Im Bettentrakt des ehemaligen Hotels Bärenpost in Denkendorf sollen Geflüchtete und Obdachlose unterkommen. Foto: /Ulrike Rapp-Hirrlinger

Die Gemeinde Denkendorf hat für die Flüchtlingsunterbringung das ehemalige Hotel Bärenpost gekauft und verzichtet auf den Neubau einer Unterkunft beim Wasserwerk im Heerweg.

Die Zahl der Geflüchteten nimmt auch in Denkendorf weiter stark zu. Zwar hätten sich die Zugänge aus der Ukraine stabilisiert, jedoch kämen wieder erheblich mehr Geflüchtete aus anderen Ländern, berichtete der Bürgermeister Ralf Barth im Gemeinderat. Momentan reichten die Plätze noch aus, doch dies könne sich rasch ändern. „Wir wissen nicht, was in den nächsten Jahren noch auf uns zukommt. Der Zustrom ist ungebrochen.“ Gut möglich, dass die Quoten der Zuteilung an die Kommunen weiter ansteigen, meint Barth.

Der Bürgermeister ist deshalb überzeugt: „Die Flüchtlingsunterbringung wird eine Daueraufgabe bleiben. Und sie ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde.“ Um gerüstet zu sein, hatte die Kommune bereits im vergangenen Jahr den Bau einer neuen Flüchtlingsunterkunft auf dem gemeindeeigenen Grundstück hinter dem Wasserwerk im Heerweg in Erwägung gezogen. Gleichzeitig habe man jedoch nach Alternativen gesucht, sagt Barth.

Inzwischen hat sich eine andere Lösung ergeben. Die Gemeinde hat das frühere Hotel Bärenpost in der Deizisauer Straße gekauft. Es diente zwischenzeitlich auch als Seniorenresidenz und ist derzeit Wohnheim für Arbeiter, die am Bahnprojekt Stuttgart 21 mitarbeiten. Künftig sollen dort Geflüchtete, aber auch obdachlos gewordene Menschen untergebracht werden. Auf den Neubau will man deshalb verzichten.

Im Kauf der Immobilie samt Grundstück sieht Barth eine große Chance. Diese Lösung sei nachhaltiger und vor allem deutlich kostengünstiger als ein Neubau. Über den Kaufpreis habe man mit dem bisherigen Eigentümer Stillschweigen vereinbart. Eine überschlägige Schätzung ging für einen dreigeschossigen Neubau mit Platz für etwa 70 Personen von Kosten in Höhe rund 5,5 Millionen Euro aus.

Gebäude schon jetzt zum Teil als Wohnheim genutzt

Die Gemeinde rechnet damit, dass im ehemaligen Hotel rund 90 Plätze zur Unterbringung entstehen könnten. Auch das Büro der Integrationsmanagerinnen könnte dort Platz finden. Ebenso gibt es laut Kommune weiteres Raumpotenzial etwa für Sprachhilfe, weitere ehrenamtliche Aktivitäten oder eine Kleiderkammer.

Zum 1. Januar 2024 wird die Gemeinde die Immobilie übernehmen. Das Haus sei weitgehend vermietet und werde wohl frühestens Ende des Jahres 2024 oder Anfang des Jahres 2025 für kommunale Zwecke zur Verfügung stehen, so Barth. Der Bettentrakt im rückwärtigen Teil des Gebäudes soll dann der Unterbringung Geflüchteter und obdachloser Menschen dienen. Bereits jetzt gibt es zum Teil kleinere Apartments mit Küche, ansonsten Gemeinschaftsküchen. Jedes Zimmer verfügt über eine eigene Nasszelle. Da das Gebäude jetzt schon zum Teil als Wohnheim genutzt wird, geht die Gemeinde davon aus, dass keine größeren Renovierungsarbeiten notwendig sein werden, wahrscheinlich aber Reparaturen und kleinere Renovierungen.

2024 könnte es eng werden

Im vorderen, an die Deizisauer Straße grenzenden Bereich werde „eine wertige Adresse mit entsprechender Nutzung der Erdgeschosseinheit angestrebt“. Was genau dort entstehen soll, würden der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung in den kommenden Wochen und Monaten überlegen. Nicht angedacht sei aktuell ein weiterer Ausbau zu Wohnungen, so der Bürgermeister.

Mittelfristig bekomme man nennenswerte räumliche Kapazitäten für die Flüchtlingsunterbringung, sagte Barth. In diesem Jahr reichten die bestehenden Plätze noch aus. 2024 jedoch könne es eng werden. „Dann müssen wir zusammenrücken.“ Doch er hat auch beobachtet: „Manche Ukrainer gehen wieder zurück nach Hause, andere finden dauerhaften Wohnraum.“

Zwei kommunale Unterkünfte

Wohnraum
 Derzeit gibt es in Denkendorf zwei kommunale Unterkünfte: ein Wohnheim in der Heydstraße, das die Gemeinde 2016 errichtet hat, und ein angemietetes Gebäude in der Robert-Bosch-Straße. Der Mietvertrag dafür läuft im Herbst 2026 aus. Außerdem sind weitere Wohnräume angemietet.

Geflüchtete
Aktuell hat die Gemeinde 56 ukrainische Flüchtlinge, verteilt auf fünf Unterkünfte, untergebracht. Zudem leben weitere 56 Geflüchtete aus anderen Ländern in den beiden kommunalen Unterkünften. Außerdem sind Flüchtlinge sowohl in privaten als auch in gemeindeeigenen Wohnungen untergekommen. In diesem Jahr muss Denkendorf insgesamt 19 Geflüchtete aus der Ukraine aufnehmen. Davon sind bereits 14 Personen angekommen. Aus anderen Ländern beträgt die Aufnahmequote in diesem Jahr 25 Personen, von denen 20 bereits von der Verwaltung aufgenommen und untergebracht worden sind.