Frisch Auf Göppingen gewinnt einen zahlungskräftigen Hauptsponsor, verbunden allerdings mit einem Bruch in der Tradition. Am Montagabend tagt die Führungsetage mit den aufgebrachten Fans.
Göppingen - Wenn Frisch Auf Göppingen im Rathaus präsent ist, dann gibt es meistens etwas zu feiern. So wie bei den Europacupsiegen 2011, 2012, 2016 und 2017. Am Montag begrüßte Oberbürgermeister Guido Till Vertreter des Handball-Bundesligisten aus einem anderen Grund: Die Zusammenarbeit mit dem an der Börse notierten Technologieunternehmen Teamviewer wurde bekannt gegeben. Damit hat Frisch Auf erstmals seit dem Ausstieg von EnBW 2012 wieder einen Hauptsponsor und strategischen Partner – und zwar für das Männer- und Frauenteam.
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Längerfristige Zusammenarbeit
Die Vereinbarung gilt für zwei Jahre, ist aber längerfristig angelegt. Die Unterstützung soll sich pro Saison zunächst auf knapp eine Million Euro belaufen. Über die exakte Summe wurde Stillschweigen vereinbart. „Wir haben beide unseren Standort in Göppingen, sind national und international aktiv und verfolgen mit dem gleichen Commitment unsere anspruchsvollen Ziele,“ sagte Frisch-Auf-Geschäftsführer Gerd Hofele. So weit das Positive.
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Doch noch während die Pressekonferenz lief, schlugen in den sozialen Medien bereits die Wellen hoch. Grund: Der neue Hauptsponsor beharrt auf seine Unternehmensfarbe Blau auf den Heimtrikots, was einen Bruch mit der grün-weißen Tradition bedeutet. „Frisch Auf verliert das Einzige, was den Verein ausmacht: Tradition. Teamviewer macht Frisch Auf zum Red Bull des Handballs“, schreibt ein Fan. „So kann man auch seine Seele verkaufen“, ein anderer. „Wehret den Anfängen. Wir sind Grün und Weiß ein Leben lang“, posteten Vertreter der Bernhard-Kempa-Kurve. Positive Reaktionen sind die Ausnahme wie: „Ich finde es saugut, dass Teamviewer einsteigt. Sie kommen aus Göppingen, sind keine Scheichs oder russische Gaslieferanten.“
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Der Verein hatte um das Grün auf dem Heimtrikot gekämpft, doch der Geldgeber war nicht zu Kompromissen bereit. Um die auch von den Fans immer wieder vehement geforderte Weiterentwicklung voranzutreiben, entschied sich der Aufsichtsrat zwar weitgehend zähneknirschend, aber einstimmig für die Zusammenarbeit. „Ich bin auch ein konservativer Typ. Aber letztendlich war es alternativlos. Jeder Entscheidungsträger, der diesen Weg nicht mitgegangen wäre, hätte seinen Job bei Frisch Auf verfehlt“, sagte Hofele und legt Wert darauf, dass die Vereinsfarben Grün-Weiß erhalten bleiben und auch das Logo nicht verändert wird.
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Und was sagt der neue Hauptsponsor zu dem brisanten Farben-Thema? Teamviewer-Chef Oliver Steil bat um Verständnis: „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von Teamviewer ist das Markenerlebnis Blau. Da unsere Zusammenarbeit etwas richtig Strategisches sein soll mit hohen Zielen, kann ich mir nicht vorstellen, wie Grün und Blau zusammen gehen“, erklärte der 49-jährige Top-Manager, der vom Erfolg seines Unternehmens extrem profitiert und für 2019 eine Rekordvergütung von 41,3 Millionen Euro erhielt.
Emotionale Diskussion
Natürlich weiß auch er, dass emotionale Diskussionen um die Trikotfarbe im Sport nicht neu sind. Eine Veränderung geht – wenn überhaupt – in den allerwenigsten Fällen so geräuschlos über die Bühne wie etwa bei den Bundesliga-Volleyballerinnen von MTV Allianz Stuttgart. Trotz der Vereinsfarben Rot-Weiß des MTV schlagen die Spielerinnen im Blau-Weiß des Namens- und Geldgebers auf. „Bei uns gab es keinen Aufschrei“, bestätigt Abteilungsleiter Aurel Irion. Ganz anders ist das in Göppingen. Bereits am Montagabend trifft sich die Führungsetage mit Vertretern der fünf Fanclubs zum Austausch.