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Das Trinkwasser in Deizisau, Köngen und Wernau muss nicht mehr abgekocht werden. Das Gesundheitsamt gab am Dienstagnachmittag Entwarnung.

Kreis EsslingenAm Dienstagnachmittag kam endlich die Entwarnung: Das Trinkwasser in Deizisau, Köngen und Wernau kann wieder ohne Einschränkung genutzt werden. Seit Freitagnachmittag musste in diesen drei Gemeinden das Wasser, das zur Speisenbereitung dient, abgekocht werden. Die Ursache für die Verunreinigung mit Keimen konnte der Lieferant, die Landeswasserversorgung, jedoch nicht klären.

Auf die Entwarnung hatten ungefähr 22.000 Bürger gewartet und insbesondere jene Betriebe, die Trinkwasser benötigen, um ihre Arbeit zu erledigen. Gastronomen haben sich mit Mineralwasser beholfen und viele Töpfe auf den Herd gestellt. Zahnarztpraxen waren weitgehend lahm gelegt.

Der Wernauer Zahnarzt Kai Landenberger musste vielen Patienten absagen. Weder Wurzelbehandlungen, bei denen mit Wasser gekühlt wird, noch die normale Zahnreinigung, bei der man den Mund ausspült, waren möglich. Das Zahnarzt-Team beschränkte sich auf trockene Kontrollen und das Aufarbeiten von bürokratischem Kram. So habe es auch die Bezirkszahnärztekammer empfohlen, sagt Landenberger. Neue Termine auszumachen, sei natürlich auch kein Vergnügen.

Das Coca-Cola-Werk ist der größte Wasserverbraucher Deizisaus. Klar, dass Bürgermeister Thomas Matrohs den Betriebsleiter am Freitag über die Verunreinigung informierte. Den Getränkehersteller stellte dies jedoch vor keine größeren Probleme. Das Trinkwasser werde im Betrieb immer aufbereitet, erklärte Pressesprecherin Christina Witt. Danach untersuche man es mikrobiologisch. Diese Untersuchungen habe man in den vergangenen Tagen „deutlich engmaschiger“ durchgeführt. Witt: „Alle Proben waren keimfrei.“

Im Pflegeheim St. Lukas in Wernau sah Küchenchefin Kerstin Sehne das Thema relativ entspannt. Am Wochenende sei das Problem noch gar nicht aufgetaucht, weil mit dem Verfahren „cook & chill“ für zwei Tage vorgekocht war. Am Montag und Dienstag hat die Küche „alles abgekocht, was wir brauchen“. Salat stand erst am Mittwoch wieder auf dem Speiseplan. Um den kalt zu waschen, wurden schon am Dienstag etliche Töpfe Wasser abgekocht. Den Heimbewohnern wurde Sprudel hingestellt, um ihre Zähne zu putzen oder die Prothesen zu reinigen.

Das Hotel-Restaurant Schwanen in Köngen stellte etliche Vorgänge um. Kaffeemaschine und Eismaschine sind direkt ans Wassernetz angeschlossen. Zum Glück hatte man noch eine Kaffeemaschine mit Tank auf Lager. Die alten Eiswürfel ließ Chefin Nicole Domon wegkippen und dafür abgepackte Würfel kaufen. Den Salat kaufte das Restaurant in der kritischen Zeit vorgewaschen. Alle Hotelgäste wurden auf das Thema hingewiesen und erhielten Stilles Wasser aufs Zimmer. Ein einziger Gast, so erzählt Domon, sei abgereist. Er habe irgendwann schlechte Erfahrungen mit einer bakteriell verursachten Erkrankung gemacht. Nicole Domons Vater dagegen hat bewusst das Leitungswasser getrunken. Ihm ist nichts passiert. Trotz des großen Aufwands sieht die Schwanen-Chefin die Geschichte eher als Anstoß nachdenklich zu werden. „Es zeigt, wie verwöhnt wir hier sind und gutes Wasser als etwas Selbstverständliches betrachten.“

Die Metzgerei Baur in Wernau schlachtet noch selbst. Dennoch kam man mit der Situation klar. „Man muss halt mit allem aufpassen“, sagte eine Mitarbeiterin. In der Metzgerei selbst sei es nicht so schwierig, weil die Brühmaschine mit 68 Grad Celsius arbeite. Aber für den Mittagstisch musste viel Wasser abgekocht werden, ob zum Salat putzen oder Spätzle abkühlen. „Es war aufwendig, aber machbar“, sagt die Mitarbeiterin.

Und wie reagieren Tiere auf das verunreinigte beziehungsweise stärker chlorierte Wasser? Der Berghof in Deizisau hält mehrere tausend Hühner. „Für die kochen wir das Wasser nicht ab“, sagt Christoph Eberhardt und wundert sich etwas über die Nachfrage. „Draußen sind die Hühner ja auch allerhand Umwelteinflüssen ausgesetzt.“

Am Dienstagnachmittag war das Problem erledigt. Nachdem an den Zuläufen zu den örtlichen Hochbehälter und am Verteiler Egart einwandfreies Wasser festgestellt wurde, gab das Gesundheitsamt Entwarnung. Die Ursache habe man nicht klären können, teilte Bernhard Röhrle, der Sprecher der Landeswasserversorgung (LW) mit. Vermutlich sei der Störfaktor aus dem Netz geschwemmt worden. Am Behälter Egart, wo die Verunreinigung wohl ihren Ausgangspunkt hatte, seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden, obwohl man beide Kammern entleert und kontrolliert habe.

Mit Nachfragen, ob der Mehraufwand und unnötige Personalkosten, etwa in Zahnarztpraxen, ersetzt werden, ist die LW bereits konfrontiert worden. Röhrle empfiehlt den Betroffenen, sich an ihre Gemeindeverwaltung zu wenden. Sie sei der Vertragspartner der Kunden und könne die Anfragen an die LW weiterleiten. Der Zweckverband werde juristisch klären, ob so ein Schaden ausgleichspflichtig sei.

Die drei Gemeinden empfahlen ihren Bürgern am Dienstagnachmittag, in der Leitung stehendes Wasser ablaufen zu lassen, sofern es 24 Stunden nicht genutzt worden sei. Je nach Größe eines Gebäudes reichten dafür zwei bis drei Liter aus. Den Chlorgehalt werde man im Laufe der nächsten Tage wieder zurückfahren. Er sorge noch dafür, dass im Leitungsnetz keine Verunreinigungen zurückbleiben und bewege sich im zulässigen Rahmen und sei gesundheitlich unschädlich.

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