Von allen Kategorien schneidet die Frage nach der Sauberkeit beim Heimat-Check für den Rems-Murr-Kreis am besten ab. Trotz eines überzeugenden Durchschnittswerts von 7,5 Punkten stören allerdings verdreckte Bahnhöfe und überquellende Mülleimer.
Der gute alte Goethe hatte die Lösung für allerlei Konflikte im menschlichen Miteinander schon vor zwei Jahrhunderten parat: „Ein jeder kehre vor seiner Tür und rein ist jedes Stadtquartier“, formulierte Geheimrat Johann Wolfgang in seinem Gedicht von der Bürgerpflicht. Wie viel Weisheit in dem simplen Vierzeiler steckt, können mutmaßlich nicht nur die Menschen nachvollziehen, die bei der Müllabfuhr arbeiten oder sich um die städtische Straßenreinigung kümmern. In einem Landstrich, in dem die schwäbische Kehrwoche erfunden wurde, müsste die Botschaft vom eigenverantwortlichen Tun den Leuten in Fleisch und Blut übergegangen sein.
Ganz unterschiedliche Bedürfnisse
Doch stimmt das überlieferte Klischee vom auf Reinlichkeit im Treppenhaus und auf dem Bürgersteig bedachten Schwaben überhaupt noch? Wie wichtig ist Menschen im Rems-Murr-Kreis in modernen Zeiten noch, dass kein Müll am Straßenrand liegt und sich auf dem Wanderparkplatz am Wald keine Abfallsäcke stapeln? Auch deshalb war die Frage nach der Sauberkeit im Ort eine der 14 Kategorien, zu denen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des großen Heimat-Checks unserer Zeitung eine Antwort liefern sollten. Wie aufgeräumt und proper der eigene Ort empfunden wird, liegt schließlich im Auge des Betrachters – wie bei so vielen Dingen haben die Menschen auch beim Thema Sauberkeit ganz unterschiedliche Bedürfnisse.
Das zeigt sich in den Kommentaren, die bei der dreiwöchigen Umfrage für unseren Heimat-Check in die Redaktion geflattert sind. In Waiblingen gibt es vier schriftliche Zusatzreaktionen, die sich mit dem Dreck in der Stadt befassen – von den ungepflegten Grünanlagen bis zu den dauerhaft vermüllten Standplätzen für die Papier- und Altglascontainer. Im benachbarten Fellbach dürfte es rein statistisch auch nicht mehr Dreckspatzen geben, der Straßenputztrupp des städtischen Bauhofs rückt vergleichbar oft zum Großreinemachen aus. Der Wunsch der Menschen nach Sauberkeit im Stadtbild scheint aber ungleich höher zu sein als in Waiblingen. Denn in Fellbach melden sich gleich 18 Teilnehmer mit konkreten Ideen, Anregungen und Beschwerden zu Wort – das Spektrum reicht vom wenig präsentablen Bild des schmutzig wirkenden Fellbacher Bahnhofs bis zum Vorschlag, wegen teils mitten auf den Gehweg kackenden Vierbeinern die Hundesteuer zu verhundertfachen.
Mit Kritik an den Hinterlassenschaften von Hasso, Rex und Co. steht die Hygienefront vom Kappelberg freilich nicht allein. Auch in Korb und Kernen sind am Feldrand verteilte Kotbeutel den Leuten ein Dorn im Auge. „Ich wünsche mir mehr Ständer für Hundetüten und dass der Bauhof die Mülleimer im Sommer zweimal wöchentlich leert“, heißt es in Auenwald. Verschmutzte Unterführungen und lieblos gestaltete Grünanlagen werden in Remshalden sehr bemängelt, „die Ortschaft ist teilweise nicht gepflegt“, lautet die Beschwerde. In Backnang wünschen sich Teilnehmer, dass sich bei der Straßenreinigung mehr tut, mit der erhöhten Staubbelastung steige schließlich die Gefahr von Atemwegserkrankungen. Und in Winnenden sind nicht nur die achtlos weggeschnippten Zigarettenkippen und die Papierflut rund um den Burgerbrat-Betrieb an der Ausfallstraße, sondern auch der Schmutz in der Fußgängerzone ein Thema.
Interessant ist, dass die Menschen im Rems-Murr-Kreis ihrem Wohnort trotz aller Kritik bei der Sauberkeit eine sehr gute Note geben. Der Durchschnitt der Bewertungen liegt bei 7,5 von zehn möglichen Punkten, keine andere Kategorie schneidet besser ab beim Heimat-Check. Und: Bei der ebenfalls abgefragten Qualität der Müllabfuhr im Landkreis gibt es trotz der wenig bürgernahen Regelungen etwa bei den Öffnungszeiten der Häckselplätze keinerlei kritische Stimmen.
Traumwert in Leutenbach
Am besten ab im Zufriedenheits-Ranking schneidet mit einem Traumwert von 8,41 Punkten die Gemeinde Leutenbach. Ebenfalls auf dem Treppchen landen Weissach im Tal (8,38) und Winterbach (8,22). In Althütte und Berglen ist die Welt mit Blick auf die Sauberkeit und mit Werten jenseits der Acht-Punkte-Marke ebenfalls noch in Ordnung. Nicht so zufrieden sind Stadtbewohner: Weinstadt kommt auf 7,63, Winnenden auf 7,38, Schorndorf auf 7,33 und Waiblingen auf 7,30 Punkte. Im Tabellenkeller finden sich Fellbach mit 7,22 und Backnang mit 7,20 Punkten, Schlusslicht ist Plüderhausen mit 6,44. Nicht gewertet wurden wegen zu geringer Teilnehmerzahlen Oppenweiler, Burgstetten, Kaisersbach und Spiegelberg.
Worum es beim Haimat-Check geht
Stimmungsbild
Der Heimat-Check unserer Zeitung in Kooperation mit dem Unternehmen Umfrageheld hat ein Stimmungsbild in allen 140 Kommunen der Kreise Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr erhoben. Vom 10. Juni bis zum 2. Juli konnte online das Votum abgegeben werden. Insgesamt 15 120 Menschen nahmen teil. Den Anspruch, repräsentativ zu sein, erhebt der Heimat-Check ausdrücklich nicht.
Systematik
In 14 Kategorien wurden je zwei Fragen gestellt, die auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (sehr gut) beantwortet werden konnten. Dabei ging es um die Themen Lebensqualität, Gastronomie, Immobilienmarkt, Sport und Vereine, Familienfreundlichkeit, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandel, Verkehr, Nahverkehr und Radwegenetz, Seniorenfreundlichkeit, Kultur und Freizeit sowie Digitalisierung, Energie und Klima.