Erstligisten VV St. Truiden ausgeliehene Nationalspieler in Stuttgart bereits auf dem besten Weg hin zur Karteileiche. Nichts zu hören und bei Pflichtspielen nix zu sehen – dies war lange Zeit der Status quo bei Wataru Endo.

Was folgte, war zunächst ein kleine Ouvertüre in Form eines Schlussminuten-Einsatzes im Heimspiel gegen Dynamo Dresden. Nun der große Tusch im Derby gegen Karlsruhe, als Endo auf der Sechs das für viele fast schon chronische Sorgenkind Atakan Karazor in der Startelf ersetzte – und nicht nur laut dem VfB-Sportdirektor Sven Mislintat ein „außergewöhnliches Spiel machte. Man kann auf der Sechser-Position nicht viel besser spielen, als er das gemacht hat“. Hat der VfB nun ein Mittelfeldproblem weniger?

Tatsächlich gewann der Japaner trotz lediglich 1,78 Meter Körpergröße so gut wie jedes Kopfballduell – auch gegen den 18 Zentimeter größeren Philipp Hofmann – , weil sein Timing passte. Endo überzeugte mit Zweikampfhärte, mit klarem Stellungs- wie auch Passspiel. „Er hat uns alles gegeben, was wir auf dieser Position brauchen“, lobte Sven Mislintat: „Gerade gegen eine Mannschaft, die mit langen Bällen agiert. Er war stark in der Balleroberung – und in der Spielfortsetzung.“

Bleibt allein die Frage: Wieso hat es so lange gedauert, ehe Tim Walter den Mittelfeldmann aus Nippon aus dem Hut gezaubert hat? Einen Spieler, für den der Cheftrainer zunächst kaum eine geeignete Verwendung zu haben schien. „Er hat heute gezeigt, warum wir ihn verpflichtet haben“, sagte Mislintat über seine Entdeckung namens Endo, den er bei dessen Präsentation auch als Alternative für die Innenverteidiger- sowie die Rechtsverteidiger-Position ins Spiel gebracht hatte.

Doch lange schien es, als ließe das den Trainer Walter ziemlich kalt. Zumindest als Option für eine zentrale Position in der Viererkette, das ließ der 44-Jährige durchblicken, sah er den Japaner keineswegs. „Dafür ist er zu klein“, lautete das Urteil Walters, der lange allein seinem ehemaligen Kieler Schützling Karazor die Sechser-Position anvertraute. Dies ging so weit, dass dem feurigen Santiago Ascacibar einmal im Gespräch mit Walter die Gäule durchgingen, was der Verein mit einer teaminternen Sperre samt Geldstrafe für Ascacibar sanktionierte.

Darf Endo dagegen mit einem längeren Aufenthalt auf der Sechs rechnen? Nach der überzeugenden Premiere gegen den KSC dürfte er zumindest einen Einsatz im nächsten Zweitligaspiel am Sonntag (13.30 Uhr) beim SV Sandhausen sicher haben. „Es gehört auch zu einem Prozess dazu, dass man Spieler erst einmal integrieren muss“, sagt Sven Mislintat zur langen Anlaufzeit des Japaners. Immerhin hätte Wataru Endo ja diverse lange Reisen mit dem Nationalteam zu verdauen gehabt.

Diesmal hatte der 22-malige Nationalspieler in der Länderspielpause mit Japan nur die WM-Qualifikationspartie gegen Kirgistan (0:2) absolviert – und das anschließende Freundschaftsspiel gegen Venezuela ausgelassen. Also war er bereits freitags und somit neun Tage vor dem KSC-Spiel wieder zurück in Stuttgart. Rechtzeitig genug also, um Werbung in eigener Sache zu betreiben.

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