Greta Thunberg wartet in Malmö auf ihren Prozess. Foto: AFP/Andreas Hillergren

Die schwedischen Klimaaktivisten argumentieren wie die deutschen Kollegen – und kommen für die Folgen ihres Protestes vor Gericht. Am Montag stand dort die Ikone der Klimabewegung.

In ihren Zielen sind sie sich einig, in der Namensgebung nicht. Last generation, nennen sich die Jugendlichen, die hierzulande auf die Straße gehen, um Maßnahmen gegen den fortschreitenden Klimawandel einzufordern. Die letzte Generation, die noch etwas tun kann. In Schweden klingt das alles weniger düster. Tatilbaka framtiden, nennen sich die Jugendlichen zwischen 12 und 30 Jahren. Frei übersetzt bedeutet das: Die Zukunft zurück gewinnen.

Ziel ist der Ölnachschub

Die Ziele und Methoden klingen ähnlich. „Wir wenden gewaltfreie Methoden an und leisten friedlichen Widerstand gegen ein tödliches System, gegen eine Gesellschaft, die unsere Chancen auf ein menschenwürdiges Leben zunichte macht“, heißt es auf der Webseite der Gruppe. Und während sich die Jugendlichen in Deutschland auf stark befahrenen Hauptstraßen festkleben, um dort den Verkehr zum Erliegen zu bringen, haben es die Schweden auf den Heizölnachschub des Landes abgesehen. Mehr als die Hälfte des schwedischen Ölimportes kommt über den Hafen in Göteborg ins Land – und den haben Mitglieder der Gruppe im April acht Tage lang weitgehend lahm gelegt.

Im Juni dann das Gleiche noch einmal, aber an einem anderen Ort. Dieses Mal war Malmö das Ziel der Blockaden, und die inzwischen 20-jährige Greta Thunberg war mit von der Partie, als es darum ging, Fahrzeuge daran zu hindern in einen Ölhafen einzufahren. Zusammen mit anderen Aktivisten der Organisation Tatilbaka framtiden blockierte sie die Fahrzeuge, indem sie sich auf die Straße setzte. Schließlich wurde sie von zwei Polizisten vom Tatort entfernt.

Gruppe gibt es erst seit März

Gegründet wurde die schwedische Gruppe am 1. März dieses Jahres, sechs Tage bevor das Amtsgericht in Heilbronn zum ersten Mal in der Republik eine Haftstrafe ohne Bewährung gegen zwei Klimakleber verhängt hat. Am Montag stand auch Greta Thunberg in Malmö vor Gericht. Nach Angaben der Polizei wurden zunächst 30 Lastwagen blockiert. Als die Demonstranten aufgefordert wurden, auf eine nahe gelegene Wiese zu gehen, hätten dies die meisten gemacht. Vier, darunter Greta Thunberg, hätten sich geweigert und wurden entfernt.

Das Gericht verurteilte die Schwedin, die vor fünf Jahren mit ihrem Schulstreik fürs Klima eine weltweite Bewegung losgetreten hatte. Allerdings blieben die Richter bei der Strafzumessung am untersten Ende dessen, was möglich ist: 30 Tagessätze zu je 50 Schwedische Kronen – das sind weniger als fünf Euro pro Tag. Zusätzlich muss sie 1000 Kronen (86 Euro) an eine gemeinnützige Organisation bezahlen. Nach schwedischen Medienangaben hatte Tunberg ihre Handlungen eingeräumt, sieht diese aber nicht als kriminellen Akt an. Nach der Verhandlung äußerte sie sich ganz so, wie es auch ihre deutschen Kollegen regelmäßig machen: Es sei „absurd“ dafür belangt zu werden, im Einklang mit der Wissenschaft zu handeln.