Der Schwalbenschwanz, ein so schöner wie rarer Schmetterling, ist im Naturgarten von Familie Denneler in Rüdern bereits geschlüpft – Wochen früher als sonst.
Esslingen - Er ist weiß, gelb und schwarz gemustert, hat einzelne blaue Streifen und rote Augenflecken, und seinen Namen verdankt er den schwanzförmigen Fortsätzen an seinen Hinterflügeln: der Schwalbenschwanz. Normalerweise schlüpft dieser Schmetterling aus der Familie der Ritterfalter frühestens in der zweiten Aprilwoche – umso größer war die Überraschung bei Familie Denneler im Esslinger Stadtteil Rüdern, als sich in diesen Tagen schon der zweite Schwalbenschwanz im kleinen Schmetterlingshäuschen neben der Haustür aus seiner Puppe befreite. „In diesen Zeiten, in denen viele Menschen von Ängsten und Sorgen geplagt sind, freut man sich über eine solche Nachricht doch ganz besonders“, strahlt Irmgard Denneler. Obwohl sie und ihr Ehemann Siegfried jedes Jahr das Schlüpfen des Schmetterlings-Nachwuchses erleben dürfen, sind sie jedes Mal aufs Neue begeistert: „Das ist doch wie ein kleines Wunder, da hüpft einem das Herz.“
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„Der erste Schwalbenschwanz, der vor ein paar Tagen geschlüpft ist, war ein besonders großes und prächtiges Exemplar. Der kam bei ausgebreiteten Flügeln auf sechs bis acht Zentimeter“, schätzt Siegfried Denneler, dem das Wohlergehen der Spezies Schmetterling seit vielen Jahren ganz besonders am Herzen liegt. Eigentlich wollte Familie Denneler den ersten flatternden Gast vor seiner Freilassung noch zwei Tage mit Honigwasser im Kasten aufpäppeln. „Aber sein Freiheitsdrang war stärker. Durch einen winzigen Spalt, den wir zur Belüftung geöffnet haben, ist er entwischt“, bedauert Irmgard Denneler. Auch der zweite Schwalbenschwanz, der sich am Donnerstagmorgen aus seiner Puppe herausarbeitete, hatte es eilig, sein Winter-Quartier zu verlassen: „Er war ganz wild darauf, loszufliegen“, beobachtete Irmgard Denneler, bevor sie ihn spätnachmittags in die Freiheit entließ.
Ein wenig sorgt sich die engagierte Bio-Gärtnerin, ob die Falter in diesen frühen Tagen in der Natur bereits ausreichend Nahrung finden. In ihrem naturnah gestalteten Biogarten gibt es jede Menge Doldenblütler, die eine beliebte Schmetterlingsnahrung sind: „Normalerweise lieben sie das Fenchelkraut, aber das ist im Moment erst winzig klein. Ich hoffe, dass sie trotzdem genug zum Fressen finden.“ Ihr Mann ist zuversichtlich: „Obwohl es im Moment noch nicht viel Grünes und Blühendes gibt, bin ich sicher, dass sie sich zu helfen wissen. Später im Jahr fressen sie eigentlich alles. Sie saugen Nektar aus den unterschiedlichsten Blüten. Bei uns mögen sie vor allem den blühenden Fenchel. Und unser großer Butleia-Schmetterlingsbaum, der hier im Vorgarten steht, ist oft wild umflattert“, erzählt er. Den Schwalbenschwanz beobachtet er intensiv: „Er zählt zu den größten und auffälligsten Tagfaltern in Deutschland entdecken. Wenn die Sonne richtig scheint, fliegen sie oft vorne über die Terrasse, als ob sie uns einen kleinen Gruß schicken möchten“, freut er sich über die beschwingt und leicht umher segelnden Falter.
Während andere Schmetterlingsarten ganze Ei-Haufen produzieren, legt der Schwalbenschwanz nur einige wenige Eier ab: „Deshalb sind sie bei uns auch so selten geworden“, erklärt Siegfried Denneler. Jedes Jahr im Herbst lässt Familie Denneler die Schwalbenschwanz-Eier der letzten Generation eines Jahres sich in ihrem Natur- und Bauerngarten zur Raupe entwickeln. „Der Schwalbenschwanz hat eine wunderschöne Raupe, grün und gesprenkelt mit gelben und orangefarbenen Punkten, so schön, dass sie immer wieder in Fachzeitungen abgebildet ist“, schwärmt Siegfried Denneler. „Irgendwann beginnt diese Raupe zu krabbeln und sich 14 Tage lang richtig vollzufressen. Danach nehmen wir ein paar von ihnen ins Schmetterlingshaus hinein.“ Dort beginnt sich die Raupe immer wieder zu häuten und verpuppt sich Ende September bis Mitte Oktober, um zu überwintern.
Siegfried Denneler beobachtet dieses Schauspiel fasziniert: „Als ob sie ein Häutchen komplett über sich zieht.“ So geschützt bildet sich die Raupe zum Schmetterling um. Wenn sich dann im Frühjahr die Puppe bräunlich verfärbt, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Metamorphose abgeschlossen ist und die Hülle demnächst aufgebrochen wird. „Dann kann man von außen beobachten, wie sich innendrin etwas bewegt“, erzählt Siegfried Denneler. Der Schmetterling befreit sich, die Flügel entfalten und straffen sich. „Und dann will er ganz schnell los in die Freiheit“, weiß Irmgard Denneler.