Wenn alles erlaubt ist, regieren Hass und Gewalt. Foto: Universal Pictures - Universal Pictures

Einmal im Jahr ist in jenen fiktiven Vereinigten Staaten, in denen die Filme der Reihe „The Purge“ spielen, alles erlaubt – selbst die schlimmsten Verbrechen werden nicht geahndet. Wie diese verstörende Vision, die Hollywood schon in drei Horrorfilmen durchdekliniert hat, einst ihren Anfang nahm, zeigt Regisseur Gerard McMurray in seinem neuen Film „The First Purge“.

EsslingenDie Idee ist verstörend: Einmal im Jahr darf jeder für zwölf Stunden morden, ohne dafür bestraft zu werden. Das ist der Grundgedanke der Filmreihe „The Purge“, die in den USA von vielen begeistert aufgenommen wurde – und Produzent Jason Blum stellte fest, dass diese Jubelschreie mit jedem Teil der Reihe lauter wurden. Die aktuelle Weltpolitik und die Lage der US-amerikanischen Nation nährten die Entstehung des neuesten Films „The First Purge“, dem Prequel zur bereits erschienenen „The Purge“-Trilogie. Diesmal erzählt Regisseur Gerard McMurray, wie ein größenwahnsinniger Politiker hofft, mithilfe eines morbiden Experiments die eskalierende Gewalt in seinem Land wieder unter Kontrolle zu bringen. Manch einer könnte das als zynisch überspitzte Antwort auf die Parole „Make America Great Again“ verstehen.

Rassenunruhen, Gewalt und Hass vergiften in Gerard McMurrays neuem Film das Klima in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das soll sich ändern, verspricht die Partei „Neue Gründungsväter Amerikas“, die sich durch ein außergewöhnliches Experiment die Stimmen ihrer Wähler sichern will. Eine sogenannte Säuberung soll es den Bürgerinnen und Bürgern der USA möglich machen, einmal im Jahr Verbrechen begehen zu können, ohne Folgen fürchten zu müssen. Das Ziel: Die Kriminalitätsrate soll dadurch auf unter ein Prozent sinken. Die Theorien einer renommierten Psychologin (Marisa Tomei) befeuern die Partei in ihren Plänen. Zu Testzwecken soll eine Säuberung auf Staten Island stattfinden. Wenn das Konzept aufgeht, wird schon ein Jahr später ganz Amerika teilnehmen können. Doch als die Bewohner sich weigern, einander umzubringen, greifen die Politiker selbst ein und sorgen für eine blutige Nacht.

„The First Purge“ ist unübersehbar ein Film der „Ära Trump“. Das merkt man nicht nur daran, dass in einer Szene ein „Pussy Grabbing Motherfucker“ versucht, sich an einer jungen Frau zu vergehen. Auch von „Fake News“ ist die Rede, und wenn der Parteichef der „Neuen Gründungsväter Amerikas“ mit stolzgeschwellter Brust obskure Wahlversprechen gibt, die sich mit einem harmonischen Miteinander nicht vereinbaren lassen, spiegelt das nur zu gut die aktuelle Lage der US-Politik wider. Da ist es nur konsequent, dass nach den ersten drei „Purge“-Teilen nun der Fokus auf denen liegt, die bei einem solchen Experiment tatsächlich an vorderster Front um ihr Überleben kämpfen müssten. In erster Linie ist „The First Purge“ ein Film über die „Black Community“ und die lateinamerikanische Gesellschaft, derer sich die „Neuen Gründungsväter Amerikas“ entledigen wollen.

Leider braucht das Skript von James DeMonaco etwas zu lange, damit sich diese gesellschaftskritischen Ansätze in „The First Purge“ voll entfalten können. Auch die Szenen, in denen Politiker dem kruden Treiben über Monitore beiwohnen, sind rar gesät. Dabei wäre es spannend gewesen, sich etwas mehr mit den Wissenschaftstheorien zu dieser Aktion auseinanderzusetzen. Außer der banalen Erklärung, dass jeder mal Dampf ablassen müsse, liefert „The First Purge“ keine neuen Erkenntnisse, weshalb eine Säuberung manchen US-Amerikanern Gutes verspricht.

Der vierte Teil der Horrorfilmreihe „The Purge“ blickt zurück auf die Ursprünge der fiktiven amerikanischen Tradition, in der für eine Nacht alle Verbrechen erlaubt sind.

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