Markus Baur, der Trainer von Frisch Auf Göppingen, war nach der Niederlage beim HC Erlangen sehr enttäuscht. Foto:  

Der am Saisonende beim Handball-Bundesligisten Frisch Auf Göppingen auslaufende Vertrag von Trainer Markus Baur wird nicht verlängert. Nach Informationen unserer Redaktion soll Benjamin Matschke Nachfolger werden.

Am 30. November 2022 hatte Markus Baur das Traineramt für Hartmut Mayerhoffer bei Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen übernommen und einen Vertrag bis 30. Juni 2024 unterschrieben. Nun steht fest, dass der auslaufende Kontrakt nicht verlängert wird. Die Entscheidung war bereits vor der 26:28-Niederlage am Freitag beim HC Erlangen gefallen. Nachfolger soll nach Informationen unserer Redaktion der derzeit vereinslose Benjamin Matschke werden. Von den Beteiligten war am Freitag keiner für eine Stellungnahme zu erreichen. Am Samstag bestätigte der Verein die Trennung von Baur am Saisonende, über den Nachfolger äußerte man sich nicht.

Baur hatte Frisch Auf vor knapp einem Jahr mit 7:21 Punkten übernommen. Am Saisonende hatte der Traditionsclub 23:45 Zähler auf dem Konto und landete auf Platz 14. Auf der internationalen Bühne lief es – wie auch schon unter seinem Vorgänger – besser: Der Weltmeister von 2007 führte die Göppinger in der vergangenen Runde ins Final Four der European League, wo man auf Platz drei landete. Dennoch ist der Verein mit der sportlichen Entwicklung nicht zufrieden. Nach der Niederlage beim HC Erlangen rangierten die Grün-Weißen mit 9:19 Punkten auf dem 16. Platz und hinken damit ihrem Saisonziel einstelliger Tabellenplatz weit hinterher.

Hofele begründet Trennung

„Wir haben sowohl unsere sportlichen Leistungen und Ergebnisse der letzten Wochen und Monate als auch die künftigen Herausforderungen und damit verbundenen Anforderungen an Frisch Auf eingehend analysiert. Nach diesem Prozess haben wir in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat gemeinsam entschieden, dass wir auch auf der Trainerposition für die kommende Saison eine Veränderung vornehmen“ teilte Geschäftsführer Gerd Hofele mit.

Mit Matschke soll nun offenbar im Sommer eine Art Neuanfang gelingen, mit dem ein gewisser Umbruch und eine Verjüngung im Kader einhergehen werden. Torwart-Routinier Marin Sego (38) dürfte ziemlich sicher gehen, Kapitän Tim Kneule (37) denkt ans Karriereende. Auch bei Kreisläufer Vid Poteko und Spielmacher Jaka Malus ist ein Tapetenwechsel wahrscheinlich, Nationalspieler Sebastian Heymann befindet sich auf dem Sprung zu Ligarivale Rhein-Neckar Löwen.

Auch Management unter Druck

Die Zusammensetzung des neuen Kaders wird zu einer Herausforderung, auch weil finanziell tendenziell eher abgespeckt werden muss. Sie stellt aber auch eine Art Bewährungsprobe für das Management um Geschäftsführer Gerd Hofele und den Sportlichen Leiter Christian Schöne dar, die aufgrund der fehlenden Weiterentwicklung ebenfalls in der Kritik stehen.

Mit Matschke hatte Frisch Auf schon vor einem Jahr gesprochen, als es um die Mayerhoffer-Nachfolge ging. Damals war der 41-Jährige, aber erst gerade bei Bundesligist HSG Wetzlar beurlaubt worden – und fühlte sich noch nicht bereit für eine neue Aufgabe. Seitdem war der gebürtige Heilbronner vereinslos.

Gute Arbeit in Friesenheim

Vor seinem Engagement in Wetzlar trainierte Matschke von 2015 bis 2021 die TSG Friesenheim beziehungsweise die Eulen Ludwigshafen und holte dort aus den vorhandenen Möglichkeiten fast immer das Optimale heraus. Er gilt als Trainer mit innovativen Ideen und als großer Motivator, der Spieler begeistern kann. In seinen früheren Clubs blickte er auch über den Tellerrand hinaus, arbeitete an Strukturen im Umfeld mit und trieb Prozesse voran.

Als Spieler war der in Heddesheim wohnhafte Gymnasiallehrer und Vater von zwei Kindern (7 und 9 Jahre) unter anderem auch beim TV Kornwestheim und für den VfL Pfullingen am Ball.

Bei allen Zukunftsplanungen: Für Frisch Auf geht es zunächst darum, in der aktuellen Saison aus dem Tabellenkeller zu klettern. Der Druck ist groß. Nicht auszudenken, wenn auch das Heimspiel am kommenden Donnerstag (19 Uhr/EWS-Arena) gegen den HBW Balingen-Weilstetten verloren geht. Baur bleibt trotz der feststehenden Trennung am Saisonende optimistisch: „Die Saison ist noch lang. Ich bin mir sicher, dass wir als Team gemeinsam Punkte sammeln und in der Tabelle Schritt für Schritt weiter nach oben klettern.“