Tim Hauser (Zweiter von rechts) und Aglaia Handler von der CDU Esslingen mit ihren Gästen, dem Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle (links) und dem CDU-Generalsekretär Baden-Württemberg, Manuel Hagel. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

„Wir müssen es schaffen, wieder eine gesellschaftspolitische Orientierung zu geben“, forderte Tim Hauser, Vorsitzender der CDU Esslingen, auf dem Stallwächterfest seiner Partei.

EsslingenDen großen Volksparteien könnte es gehen wie den Dinosauriern: Diese Befürchtung äußerte Tim Hauser, Vorsitzender der CDU Esslingen und Stadtrat in der Kreisstadt, auf dem Stallwächterfest, das die CDU Esslingen traditionell während der Sommerpause feiert. „Das politische Klima ändert sich, die Kommunikationskanäle vervielfachen sich und immer weniger Menschen haben Lust, sich hinter einer Parteifahne zu versammeln“, sagte Hauser. „Wir“ – und damit meinte er die Esslinger CDU – „müssen es schaffen, wieder eine gesellschaftspolitische Orientierung zu geben.“ Themen dazu gebe es ausreichend. Hauser zählte auf: „Hohe Mieten, Baustellen, Feinstaubalarm und Fahrverbote.“ Das seien die Reizthemen. Die Esslinger wollten zurecht wissen, wie die Stadt ausreichend Wohnraum schaffen wolle, wann es „endlich“ keine Funklöcher mehr in der Stadt gebe.

Hauser: Themen klar besetzen

Strategisch gehe es darum, dass „die Politik“ – und damit meinte er vermutlich auch seine eigene Partei – wieder den Mut habe, Themen klar zu besetzen. Hauser sprach von einem Spagat, einerseits mit den klassischen Feldern der CDU – Sicherheit, Wirtschaft, Finanzen – zu punkten „und gleichzeitig klarzumachen, dass sie bei Umwelt- und Digitalthemen nicht geschlafen hat. Daran müssen wir arbeiten.“

In Hausers Rede gab es auch einen Seitenhieb auf die Grünen. Ihnen warf Hauser vor, „Meister der Vernebelungstaktik“ zu sein, die große Erfolge feierten, die „ihnen hundertprozentig früher oder später um die Ohren fliegen“. Daran sollte sich die CDU kein Beispiel nehmen.

Der Esslinger Landtagsabgeordnete Andreas Deuschle betonte gleichfalls die Bedeutung der Zukunftsthemen Klimaschutz und Digitalisierung. Das Thema Klimaschutz sei ein ureigenes Thema der CDU. „Wer wenn nicht wir Christdemokraten müssen sich um die Bewahrung der Schöpfung kümmern,“ so Deuschle. Beim Thema Digitalisierung attestierte er der Stadt ein zögerliches Verhalten. Dass Esslingen unter den mehr als 1000 Kommunen in Baden-Württemberg eine von drei ist, die keinerlei Mobilfunkanlagen auf städtischen Liegenschaften zulässt, sei nicht mehr tragbar: „Wer es mit der Digitalisierung wirklich ernst meint, der muss voranschreiten“, sagte Deuschle. Autonomes Fahren sei mit der jetzigen Netzabdeckung Esslingens schlicht nicht machbar.

Gastredner Manuel Hagel, Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg und Mitglied des Landtags, übte wie Hauser Selbstkritik und warb gleichzeitig für eine selbstbewusste Christdemokratie, die ihre liberalen, christlichen und konservativen Wurzeln betone.

Gekommen waren am Freitagabend etwa 130 Menschen in den Hof der Weingärtner Esslingen, wo die CDU bereits zum 29. Mal zu ihrem jährlichen Stallwächterfest eingeladen hatte. Unter den Gästen waren auch die Gründer der Veranstaltung, Otto Hauser, einst Regierungssprecher von Helmut Kohl, und der Schlosser Konstantin Probst.

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