VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo spricht Mateo Klimowicz Mut zu. Foto: Baumann - Baumann

Trotz Pokal-Aus ist der VfB Stuttgart hoch erhobenen Hauptes aus Leverkusen zurückgekehrt. Nun stellt sich aber die Frage, was dieser Auftritt für die Liga bedeutet.

LeverkusenWataru Endo ist schon überrascht gewesen, als ihm der Trainer eröffnete, dass er ihn versetzen würde – in die Innenverteidigung. Aber der Japaner tat, was Japaner in solchen Situationen für gewöhnlich tun. Er lächelte. „Das ist kein Problem“, sagt der 27-jährige Fußballprofi des VfB Stuttgart. Endo hat in seiner Heimat ja lange genug in der Abwehr gespielt und jetzt war es eben bei Bayer Leverkusen in der Fremde so weit.

„Ich wollte ihn eben auch auf dieser Position mal sehen“, sagt Pellegrino Matarazzo über seine Maßnahme. Und es scheint fast so, als ob der neue Chefcoach des Zweitligisten die Spieler auf ihre Flexibilität testet. Endo, ein Mittelfeldmann, ist nicht der Erste gewesen, den Matarazzo seit seinem Amtsantritt im Januar verschoben hat. In der Bay-Arena fand sich zum Beispiel Pascal Stenzel plötzlich auf der linken Abwehrseite wieder, wo er doch auf die rechte Seite abonniert schien.

Breite und Tiefe nutzen

Natürlich sind die Veränderungen auch den personellen Ausfällen geschuldet, aber beim 1:2 in Leverkusen wurde zudem klar, dass Matarazzo die Breite und Tiefe des Kaders nutzen will, um über taktische Varianten zu verfügen. Im Achtelfinale des DFB-Pokals war es der einfachste aller Matchpläne, den sich der Trainer ersonnen hatte: Hinten kompakt stehen und nach vorne kontern. Außenseiterfußball nennt sich das, weil der VfB erstmals in dieser Saison nicht in der Rolle des Favoriten steckte. Gegen den ambitionierten Bundesligisten galt die vermeintlich reduzierte Herangehensweise als probates Mittel. Zumal die Stuttgarter nur wenig Zeit hatten, sich auf die Rheinländer einzustellen. Zwischen den Ligapartien beim FC St. Pauli (1:1) und nun gegen Erzgebirge Aue am Samstag (13 Uhr) steckte die Herausforderung beim Europapokal-Teilnehmer.

Die Schlussminuten offenbarten, dass das Stuttgarter Spiel nicht nur in Phasen verläuft, sondern stark von einzelnen Momenten abhängt.

In Leverkusen hatten sie Silas Wamangituka, Nicolas Gonzalez und Mateo Klimowicz. Die drei Talente vergaben jedoch die Torchancen, um der Partie eine Wendung zu geben und den VfB womöglich in die Runde der letzten acht Pokalteams zu schießen. „Mach ihn, bitte, bitte mach ihn“, hat Fabian Bredlow sein Innerstes nach außen gekehrt, als der eingewechselte Klimowicz in der Nachspielzeit den besten VfB-Angriff hätte veredeln können. Der Wunsch des Torhüters, der bei den Gegentreffern (Eigentor/72.; Lucas Alario/83.) unglücklich ausgesehen hatte, zumindest in die Verlängerung zu kommen, blieb jedoch unerfüllt. Dennoch meinte Bredlow: „Das Spiel sollte uns Schwung für die Liga geben.“

Wobei sich schon zwei Fragen stellen. Erstens: Inwieweit kann der Pokalauftritt ein Maßstab sein? Zweitens: Kann die Spielweise überhaupt eine Blaupause für die anstehenden Aufgaben darstellen? Beide Antworten verknüpfen sich miteinander, da Teil eins zunächst ja nur hypothetisch anzugehen ist. Ja, der VfB spielte taktisch klug. Ja, er kam zu Möglichkeiten gegen ein klassenhöheres Team, aber man wurde den Eindruck nicht los, dass die Elf von Bayer-Coach Peter Bosz mit angezogener Handbremse spielte. Und so banal es klingen mag: „Das Spiel gegen Aue wird ein ganz anderes“, sagt Mislintat. Die Gäste aus dem Erzgebirge mit Trainer Dirk Schuster werden den Stuttgarter nur zu gerne den Ball überlassen, um selbst kontern zu können. Das ist das VfB-Los im Unterhaus – er braucht spielerische Lösungen.

Mit neuer Flexibilität will Matarazzo die Verhältnisse zurechtrücken, indem er auch schaut, was der Gegner an Stärken und Schwächen mitbringt. Ähnlich wie es Hannes Wolf in der Aufstiegssaison 2016/2017 tat, als der damalige Coach jede Partie als ein eigenes Projekt verstand und die Aufstellung oft änderte. Es dürfte Endo deshalb nicht überraschen, wenn er am Samstag schon wieder versetzt wird.

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