Die 16-jährige Handballerin Katharina Goldammer ist auf dem Sprung in die Bundesliga – hat aber vorher mit ihrem TV Nellingen noch etwas vor.
Katharina Goldammer wird in Zukunft viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein. Sielmingen, Stuttgart, Metzingen – und dann wieder heim nach Sielmingen. Bevor es so weit ist, hält die ganz nahe Zukunft aber noch etwas anderes für sie bereit: Die 16-Jährige will unbedingt mit den B-Jugend-Handballerinnen des TV Nellingen das Final Four um die deutsche Meisterschaft erreichen und dabei eine gute Rolle spielen. Es soll ein perfekter Abschied von ihrem TVN sein – denn dann wechselt sie zur TuS Metzingen, wo sie zum Sprung in die Bundesliga ansetzen will und soll. „Krass“ nennt sie diese Aussicht.
Goldammer weiß, dass auch an diesem Samstag viel auf sie ankommen wird, wenn das Nellinger B-Jugendteam ab 17 Uhr im Achtelfinal-Rückspiel gegen die SG Kirchhof einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen muss. Dass sie auf der Rückraum-Mitte-Position eine tragende Rolle in ihrem Jugendteam spielt, ist nicht ungewöhnlich – vor allem, wenn man ihr Talent bedenkt. Nicht üblich ist aber, wie wichtig sie in der gerade abgelaufenen Saison für das Nellinger Drittliga-Team war – also das der Frauen. Eine 16-Jährige als Führungsspielerin. Ob das generell gut ist, ist die eine Frage. Goldammer selbst hat damit kein Problem. „Ich fand das schön und cool“, sagt sie – und macht sich keinen Kopf. Sie kann auch damit umgehen, dass die Hornets mit nur sechs Pluspunkten abgestiegen sind. Sie zieht das Positive für sich heraus. „Wir haben uns als junges Team gut präsentiert“, sagt sie mit fester Stimme. Allzu großen Druck hat sie jedenfalls nicht verspürt: „Ich mach’ mein Ding.“
Das macht sie ab dem Sommer in Metzingen. Goldammer hatte auch Anfragen von Handball-Internaten und sie hat sich das angeschaut. „Ich kann aber nicht so weit weg von der Familie sein“, erklärt sie, „ich bin ein Familienmensch.“ Deshalb war der Anruf von TuS-Manager Ferenc Rott „das Beste, was mir passieren konnte“.
Zunächst Spiele für das Drittligateam
Der Weg in die Bundesliga ist also vorgezeichnet. Aber Goldammer sagt: „Ich lasse es langsam angehen.“ Auch Rott hat ihr zugesichert, dass sie behutsam herangeführt werden soll. Der Plan: Sie trainiert mit dem Metzinger Bundesligateam und spielt zunächst für die HSG Stuttgart/Metzingen in der 3. Liga. Als sie kürzlich in der Sporthalle 1 mit den Hornets gegen die HSG auflief (25:35), war es schon eine spezielle Situation: Sie wusste genauso wie Rotts Frau Edina auf der Gästebank, dass sie gegen ihre zukünftigen Kameradinnen spielte. Verkündet war der Wechsel zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Nervosität, das ist typisch, war Goldammer nicht anzumerken. Ihre Dynamik und ihre Spielübersicht sind ihre großen Stärken. „Ich bin stolz auf mein Kreisanspiel“, sagt sie und lacht. In Sachen eigener Zug zum Tor will sie sich noch verbessern: „Und ich bin manchmal zu hektisch.“
Bei den Gesprächen mit Ferenc Rott hielt sich ihre Mutter und langjährige Trainerin Veronika übrigens heraus. Katharina ist auf dem Weg, den Spieß umzudrehen. Aus der „Tochter von“ wird so langsam „die Mutter von“, wenn von Veronika Goldammer die Rede ist. Die kann gut damit leben und ist stolz.
Dass Katharina Goldammer weiß, was sie will, kam ihr schon vor fünf Jahren bei einer wichtigen Entscheidung zugute: Zwar ist die – alte wie jetzt die neue – Nellinger Sporthalle 1 ihr „zweites Zuhause“, aber sie setzte parallel zum Handball zu einer veritablen Turnkarriere an. Am Kunstturnforum (KTF) in Stuttgart trainierte sie in einer Gruppe mit Helen Kevric, Meolie Jauch und Marlene Gotthardt. „Ich hatte da überhaupt keinen Spaß mehr“, erzählt sie, warum sie sich vom KTF verabschiedet hat.
Nach zwei weiteren Jahren in der 3. Liga für den VfL Kirchheim sagte sie dem Turnen ganz Adieu. Die Nellingerin Kevric geht in der kommenden Woche bei den Turn-Europameisterschaften in Rimini an die Geräte, Jauch und Gotthardt stehen ebenfalls im Fokus – und Goldammer ist mit dem Weg, den sie eingeschlagen hat, glücklich. Ein Juniorinnen-Länderspiel hat sie auch schon absolviert.
Turnen als perfekte Grundausbildung
Abseits vom Sport weiß Goldammer zumindest ungefähr, was sie machen will. Aber sie hat ja noch zwei Jahre Zeit, bis sie an der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart ihr Fachabitur ablegen wird. Klar, „irgendwas mit Sport“ soll es sein, Sporttherapeutin zum Beispiel. Den Kontakt zum Turnen hielt sie zumindest damit, dass sie gerade ein Praktikum beim Schwäbischen Turnerbund (STB) direkt neben dem KTF gemacht hat. Und überhaupt sagt sie: „Das Turnen hat mir für den Handball total geholfen. Eine bessere Grundausbildung kann man nicht haben.“
Ob das mit dem Final Four zum Abschied aus Nellingen hinhaut, wird man bald wissen. Wie das anschließend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln so klappt, ist dann eine andere Frage. Zum Glück zumindest liegt die Metzinger Öschhalle direkt am Bahnhof.